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Tauben mit Wein, Muskat und Bohnenkraut

Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich · Wolfenbüttel · 1598

GeflügelHauptspeise · GeflügelLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeitca. 60 Min. KüchenzeitBuchKunstbuch von mancherley Essen (~1598)

Ebenso die Tauben mit Wein, zerstoßener Muskatnuss, Bohnenkraut, Pfeffer, ein wenig Weizenmehl und Butter abmachen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Tauben Tauben - Geflügelhändler, auf Vorbestellung -
Wein Wein - - -
zerſtoſſen Muſcaten zerstoßene Muskatnuss - - -
Koͤllen Bohnenkraut - Gewürzhandel, Wochenmarkt -
Pfeffer Pfeffer - - -
ein weinig Weitzenmehl ein wenig Weizenmehl - - -
Butter Butter - - -

Welches Gericht ist das? Gegarte Tauben, die zum Schluss mit Wein, zerstoßener Muskatnuss, Bohnenkraut, Pfeffer, ein wenig Weizenmehl und Butter fertig gemacht werden. Heute erinnert das an ein Taubenragout in einer leicht gebundenen Weißwein-Kräutersauce.

Wie die Tauben garen. Das sagt das Rezept nicht; es nennt nur, womit abgemacht wird. Die Nachbarn der Reihe bringen die Tauben zum Feuer (ron-0574), kochen Klößchen mit den Tauben (ron-0584) oder lassen sie mit kurzer Brühe durchkochen (ron-0586). Garen in wenig Flüssigkeit ist deshalb naheliegend, im Text steht es nicht.

Mehl und Butter. Das wenige Weizenmehl bindet Wein und Garflüssigkeit zu einer kurzen Sauce. Das gelingt erst, wenn die Flüssigkeit aufkocht: Die Mehlstärke verkleistert in der Hitze. Die Butter macht die Sauce vollmundig. Ob das Bohnenkraut frisch oder getrocknet ist, lässt der Text offen.

Praxis. Moderne Annäherung, nicht aus dem Text: Die Tauben in wenig Wasser oder Brühe schwach sieden lassen, bis sie fast gar sind. Einen Schuss Wein zugeben, das Mehl mit etwas Wein glattrühren und einrühren, Butter, Bohnenkraut, Pfeffer und etwas Muskatnuss dazugeben und kurz aufkochen, bis die Sauce bindet. Mengen und Salz nennt der Text nicht. Die Zubereitungszeit von etwa einer Stunde ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.

Wie werden die Tauben gegart?

Das sagt dieses Rezept nicht, es nennt nur die Abmache. Die Nachbarrezepte der Reihe bringen die Tauben zum Feuer oder lassen sie mit kurzer Brühe durchkochen (ron-0574, ron-0586); Sieden in wenig Flüssigkeit ist deshalb ein naheliegender Vorschlag, im Text steht es nicht.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, eingeschränkt. Der Engpass sind die frischen Tauben, die bis zum Garen gekühlt bleiben und bald verarbeitet werden müssen; Masttauben gibt es beim Geflügelhändler meist auf Vorbestellung. Wein, Butter, Mehl und die Gewürze sind robust und brauchen nur einen Topf am Feuer.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kunstbuch von mancherley Essen. Kochbuch des braunschweigisch-lüneburgischen Mundkochs Frantz de Rontzier, gedruckt 1598 in Wolfenbüttel. Höfische Bankett- und Schauessen-Küche: Gesottenes, Gebratenes, Pasteten, Hirsch, Geflügel und Wildbret für fürstliche Tafeln. Rontzier konnte nicht schreiben und hat das Buch diktiert.

Item / man macht die Tauben ab mit Wein, zerſtoſſen Muſcaten / Koͤllen / Pfeffer / ein weinig Weitzenmehl vnd Butter / etc.
Druck
Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich
Teil
Wilden oder zamen Tauben
Sprache
Frühneuhochdeutsch (braunschweigische Druckersprache, 16. Jh.)
Entstehung
Wolfenbüttel, 1598

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Taubenpigeon Q83363036
Weinwine Q282
zerſtoſſen Muſcatennutmeg Q83165
Koͤllensavory Q22858
Pfefferpepper Q3143131
Butterbutter Q34172

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartKoͤllen

Gewählte Lesart: Bohnenkraut (Satureja hortensis). Kölle ist das niederdeutsche Wort für das Bohnenkraut, auch Pfefferkraut (Mittelniederdeutsches Wörterbuch: kölle "eine Würzpflanze, Satureja hortensis, Pfefferkraut, Bohnenkraut"; Deutsches Wörterbuch); bei Rontzier steht es neben Koͤhm (Kümmel) und ist davon verschieden. Die Art ist aus den Wörterbüchern erschlossen, nicht aus Rontzier selbst.

Andere mögliche Lesart:

  • Quendel oder Thymian - So hatte die erste Übersetzung gelesen. Kein Wörterbuch gibt Kölle für Quendel oder Thymian an, die Lesart hat keinen Wortbeleg.

Originalwerk (~1598) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 133, Österreichische Nationalbibliothek, Alt Prunk *44.S.114, Austrian Books Online Quelle öffnen
Transkription
Eigene Transkription nach den Seitenscans der Österreichischen Nationalbibliothek (Alt Prunk *44.S.114), an den Scans korrigiert Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ron-0576
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Engpass sind die frischen Tauben, die bis zum Garen durchgehend gekühlt bleiben müssen. Die Sauce aus Wein, Butter, Mehl und Gewürzen ist in einem Topf am Feuer unkompliziert.
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Stand dieser Fassung: 30.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.