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Hammelkeulen mit grüner Wintergerste

Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich · Wolfenbüttel · 1598

LagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 7/10
Zubereitungszeitca. 150 Min. KüchenzeitBuchKunstbuch von mancherley Essen (~1598)

Die Hammelkeulen mit grüner Wintergerste fertig machen, so wie mit dem grünen Roggen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Hamelskuͤhlen Hammelkeulen - Metzger, Hammel meist auf Vorbestellung -
gruͤner Wintergerſten grüne Wintergerste - im Frühjahr vom Feld, oder Gerstenkörner selbst ankeimen lassen Gerstengras (modern)

Welches Gericht ist das? Gegarte Hammelkeulen mit einer grünen Sauce aus jungen Gerstentrieben. Das Rezept nennt nur die Zutat und verweist für das Verfahren auf die grüne Roggensauce der Nr. 22 (ron-0356). Heute steht das einer grünen Kräutersauce zu Lamm am nächsten.

Der Verweis. „alß mit dem gruͤnen Rocken“ heißt „so wie mit dem grünen Roggen“. Liest man als als „nämlich“, wären Wintergerste und Roggen dasselbe Grün; das passt nicht, weil es zwei verschiedene Getreide sind. Liest man es anreihend („sowie“), kämen beide zusammen in die Sauce. Die Vergleichslesung ist die naheliegende, weil Nr. 22 genau dieses Verfahren mit grünem Roggen beschreibt.

Grünes Getreide. In Nr. 22 heißt es „gruͤn auffgelauffenen Rocken“: aufgelaufene, also aufgegangene Saat. Gemeint sind die jungen grünen Triebe, nicht unreife Ähren. Gestoßen und ausgepresst geben sie den grünen Saft, der die Sauce färbt.

Garen. Wie die Keulen gar werden, sagt weder diese Nummer noch Nr. 22. Die Reihe beginnt mit Keulen, die in Wasser gar gesotten werden (ron-0335); das ist eine naheliegende Annahme, der Text sagt es nicht.

Praxis. Die Keule in Wasser bei kleiner Hitze schwach sieden, bis das Fleisch weich ist. Junge Gerstentriebe klein schneiden, im Mörser stoßen und den Saft auspressen. Geröstetes Weißbrot in Wein oder Bieressig sieden, mit dem Grün durch ein Haartuch streichen, mit Pfeffer, Ingwer und Salz abschmecken und über die Keule geben. Mengen nennt der Text nicht. Die Zubereitungszeit von etwa 2,5 Stunden ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, eingeschränkt. Engpass ist die Kühlung der frischen Hammelkeule bis zum Garen. Dazu kommt das grüne Getreide: Junge Wintergerste steht nur im Frühjahr grün auf dem Feld; man kann Gerstenkörner vorher selbst ankeimen lassen. Für die Sauce braucht es einen Mörser und ein Seihtuch.

Was ist mit grüner Wintergerste gemeint?

Junge, grüne Gerstentriebe. Wintergerste wird im Herbst gesät und steht im Frühjahr grün. Die Roggensauce, auf die das Rezept verweist (ron-0356), nimmt „grün aufgelaufenen“ Roggen, also die frisch aufgegangene Saat, und presst ihren Saft aus. Heutiges Gerstengras kommt dem nahe.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kunstbuch von mancherley Essen. Kochbuch des braunschweigisch-lüneburgischen Mundkochs Frantz de Rontzier, gedruckt 1598 in Wolfenbüttel. Höfische Bankett- und Schauessen-Küche: Gesottenes, Gebratenes, Pasteten, Hirsch, Geflügel und Wildbret für fürstliche Tafeln. Rontzier konnte nicht schreiben und hat das Buch diktiert.

Man machet die Hamelskuͤhlen ab mit gruͤner Wintergerſten / alß mit dem gruͤnen Rocken.
alß mit dem gruͤnen Rocken

als = wie. Der Satz verweist auf die grüne Roggensauce zwei Nummern vorher (ron-0356): Dort wird grün aufgelaufener Roggen klein geschnitten, gestoßen und ausgepresst, geröstetes Weißbrot in Wein oder Bieressig gesotten, beides durch ein Haartuch gestrichen, mit Pfeffer, Ingwer und Salz abgemacht und über die Hammelkeulen gegeben. Hier tritt die grüne Wintergerste an die Stelle des Roggens. Als kann im Frühneuhochdeutschen auch erklärend „nämlich“ heißen; Gerste und Roggen sind aber verschiedene Getreide, und Rontzier hält sie auseinander.

Druck
Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich
Teil
Hamelskühlen
Sprache
Frühneuhochdeutsch (braunschweigische Druckersprache, 16. Jh.)
Entstehung
Wolfenbüttel, 1598

Originalwerk (~1598) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 094, Österreichische Nationalbibliothek, Alt Prunk *44.S.114, Austrian Books Online Quelle öffnen
Transkription
Eigene Transkription nach den Seitenscans der Österreichischen Nationalbibliothek (Alt Prunk *44.S.114), an den Scans korrigiert Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ron-0358
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Frisches Hammelfleisch braucht bis zum Garen eine verlässliche Kühlung. Grüne Wintergerste gibt es nur im Frühjahr auf dem Feld oder selbst angezogen; für die Sauce sind Mörser und Haartuch nötig.
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Stand dieser Fassung: 29.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.