Umgeschlagenes Bier mit heißem Gerstenbrot auf dem Spund
Weinbuch. Das iſt: Vom baw vnd pflege des Weins ... Daneben auch wie man allerley Kreuter und Brantwein/ Eſſig/ Meth/ vnd Bier / machen, erhalten ... Durch Johann Raſch/ Burger zu Wien / an tag geben · Wien / München · 1580
Wenn ein Bier umgeschlagen ist, nimm heißes Gerstenbrot aus dem Ofen, brich es auseinander und leg es auf den Spund. Tu das oft, bis es sich wieder erholt.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Bier | Bier, umgeschlagen, im Fass | - | - | - |
| haiß Gerſten bꝛot auß dem ofen | Gerstenbrot, heiß aus dem Ofen | - | - | - |
Was ist das? Ein Hausmittel für ein Bierfass, dessen Inhalt umgeschlagen ist, und der erste Eintrag in Raschs Bierabschnitt. Der Text nennt vier Handgriffe: Gerstenbrot heiß aus dem Ofen nehmen, auseinanderbrechen, auf den Spund legen, das oft wiederholen. Menge, Abstand und ein Zeichen für das Ende nennt er nicht.
„Verkehrt“. Bei Rasch das Kellerwort für ein Getränk, das umschlägt und verdirbt (beim Wein ras-005, ras-010, ras-027). Welchen Fehler er beim Bier meint, sagt er nicht; saures und trübes Bier behandelt er in eigenen Einträgen (ras-124, ras-121).
Brot und Spund. Ob der Zapfen dafür gezogen wird, steht nicht da. Gegen Gestank im Weinfass legt Rasch dasselbe heiße Gerstenbrot „auff das peul“, das Spundloch, und tauscht es gegen ein warmes Stück, sobald es erkaltet (ras-016). Ob „offt“ hier dasselbe meint, lässt dieser Eintrag offen. Einen Grund für die Wirkung gibt Rasch nicht; Rumpolt sagt beim Wein, das Brot ziehe auf, was dem Wein schädlich ist (rum-1963).
Praxis. Nachstellen lässt sich das nur am eigenen Fass: das Brot heiß auf die Fassöffnung legen und erneuern, solange es nötig scheint (modern: auf das offene Spundloch). Nach heutigem Wissen lässt sich ein verdorbenes Bier auf diesem Weg nicht wiederherstellen; denkbar ist allenfalls, dass das warme Brot Geruch aus dem Luftraum unter dem Spund aufnimmt. Das Brot ist danach nicht zum Essen gedacht.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Nein. Es ist kein Gericht, sondern eine Behandlung am Bierfass, und die Kellereinträge des Weinbuchs führen wir grundsätzlich nicht als Lagerküche.
Was heißt, ein Bier habe sich „verkehrt“?
Es ist umgeschlagen, hat sich also zum Schlechten verändert. Welchen Fehler Rasch genau meint, sagt er nicht; für saures und für trübes Bier gibt er eigene Mittel.
Hilft das heute bei verdorbenem Bier?
Nach heutigem Wissen nicht: Ein verdorbenes Bier wird durch aufgelegtes Brot nicht wieder gut. Rasch selbst nennt weder einen Grund für die Wirkung noch ein Zeichen, woran man das Ende erkennt.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Rasch: Weinbuch (Wien / München). Weinbuch des Wiener Bürgers Johann Rasch, gedruckt bei Adam Berg in München um 1580: Weingartenbau in Versen, dann ein Kellerbuch - Most und Fässer, Weinfehler beheben, Kräuterweine, Essig, Met und Bier, viele kurze Mittel nach dem Muster „Item ...“.
- verkehꝛt
Sich verkehren heißt in Raschs Kellerbuch, dass ein Getränk umschlägt, sich also zum Schlechten verändert.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Bier | beer Q44 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
biß es wider kompt
Gewählte Lesart: Bis es sich wieder erholt: Campe führt wiederkommen auch als „in seinen vorigen Zustand kommen, sich wieder erholen“, mit dem älteren Beleg vom Pferd, das man fressen lässt, „uncz es widerkompt“.
Andere mögliche Lesart:
- Bis es wieder zu gären beginnt. - Verworfen: Für „kommen“ im Sinn von Gären fand sich kein Beleg; „wider“ zielt auf den früheren, guten Zustand.
leg es auff den ſpundt
Gewählte Lesart: Auf die Fassöffnung, ohne dass der Text sagt, ob der Zapfen dafür gezogen wird.
Andere mögliche Lesarten:
- Auf das offene Spundloch. - So im Gestank-Mittel ras-016, wo das Brot „auff das peul“, das Spundloch, gelegt wird; hier nicht ausgesprochen.
- Auf den eingesetzten Spundzapfen. - „Spund“ heißt auch der Zapfen selbst; dann läge das Brot auf dem verschlossenen Fass.
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Stand dieser Fassung: 04.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
