Lammfleisch mit Rübenmus aus Milch, Butter und Ingwer
Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich · Wolfenbüttel · 1598
Gesottene Rüben mit Milch durchstreichen und zusammen mit Ingwer und Butter über das Lammfleisch geben.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| fleiſch | Lammfleisch | - | Metzger | - |
| geſotten Ruͤben | gesottene Rüben | - | Wochenmarkt, etwa Mairüben oder Herbstrüben | - |
| Milch | Milch | - | - | - |
| Ingber | Ingwer | - | - | - |
| Butter | Butter | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Gegartes Lammfleisch, über das ein Mus aus gesottenen Rüben gegeben wird, mit Milch durchgestrichen und mit Ingwer und Butter. Wie das Fleisch gegart wird, sagt das Rezept nicht; in der Reihe zum Lammfleisch nennt ron-0426 die Brühe vom Lammfleisch, es wird also in der Regel gesotten gewesen sein.
Rüben und Milch. Die Rüben kommen schon gesotten, also weich, in das Rezept. Die Milch verdünnt sie beim Durchstreichen zu einem glatten, gießbaren Mus; Fasern bleiben zurück. Womit durchgestrichen wird, sagt der Text nicht; die Nachbarrezepte nehmen dafür ein Haartuch, ein Seihtuch meist aus Pferdehaar.
Wärme. Ein Aufkochen nennt der Text nicht, anders als das Rübenmus im Rezept davor (ron-0445), das man durchkochen lässt. Brot bindet hier nicht, das Mus braucht also kein Kochen, um fest zu werden. Auf das heiße Fleisch gegeben, schmilzt die Butter.
Praxis. Lammfleisch (etwa Schulter oder Brust) in Salzwasser weich sieden, gut eine Stunde. Die Rüben schälen, in Stücke schneiden und in Wasser weich sieden, mit so viel Milch durch ein feines Sieb streichen, dass ein gießbares Mus entsteht, kurz erwärmen, Butter und Ingwer einrühren und über das Fleisch geben. Die Zubereitungszeit von etwa 2 Stunden ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Ja, eingeschränkt. Der Engpass ist das frische Lammfleisch, dazu die Milch; beides muss gekühlt bleiben. Die Rüben machen keine Probleme. Zum Durchstreichen brauchst du ein Seihtuch oder ein feines Sieb.
Welche Rüben sind gemeint?
Der Text sagt nur „Rüben“. Rontzier unterscheidet sonst weiße und rote Rüben und nennt oft die Bortfelder Rüben aus dem Braunschweiger Land; ohne Zusatz sind am ehesten weiße Speiserüben gemeint. Heute kommen Mairüben oder Herbstrüben dem nahe.
Wird das Mus noch einmal gekocht?
Der Text sagt es nicht. Die Rüben sind schon gesotten, sie werden nur mit Milch durchgestrichen und mit Ingwer und Butter über das Fleisch gegeben. Auf heißem Fleisch schmilzt die Butter; wer das Mus heiß servieren will, erwärmt es kurz.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Kunstbuch von mancherley Essen. Kochbuch des braunschweigisch-lüneburgischen Mundkochs Frantz de Rontzier, gedruckt 1598 in Wolfenbüttel. Höfische Bankett- und Schauessen-Küche: Gesottenes, Gebratenes, Pasteten, Hirsch, Geflügel und Wildbret für fürstliche Tafeln. Rontzier konnte nicht schreiben und hat das Buch diktiert.
- Ruͤben
Ohne Zusatz sind wohl Speiserüben (weiße Rüben) gemeint. Rontzier sagt sonst ausdrücklich „weiſſe“ oder „rote Ruͤben“, und die in seinem Buch häufigen Bortfelder Rüben aus der Gegend von Braunschweig sind ebenfalls Speiserüben.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| fleiſch | lamb meat Q643419 |
| geſotten Ruͤben | turnip Q3916957 |
| Milch | milk Q8495 |
| Ingber | ginger Q15046077 |
| Butter | butter Q34172 |
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Stand dieser Fassung: 30.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
