In Butter gebratene kleine Vögel im Eierkuchen
Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich · Wolfenbüttel · 1598
Die Vögel in Butter braten. Acht oder neun Eier darauf schlagen, den Eierkuchen einmal mit den Vögeln umwenden und sie danach zu Tisch geben.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| vogeln | Vögel | - | - | - |
| Butter | Butter | - | - | - |
| acht oder neun Eyer | acht oder neun Eier | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Kleine Vögel, in Butter gebraten und mit Eiern zu einem Eierkuchen eingebacken, der samt den Vögeln einmal gewendet wird. Ob die Vögel vorher, wie zu Beginn der Reihe, in Brühe gekocht wurden, sagt dieses Rezept nicht.
Schweißen. Rontziers Wort für das Braten in heißem Fett. Die Vögel bekommen in der Butter Farbe, und das Fett bleibt für den Eierkuchen in der Pfanne.
Eier und Wenden. Acht oder neun Eier kommen auf die Vögel und stocken um sie herum. Das einmalige Wenden gart die Oberseite, die Vögel bleiben dabei im Kuchen eingebettet. Hitze und Zeit nennt der Text nicht, auch keine Würze, nicht einmal Salz.
Praxis. Die Vögel in reichlich Butter rundum braten, bis sie durch sind. Die Eier leicht verquirlt darübergießen und bei mittlerer Hitze stocken lassen, dann den Kuchen mit einem Teller oder Deckel wenden und die zweite Seite kurz fertig backen. Die Zubereitungszeit von etwa 20 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Nein. Drosseln, Stare und andere kleine Singvögel sind heute kein Handelsgeflügel und nicht zu bekommen. Das Verfahren selbst braucht nur Butter, Eier und eine Pfanne über dem Feuer, das Rezept bleibt aber ein Zeitzeugnis.
Was unterscheidet das Rezept von den anderen Eierfassungen der Reihe?
Es ist die schlichteste: nur Butter und Eier, keine Würze. Im Rezept danach (ron-0502) kommen Speckscheiben dazu, und ron-0504 gibt nach dem Wenden Eigelb mit Essig darüber und bestreut mit Zucker, Zimt und Salz.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Kunstbuch von mancherley Essen. Kochbuch des braunschweigisch-lüneburgischen Mundkochs Frantz de Rontzier, gedruckt 1598 in Wolfenbüttel. Höfische Bankett- und Schauessen-Küche: Gesottenes, Gebratenes, Pasteten, Hirsch, Geflügel und Wildbret für fürstliche Tafeln. Rontzier konnte nicht schreiben und hat das Buch diktiert.
- ſchweiſt
Von „schweißen“, einem alten Küchenverb für das Anschwitzen und Braten in heißem Fett; das Grimmsche Wörterbuch führt es als Küchenwort „in hitze zubereiten, rösten, braten“. Mit dem heutigen „schwenken“ hat es nichts zu tun. So auch in ron-0294.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Butter | butter Q34172 |
| acht oder neun Eyer | chicken egg Q15260613 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
ſchlegt da acht oder neun Eyer auff
Gewählte Lesart: Die Eier werden in der Pfanne auf die gebratenen Vögel geschlagen und stocken dort zu einem Kuchen; der Wortlaut sagt nur „aufschlagen“, nicht ob sie vorher verquirlt werden.
Andere mögliche Lesart:
- Eier vorher verquirlen und darübergießen - Ergibt sicherer einen zusammenhängenden Kuchen, der sich mit den Vögeln wenden lässt; der Text nennt diesen Schritt aber nicht.
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Stand dieser Fassung: 30.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
