Augspurger Kochbuoch, worinnen enthalten fürtreffliche Rezepte für Frawen & Junckfrawen · Augsburg · 1554
Nimm das Eiklar von Eiern, dazu einen Löffel voll Wasser und etwas Mehl. Rühre alles gut durcheinander, bis es glatt wird. Gib Zucker hinzu, sodass der Teig gut süß wird. Mache diesen Teig dünner als einen gewöhnlichen Straubenteig.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| das weyß von ayren | Eiklar | - | - | - |
| ain leffel vol waſſer | Wasser | 1 EL | Leitung | - |
| ain mel | Mehl | - | - | - |
| zucker | Zucker | - | - | - |
Welches Gericht ist das?
Ein dünner, gesüßter Ausbackteig aus Eiklar, Wasser, Mehl und Zucker - eine hellere, eiklar-only-Variante der bis heute auf Kirchtagen und Volksfesten gebackenen Strauben (entfernt verwandt: der Funnel Cake). Das Rezept führt seinen Teig ausdrücklich als dünnere Abwandlung neben einem gewöhnlichen Straubenteig (vgl. den Korpus-Zwilling saw-086, ‚Gebackene Strauben', mit ganzem Ei statt nur Eiklar).
Praxis.
Eiklar mit einem Esslöffel Wasser und etwas Mehl glattrühren, Zucker einrühren, bis der Teig deutlich süß schmeckt - dünner ansetzen als einen normalen Straubenteig. Das Ausbacken selbst steht nicht im Text und wird als bekannte Grundtechnik der Strauben vorausgesetzt: den Teig löffel- oder trichterweise in heißes Fett oder Schmalz geben und einige Minuten goldbraun ausbacken, danach abtropfen lassen. Mengenangaben für Eiklar, Mehl und Zucker fehlen ganz - am ehesten am Referenzteig orientieren und die Konsistenz testen, bis sie merklich dünnflüssiger ist als ein gewohnter Straubenteig.
Strauben sind ein traditionelles Schmalzgebäck, bei dem ein dünner Teig in heißes Fett getropft oder gespritzt wird, wodurch eine unregelmäßige, krause Form entsteht. Sie werden oft mit Puderzucker bestreut und warm serviert.
Ja, Goldstandard. Die Zubereitung ist sehr einfach und schnell, die Zutaten sind robust und benötigen keine Kühlung. Eine Pfanne oder ein Topf über dem Feuer reichen aus.
Ein ‚Löffel voll‘ ist eine historische Mengenangabe, die in diesem Kontext am ehesten einem Esslöffel entspricht. Es ist eine kleine Menge, die den Teig geschmeidiger machen soll.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Maria Stenglerin“. Kochbuch mit Besitzvermerk „Das Kochbuoch Gehört der Junckfraw Maria Stenglerin zu. 1554." Die Originalhandschrift gilt als unauffindbar - weder Thomas Glonings eigene Bibliographie (germcook.pdf) noch der Handschriftencensus noch Wikidata nennen eine Bibliothek oder Signatur, obwohl Glonings Liste bei anderen Handschriften-Kochbüchern die Signatur durchgängig mitführt. Verfügbar ist nur ein 1886 gedruckter Neudruck (Augsburg: Gebr. Reichel, 20 Bl., Fraktur-Neusatz mit Faksimile-Titelblatt der Besitzinschrift), digitalisiert von der Bayerischen Staatsbibliothek. Medium ist deshalb als "druck" gesetzt - Eigenschaft des tatsächlich erhaltenen Exemplars, nicht des verlorenen Originals. Ein Jahr vor Sabina Welserins Kochbuch (saw-*, ebenfalls Augsburg, Handschrift dort bekannt: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, 4° Cod 137) entstanden - starker Twin-Kandidat fürs Review. Eine weitere, grundsätzliche Unsicherheit bleibt: Da die Handschrift verschollen ist, lässt sich bei ungeklärten Hapax-Wörtern (z.B. mst-136 "Fiſchpersperlin", mst-137 "ſechdiſtel") nicht mehr feststellen, ob ein Fehler schon in der Handschrift selbst stand, beim Lesen durch den Herausgeber 1886 entstand oder beim Neusatz - anders als bei reinen OCR-Fehlern lässt sich das nicht gegen ein Referenzbild prüfen. Lesungen bei unbelegten Hapax sollten deshalb als Konjektur markiert bleiben, nicht stillschweigend geglättet werden.
‚Strauben' sind ein in Fett gebackener Tropfteig, der trichterförmig aufgetragen wird und eine krause, unregelmäßige Form annimmt. Sie sind eine Art Schmalzgebäck.
Ein ‚Löffel' war im Mittelalter eine ungenaue Mengenangabe, die je nach Kontext einem Teelöffel oder Esslöffel entsprechen konnte. Hier ist ein Esslöffel gemeint.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| das weyß von ayren | egg white Q796758 |
| ain leffel vol waſſer | water Q283 |
| ain mel | flour Q36465 |
| zucker | unrefined cane sugar Q57656231 |
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Stand dieser Fassung: 14.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.