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Mit Zimt besteckte Feldhühner in Brotsauce mit Wein

Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich · Wolfenbüttel · 1598

WildHauptspeise · WildLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeitca. 60 Min. KüchenzeitBuchKunstbuch von mancherley Essen (~1598)

Ebenso: Die Feldhühner mit Zimt bestecken. Mit geröstetem Brot abmachen, das in Wein gesotten und durch ein Haartuch gestrichen wurde, dazu Zimt, Muskatnuss, Zucker und Butter. Mit kurzer Brühe durchkochen lassen.

Wenn man sie zu Tisch tragen will, mit Zucker und Zimt bestreuen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
(erschlossen) Feldhühner (Rebhühner) - Wildhändler -
Caneil Zimt - - -
geroͤſtem Brot Geröstetes Brot - - -
Wein Wein - - -
Muſcaten Muskatnuss - - -
Zucker Zucker - - -
Butter Butter - - -
kurtzer bruͤh kurze Brühe - - -

Welches Gericht ist das? Rebhühner, mit Zimtstücken besteckt, in einer Sauce aus geröstetem Brot und Wein gar gekocht und beim Anrichten mit Zucker und Zimt bestreut. Rontzier stellt der Reihe den Satz voran, die Feldhühner mit Rinder- oder Kapaunenbrühe ans Feuer zu bringen; das Rezept selbst sagt nur, dass sie mit kurzer Brühe durchkochen.

Bestecken. Kleine Stücke Zimtrinde werden in flache Einschnitte der Haut gesteckt, wie Nelken in eine Keule. Sie würzen beim Garen von außen.

Die Brotsauce. Das Brot wird geröstet, in Wein weich gesotten und durch das Haartuch gestrichen, damit die Sauce glatt wird. Dazu kommen Zimt, Muskatnuss, Zucker und Butter.

Aufkochen. Die Sauce bindet erst in der Hitze: Beim Durchkochen verkleistert die Stärke des Brotes. Kalt bliebe nach dem Durchstreichen nur eine dünne, trübe Flüssigkeit. Die Vögel kochen deshalb in der Sauce mit wenig Brühe gar, bis die Flüssigkeit sämig ist.

Praxis. Das Brot kräftig, aber nicht schwarz rösten; ein feines Sieb tut denselben Dienst wie das Haartuch. Mengen nennt der Text nicht, Zucker und Zimt nach Geschmack. Die Zubereitungszeit von etwa 60 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, eingeschränkt. Der Engpass ist das frische Wildgeflügel: Rebhühner gibt es beim Wildhändler, und sie brauchen bis zum Kochen eine durchgehende Kühlung. Die Zubereitung selbst braucht nur einen Topf und ein Seihtuch; das Brot lässt sich am Feuer rösten.

Was sind Feldhühner?

Rebhühner. Das Grimmsche Wörterbuch erklärt feldhuhn mit „perdix, rebhuhn, ackerhuhn“, und Rumpolt nennt dieselben Vögel 1581 in einem Rezept abwechselnd Rephüner und Feldhüner (rum-0751).

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kunstbuch von mancherley Essen. Kochbuch des braunschweigisch-lüneburgischen Mundkochs Frantz de Rontzier, gedruckt 1598 in Wolfenbüttel. Höfische Bankett- und Schauessen-Küche: Gesottenes, Gebratenes, Pasteten, Hirsch, Geflügel und Wildbret für fürstliche Tafeln. Rontzier konnte nicht schreiben und hat das Buch diktiert.

Item / man beſticht ſie mit Caneil / macht ſie ab mit geroͤſtem Brot in Wein geſotten vnnd durch einen haarntuch gerieben / Caneil / Muſcaten, Zucker vnnd Butter / leſt ſie mit kurtzer bruͤh durchkochen / beſtrewet ſie mit Zucker vnd. Caneil wenn man ſie wil zum tiſche dragen.
beſticht

Bestecken: Stückchen Zimtrinde werden in die Vögel gesteckt, ohne Speck, so wie Rontzier Keulen mit Nelken besteckt (ron-0340). Rumpolt beschreibt dasselbe für Rebhühner: „mit Zimmet vnd Neglein gespickt“ (rum-0751).

kurtzer bruͤh

Kurze Brühe heißt wenig Brühe: Das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch führt für kurz auch die Bedeutung ›wenig, gering‹. Die Vögel liegen also nicht in einer Suppe, sondern garen in knapper Flüssigkeit, die mit dem Brot zur Sauce wird. Dieselbe Wendung steht in der Reihe bei ron-0479.

Druck
Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich
Teil
Feldthünern
Sprache
Frühneuhochdeutsch (braunschweigische Druckersprache, 16. Jh.)
Entstehung
Wolfenbüttel, 1598

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Caneilcinnamon Q28165
Weinwine Q282
Muſcatennutmeg Q83165
Zuckerunrefined cane sugar Q57656231
Butterbutter Q34172
kurtzer bruͤhstock Q3075310

Originalwerk (~1598) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 117, Österreichische Nationalbibliothek, Alt Prunk *44.S.114, Austrian Books Online Quelle öffnen
Transkription
Eigene Transkription nach den Seitenscans der Österreichischen Nationalbibliothek (Alt Prunk *44.S.114), an den Scans korrigiert Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ron-0481
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Frisches Wildgeflügel (Rebhuhn) muss beim Wildhändler beschafft werden und braucht durchgehende Kühlung. Sonst genügen ein Topf und ein Tuch oder Sieb zum Durchstreichen; das Brot lässt sich am Feuer rösten.
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Stand dieser Fassung: 30.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.