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Sauerampfersaft

Augspurger Kochbuoch, worinnen enthalten fürtreffliche Rezepte für Frawen & Junckfrawen · Augsburg · 1554

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichMittelKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeit60 Min.Portionen1 Glas (ca. 250 ml)BuchDas Kochbuch der Maria Stenglerin (~1554)

Nimm gute, frische Sauerampferblätter, die in Gärten wachsen. Hacke sie klein und presse sie danach aus. Gib den Saft in eine Pfanne und lasse ihn einmal aufkochen, sodass das Dicke zu Boden fällt. Dann streiche den Saft durch ein Tuch und wiege ihn.

Nimm so viel Zucker, wie Saft vorhanden ist, und lasse beides wieder zusammen sieden, bis kein Saft mehr rinnt. Probiere es mit einer Pfrieme, wie es auch vom Sauerkirschsaft beschrieben ist.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
gutte friſche Saurrampffen bletter, die in gerten wachſen Frische Sauerampferblätter - Gemüsebeet, Wochenmarkt (Frühjahrssaison) -
ſafft Sauerampfersaft - - -
zucker Zucker - - -

Welches Gericht ist das? Ein Sauerampfersaft, der mit Zucker im Verhältnis eins zu eins bis zum Gelierpunkt eingekocht wird - vergleichbar mit einem modernen Fruchtsirup oder einer streichfähigen Fruchtpaste, nur aus einem sauren Blattgemüse statt aus Obst gewonnen. Das Buch selbst stellt die Verbindung her und verweist auf dieselbe Technik beim Sauerkirschsaft.

Die Blätter werden klein gehackt und ausgepresst, dann kommt der rohe Saft in die Pfanne. Ein kurzes Aufkochen lässt Trübstoffe ausflocken, die zu Boden sinken - deshalb wird der Saft anschließend durch ein Tuch gestrichen und geklärt aufgefangen. Nach dem Wiegen kommt Zucker im gleichen Gewicht wie der Saft dazu, und beides wird erneut eingekocht, bis nichts mehr abrinnt.

Praxis. Die Pfriemenprobe ist die mittelalterliche Gelierprobe: Ein Tropfen auf einem Pfriem oder Löffel zeigt am Fadenzug oder an der Zähigkeit, ob der Punkt erreicht ist - ersatzweise taugt auch die moderne Tellerprobe. Gebraucht werden nur Pfanne, Tuch und Feuer; einzige Einschränkung ist die Saison, denn frischer Sauerampfer ist ein Frühjahrskraut.

Was ist 'Saurrampffen'?

'Saurrampffen' bezeichnet Sauerampfer (Rumex acetosa), ein saures Blattgemüse. Der Text nennt es selbst ein Gartenkraut ('die in gerten wachſen').

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, gut geeignet. Die Zutaten sind robust und die Zubereitung erfordert nur eine Pfanne und ein Tuch. Das Einkochen dauert etwas, aber das Ergebnis ist haltbar und kann gut im Lager zubereitet werden.

Was bedeutet 'probier es mit ainer pfrieme'?

Eine 'Pfrieme' ist eine Ahle oder ein spitzes Werkzeug. Diese Anweisung bedeutet, dass du die Konsistenz der eingekochten Masse damit testen sollst. Bleibt sie am Pfriem hängen oder bildet sie eine dicke Schicht, ist sie fertig - eine klassische Methode zur Bestimmung des Gelierpunkts von Konfitüren und Gelees.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Maria Stenglerin“. Kochbuch mit Besitzvermerk „Das Kochbuoch Gehört der Junckfraw Maria Stenglerin zu. 1554." Die Originalhandschrift gilt als unauffindbar - weder Thomas Glonings eigene Bibliographie (germcook.pdf) noch der Handschriftencensus noch Wikidata nennen eine Bibliothek oder Signatur, obwohl Glonings Liste bei anderen Handschriften-Kochbüchern die Signatur durchgängig mitführt. Verfügbar ist nur ein 1886 gedruckter Neudruck (Augsburg: Gebr. Reichel, 20 Bl., Fraktur-Neusatz mit Faksimile-Titelblatt der Besitzinschrift), digitalisiert von der Bayerischen Staatsbibliothek. Medium ist deshalb als "druck" gesetzt - Eigenschaft des tatsächlich erhaltenen Exemplars, nicht des verlorenen Originals. Ein Jahr vor Sabina Welserins Kochbuch (saw-*, ebenfalls Augsburg, Handschrift dort bekannt: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, 4° Cod 137) entstanden - starker Twin-Kandidat fürs Review. Eine weitere, grundsätzliche Unsicherheit bleibt: Da die Handschrift verschollen ist, lässt sich bei ungeklärten Hapax-Wörtern (z.B. mst-136 "Fiſchpersperlin", mst-137 "ſechdiſtel") nicht mehr feststellen, ob ein Fehler schon in der Handschrift selbst stand, beim Lesen durch den Herausgeber 1886 entstand oder beim Neusatz - anders als bei reinen OCR-Fehlern lässt sich das nicht gegen ein Referenzbild prüfen. Lesungen bei unbelegten Hapax sollten deshalb als Konjektur markiert bleiben, nicht stillschweigend geglättet werden.

Ain Saurrampffen safft zu machen. Item nimb gutte friſche Saurrampffen bletter, die in gerten wachſen, hack klain, pres darnnach auſs, thu den ſafft in aine pfanne vber, laſs ain ſudt thon, ſo fellt das dicht gen boden, vnnd ſtreichs durch ain thuch, vnd wig den ſelben ſafft, nimb als vil zucker als des ſaffts iſt, laſs wider an ainander ſieden, bis khain ſafft mer rindt vnd probiers mit ainer pfrieme, wie dan von dem weixelſafft geſchriebe iſt.
Saurrampffen bletter

Sauerampfer (Rumex acetosa), ein saures Blattgemüse, im Frühneuhochdeutschen fast schreibgleich als "saurampffer" belegt. Der Text nennt es ausdrücklich als Gartenkraut ('die in gerten wachſen').

pfrieme

Eine Ahle oder ein Pfriem ist ein spitzes Werkzeug, das hier zum Testen der Konsistenz der eingekochten Masse verwendet wird. Bleibt sie am Pfriem hängen oder bildet sie eine dicke Schicht, ist sie fertig.

weixelſafft

Saft von Weichseln, also Sauerkirschen (Prunus cerasus). Der Vergleich deutet auf eine ähnliche Zubereitung und Konsistenz wie bei einem Sauerkirschsirup hin.

Druck
Augspurger Kochbuoch, worinnen enthalten fürtreffliche Rezepte für Frawen & Junckfrawen
Teil
Hausmittel und Eingemachtes
Sprache
Frühneuhochdeutsch (schwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg, 1554
Neudruck
1886 (Originalhandschrift verschollen)

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

zuckerunrefined cane sugar Q57656231

Originalwerk (~1554) gemeinfrei.

Bildquelle
Seite 039, München, Bayerische Staatsbibliothek, 4 Oecon. 207 h (bsb00076173) - CC BY-NC-SA 4.0 Quelle öffnen
Transkription
Bayerische Staatsbibliothek (MDZ), Digitalisat des Neudrucks 1886 - kein Bibliotheks-OCR vorhanden (api.digitale-sammlungen.de/ocr/bsb00076173 liefert 404), eigenes Kraken-OCR nötig Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Die Zutaten sind robust und die Zubereitung erfordert nur eine Pfanne und ein Tuch. Das Einkochen dauert etwas, aber das Ergebnis ist haltbar und kann gut im Lager zubereitet werden.
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Stand dieser Fassung: 18.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.