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Weiße Strauben

Augspurger Kochbuoch, worinnen enthalten fürtreffliche Rezepte für Frawen & Junckfrawen · Augsburg · 1554

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit20 Min.Portionen2-4 PersonenBuchDas Kochbuch der Maria Stenglerin (~1554)

Nimm das Eiklar von Eiern, dazu einen Löffel voll Wasser und etwas Mehl. Rühre alles gut durcheinander, bis es glatt wird. Gib Zucker hinzu, sodass der Teig gut süß wird. Mache diesen Teig dünner als einen gewöhnlichen Straubenteig.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
das weyß von ayren Eiklar - - -
ain leffel vol waſſer Wasser 1 EL Leitung -
ain mel Mehl - - -
zucker Zucker - - -

Welches Gericht ist das?

Ein dünner, gesüßter Ausbackteig aus Eiklar, Wasser, Mehl und Zucker - eine hellere, eiklar-only-Variante der bis heute auf Kirchtagen und Volksfesten gebackenen Strauben (entfernt verwandt: der Funnel Cake). Das Rezept führt seinen Teig ausdrücklich als dünnere Abwandlung neben einem gewöhnlichen Straubenteig (vgl. den Korpus-Zwilling saw-086, ‚Gebackene Strauben', mit ganzem Ei statt nur Eiklar).

Praxis.

Eiklar mit einem Esslöffel Wasser und etwas Mehl glattrühren, Zucker einrühren, bis der Teig deutlich süß schmeckt - dünner ansetzen als einen normalen Straubenteig. Das Ausbacken selbst steht nicht im Text und wird als bekannte Grundtechnik der Strauben vorausgesetzt: den Teig löffel- oder trichterweise in heißes Fett oder Schmalz geben und einige Minuten goldbraun ausbacken, danach abtropfen lassen. Mengenangaben für Eiklar, Mehl und Zucker fehlen ganz - am ehesten am Referenzteig orientieren und die Konsistenz testen, bis sie merklich dünnflüssiger ist als ein gewohnter Straubenteig.

Was sind ‚Strauben‘?

Strauben sind ein traditionelles Schmalzgebäck, bei dem ein dünner Teig in heißes Fett getropft oder gespritzt wird, wodurch eine unregelmäßige, krause Form entsteht. Sie werden oft mit Puderzucker bestreut und warm serviert.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, Goldstandard. Die Zubereitung ist sehr einfach und schnell, die Zutaten sind robust und benötigen keine Kühlung. Eine Pfanne oder ein Topf über dem Feuer reichen aus.

Was bedeutet die Mengenangabe ‚ain leffel vol‘?

Ein ‚Löffel voll‘ ist eine historische Mengenangabe, die in diesem Kontext am ehesten einem Esslöffel entspricht. Es ist eine kleine Menge, die den Teig geschmeidiger machen soll.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Maria Stenglerin“. Kochbuch mit Besitzvermerk „Das Kochbuoch Gehört der Junckfraw Maria Stenglerin zu. 1554." Die Originalhandschrift gilt als unauffindbar - weder Thomas Glonings eigene Bibliographie (germcook.pdf) noch der Handschriftencensus noch Wikidata nennen eine Bibliothek oder Signatur, obwohl Glonings Liste bei anderen Handschriften-Kochbüchern die Signatur durchgängig mitführt. Verfügbar ist nur ein 1886 gedruckter Neudruck (Augsburg: Gebr. Reichel, 20 Bl., Fraktur-Neusatz mit Faksimile-Titelblatt der Besitzinschrift), digitalisiert von der Bayerischen Staatsbibliothek. Medium ist deshalb als "druck" gesetzt - Eigenschaft des tatsächlich erhaltenen Exemplars, nicht des verlorenen Originals. Ein Jahr vor Sabina Welserins Kochbuch (saw-*, ebenfalls Augsburg, Handschrift dort bekannt: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, 4° Cod 137) entstanden - starker Twin-Kandidat fürs Review. Eine weitere, grundsätzliche Unsicherheit bleibt: Da die Handschrift verschollen ist, lässt sich bei ungeklärten Hapax-Wörtern (z.B. mst-136 "Fiſchpersperlin", mst-137 "ſechdiſtel") nicht mehr feststellen, ob ein Fehler schon in der Handschrift selbst stand, beim Lesen durch den Herausgeber 1886 entstand oder beim Neusatz - anders als bei reinen OCR-Fehlern lässt sich das nicht gegen ein Referenzbild prüfen. Lesungen bei unbelegten Hapax sollten deshalb als Konjektur markiert bleiben, nicht stillschweigend geglättet werden.

Weysse Streyhla zu machen. Item nimb das weyß von ayren, vnnd ain leffel vol waſſer vund ain mel, vnnd riers wol durch ainander, das es glat werde, thu zucker darann, das der taig wol ſies werde, mach in dinner dann ain annderen ſtreiblen daig.
Streyhla / streiblen

‚Strauben' sind ein in Fett gebackener Tropfteig, der trichterförmig aufgetragen wird und eine krause, unregelmäßige Form annimmt. Sie sind eine Art Schmalzgebäck.

leffel

Ein ‚Löffel' war im Mittelalter eine ungenaue Mengenangabe, die je nach Kontext einem Teelöffel oder Esslöffel entsprechen konnte. Hier ist ein Esslöffel gemeint.

Druck
Augspurger Kochbuoch, worinnen enthalten fürtreffliche Rezepte für Frawen & Junckfrawen
Teil
Gebäck
Sprache
Frühneuhochdeutsch (schwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg, 1554
Neudruck
1886 (Originalhandschrift verschollen)

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

das weyß von ayrenegg white Q796758
ain leffel vol waſſerwater Q283
ain melflour Q36465
zuckerunrefined cane sugar Q57656231

Originalwerk (~1554) gemeinfrei.

Bildquelle
Seite 025, München, Bayerische Staatsbibliothek, 4 Oecon. 207 h (bsb00076173) - CC BY-NC-SA 4.0 Quelle öffnen
Transkription
Bayerische Staatsbibliothek (MDZ), Digitalisat des Neudrucks 1886 - kein Bibliotheks-OCR vorhanden (api.digitale-sammlungen.de/ocr/bsb00076173 liefert 404), eigenes Kraken-OCR nötig Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Im Topf oder in der Pfanne am Feuer in 15-20 Minuten fertig. Die Zutaten sind robust und benötigen keine Kühlung.
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Stand dieser Fassung: 14.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.