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Hammelkeulen mit Zitrone, Rosmarin und Eigelb

Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich · Wolfenbüttel · 1598

LagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeitca. 150 Min. KüchenzeitBuchKunstbuch von mancherley Essen (~1598)

Ebenso: Die Hammelkeulen mit Zitronen und Rosmarin, drei oder vier Eigelb, ein wenig Wein, zerstoßener Muskatblüte, Ingwer und Pfeffer fertig machen usw.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Kuͤhlen Hammelkeulen - Metzger -
Lemonien Zitronen - - -
Roßmarien Rosmarin - - -
drey oder vier Eyerdottern drei oder vier Eigelb - - -
ein wenig Weins ein wenig Wein - - -
zerſtoſſenen Muſcatenblumen Muskatblüte, gestoßen - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel Muskatnuss, frisch gerieben
Ingber Ingwer - - -
Pfeffer Pfeffer - - -

Welches Gericht ist das? Eine Hammelkeule, die mit Zitrone, Rosmarin, Eigelb, etwas Wein und gestoßener Muskatblüte, Ingwer und Pfeffer fertig gemacht wird: ein säuerlicher, mit Eigelb gebundener Abschluss. Das Rezept nennt nur die Zutaten zum Abmachen, keinen Ablauf.

Grundlage. Wie die Keule gegart wird, sagt der Text nicht. Die Reihe beginnt mit der in Wasser gesottenen Keule (ron-0335), und das nächste Rezept setzt die gesottenen Keulen ausdrücklich voraus (ron-0336). Naheliegend ist auch hier die gesottene Keule, die mit einem Teil ihrer Brühe abgemacht wird. Das ist eine Ergänzung.

Eigelb. Wie das Eigelb dazukommt, sagt der Text ebenfalls nicht. Naheliegend bindet es mit dem Wein und etwas Brühe eine Sauce; im zweiten Rezept der Reihe verrührt Rontzier die Eidotter mit derselben Brühe, lässt sie aufkochen und gibt sie darüber (ron-0336). Bei starkem Kochen flockt Eigelb aus, deshalb zieht man es heute lieber bei kleiner Hitze unter.

Praxis. Die Hammelkeule in Wasser bei kleiner Hitze sieden, bis sie weich ist, etwa zwei bis zweieinhalb Stunden. Einen Teil der Brühe abnehmen, Zitronenscheiben oder Zitronensaft, Rosmarin, gestoßene Muskatblüte, Ingwer und Pfeffer hineingeben und kurz ziehen lassen. Drei oder vier Eigelb mit dem Wein verquirlen, mit etwas heißer Brühe angleichen und bei kleiner Hitze einrühren, bis die Sauce leicht bindet; über die Keule geben. Salz nennt der Text nicht. Die Zubereitungszeit von etwa zweieinhalb Stunden ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, eingeschränkt. Engpass ist die frische Hammelkeule, die bis zum Garen eine Kühlkette braucht. Zitronen, Rosmarin, Wein und Gewürze halten sich. Gegart wird in einem Topf am Feuer, alles in allem rund zweieinhalb Stunden.

Wie wird die Keule gegart?

Das Rezept sagt es nicht, es nennt nur die Zutaten zum Fertigmachen. Rontziers Reihe zu Hammelkeulen beginnt mit der in Wasser gesottenen Keule (ron-0335); von dieser Grundform geht man auch hier am besten aus.

Wozu das Eigelb?

Der Text sagt es nicht. Naheliegend bindet es mit Wein und Brühe eine Sauce, so wie Rontzier im zweiten Rezept der Reihe Eidotter mit der Brühe verrührt und über die Keulen gibt (ron-0336). Bei kleiner Hitze einrühren, sonst flockt das Eigelb aus.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kunstbuch von mancherley Essen. Kochbuch des braunschweigisch-lüneburgischen Mundkochs Frantz de Rontzier, gedruckt 1598 in Wolfenbüttel. Höfische Bankett- und Schauessen-Küche: Gesottenes, Gebratenes, Pasteten, Hirsch, Geflügel und Wildbret für fürstliche Tafeln. Rontzier konnte nicht schreiben und hat das Buch diktiert.

Item / man macht die Kuͤhlen ab mit Lemonien vnd Roßmarien / drey oder vier Eyerdottern, ein wenig Weins / zerſtoſſenen Muſcatenblumen, Ingber vnd Pfeffer / etc.
Kuͤhlen

Keulen. Kühle ist die niederdeutsche Form von Keule: Grimms Wörterbuch führt unter keule mnd. kûle, nnd. küle. Gemeint sind Hammelkeulen.

Lemonien

Zitronen (mittelniederdeutsch limonie, lemonie). Ob der Saft, Scheiben oder Stücke der Frucht gemeint sind, sagt der Text nicht.

Druck
Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich
Teil
Hamelskühlen
Sprache
Frühneuhochdeutsch (braunschweigische Druckersprache, 16. Jh.)
Entstehung
Wolfenbüttel, 1598

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Lemonienlemon Q1093742
Roßmarienrosemary Q122679
drey oder vier Eyerdotternyolk Q16336079
ein wenig Weinswine Q282
Ingberginger Q15046077
Pfefferpepper Q3143131

Originalwerk (~1598) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 092, Österreichische Nationalbibliothek, Alt Prunk *44.S.114, Austrian Books Online Quelle öffnen
Transkription
Eigene Transkription nach den Seitenscans der Österreichischen Nationalbibliothek (Alt Prunk *44.S.114), an den Scans korrigiert Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ron-0347
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt (Kühlung): Frisches Hammelfleisch braucht bis zum Garen durchgehend Kühlung. Zitronen, Rosmarin, Wein und Gewürze sind unkritisch; das Eigelb kommt erst zum Schluss dazu.
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Stand dieser Fassung: 29.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.