Geschmorte Rehkeule mit Zitronenstücken und großen Rosinen
Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich · Wolfenbüttel · 1598
Ebenso: Mit Blut, gebratenem Speck und Zwiebeln, mit Zitronen, in große Stücke geschnitten, großen Rosinen, Nelken und Zucker abmachen.
Mit Zucker und Nelken bestreuen. So ist es fertig und wird zu Tisch getragen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| (erschlossen) | Rehkeule, geschmort | - | Wildhändler oder Metzger mit Wildangebot | - |
| Farben | Farbe (Blut) | - | beim Metzger vorbestellen | - |
| gebraten Speck | Speck, gebraten | - | - | - |
| Zwybeln | Zwiebeln | - | - | - |
| Lemonien in groſſe ſtuͤcke zerſchnitten | Zitronen, in große Stücke geschnitten | - | - | - |
| groſſen Roſin | Große Rosinen | - | - | - |
| Negelein | Gewürznelken, auch zum Bestreuen | - | - | - |
| Zucker | Zucker, auch zum Bestreuen | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine geschmorte Rehkeule, die mit einer süß-sauren Beigabe aus gebratenem Speck und Zwiebeln, Zitronenstücken, großen Rosinen, Nelken und Zucker fertig gemacht wird. Das Rezept beginnt mit „Item“, also „ebenso“, und nennt nur das Abmachen; wie die Keule gegart wird, setzt es voraus. Am Anfang der Folge (ron-0279) wird sie gespickt, mit wenig Wasser ans Feuer gebracht und im zugedeckten Topf oder Kessel gegart.
Speck und Zwiebeln. Der Speck wird gebraten, bis er Fett abgibt; er bringt Fett an das magere Rehfleisch. Ob die Zwiebeln mitgebraten werden, lässt der Satz offen, im übernächsten Rezept (ron-0314) heißt es „gebratenem Speck vnd Zwybeln“.
Süß und sauer. Die Zitronen kommen in großen Stücken hinein, sie säuern die Brühe und lassen sich beim Anrichten wieder erkennen. Große Rosinen und Zucker geben die Süße, die Nelken stehen zweimal: in der Beigabe und zum Bestreuen. Ob die Nelken zum Bestreuen gestoßen sind, sagt der Text nicht.
Das Blut. „Farbe“ ist hier als Blut gelesen (siehe die Lesart dazu), wie es Rontzier zwei Rezepte vorher als „Ochſenfarbe“ nennt. Ein Erhitzen nach dem Abmachen nennt der Text nicht.
Praxis. Die Rehkeule gespickt mit wenig Wasser zugedeckt gar schmoren. Speck würfeln und ausbraten, die Zwiebeln im Speckfett weich braten. Speck und Zwiebeln, Zitronen in großen Stücken, große Rosinen, Nelken und Zucker in die Schmorbrühe geben und kurz mitziehen lassen; das kurze Mitziehen ist eine Anpassung, der Text nennt keinen Garschritt. Zuletzt etwas frisches Blut bei kleiner Hitze einrühren und nicht kochen lassen, sonst flockt es aus. Vor dem Auftragen mit Zucker und Nelken bestreuen. Mengen und Salz nennt der Text nicht. Die Zubereitungszeit von etwa zweieinhalb Stunden ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.
Was ist mit „Farbe“ gemeint?
Blut. In der Sprache der Jäger und Köche hieß Blut „Farbe“, und zwei Rezepte vorher nennt Rontzier bei derselben Beigabe aus Speck und Zwiebeln ausdrücklich „Ochſenfarbe“, also Rinderblut. Welches Blut hier gemeint ist, sagt der Text nicht.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Ja, eingeschränkt. Engpässe sind die frische Rehkeule und das frische Blut, das beim Metzger vorzubestellen ist; beide müssen bis zum Garen durchgehend gekühlt sein. Speck, Zwiebeln, Zitronen, Rosinen, Nelken und Zucker lassen sich problemlos mitführen. Zum Schmoren über Glut hilft ein schwerer Topf mit Deckel, etwa ein Dutch Oven.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Kunstbuch von mancherley Essen. Kochbuch des braunschweigisch-lüneburgischen Mundkochs Frantz de Rontzier, gedruckt 1598 in Wolfenbüttel. Höfische Bankett- und Schauessen-Küche: Gesottenes, Gebratenes, Pasteten, Hirsch, Geflügel und Wildbret für fürstliche Tafeln. Rontzier konnte nicht schreiben und hat das Buch diktiert.
- Lemonien
Zitronen (mittelniederdeutsch limonie, lemonie, frühneuhochdeutsch alemonie). Hier kommen sie in großen Stücken an das Fleisch.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Farben | blood Q494268 |
| Zwybeln | onion Q3406628 |
| Negelein | clove Q15622897 |
| Zucker | unrefined cane sugar Q57656231 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Farben
Gewählte Lesart: Blut. Adelung führt „Farbe“ in der Sprache der Jäger und Köche als Blut: „Die Köche thun Farbe an verschiedene Speisen“. Zwei Nummern vorher macht Rontzier dieselbe Beigabe aus Speck und Zwiebeln mit „Ochſenfarbe“ ab (ron-0311), und die Nummern 34 und 36 beginnen mit derselben Formel „machts ab mit Farben“ (ron-0312, ron-0314). Welches Blut gemeint ist, sagt dieses Rezept nicht.
Andere mögliche Lesart:
- Ein nicht näher bestimmtes Färbemittel - So ist die Wendung im Hirschrezept ron-0278 gelesen, wo „Farbe“ mit Kräutern zerhackt wird. Färbende Gewürze wie Safran nennt Rontzier aber beim Namen (ron-0303), und als Zutat neben Speck und Zwiebeln, die man „abmacht“, ist „Farbe“ im Buch als Blut zu fassen.
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Stand dieser Fassung: 29.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
