Kapaun mit Zwiebeln und Quitten
Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich · Wolfenbüttel · 1598
Ebenso die Kapaune mit Zwiebeln, Quitten und frischer Butter fertig machen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| (erschlossen) | Kapaun | - | Metzger, Geflügelhändler | - |
| Zwybeln | Zwiebeln | - | - | - |
| Quitten | Quitten | - | Obsthandel, Wochenmarkt (Herbst) | - |
| friſcher Butter | frische Butter | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein gesottener Kapaun, der zum Schluss in seiner Brühe mit Zwiebeln, Quitten und frischer Butter fertig gemacht wird; die Quitte gibt Säure und Duft, die Butter rundet ab. Heute ist das einem Hühnerragout mit Quitte verwandt.
Die Vorbereitung steht davor. Das Rezept beginnt mit „Item“, also „ebenso“, und nennt nur, womit abgemacht wird. Den Zeitpunkt gibt das erste Rezept der Reihe vor: „Wenn die Kappaunen baldt gahr ſein“ (ron-0532); dass sie in Brühe sieden, zeigt ron-0534, das von „ihrer eigen bruͤh“ spricht. Wie lange sie sieden, sagt der Text nicht.
Zwiebeln und Quitten. Ob sie geschnitten, vorgekocht oder roh dazukommen, lässt Rontzier offen. Rohe Quitten sind hart und müssen in der Brühe weich werden; bei den Haselhühnern (ron-0475) werden sie vorher in Brühe gesotten und durchgestrichen, beim Truthuhn (ron-0528) halbiert in der Brühe gegart. Eine Bindung durch Brot oder Eigelb nennt der Text nicht, die Brühe bleibt dünn.
Praxis. Den Kapaun in Wasser oder Brühe sieden. Etwa eine halbe Stunde vor dem Garpunkt geschälte, entkernte Quitten und Zwiebeln in Stücken dazugeben und weich werden lassen; zum Schluss frische Butter in die Brühe geben. Die Zubereitungszeit von etwa zwei Stunden ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.
Wie wird der Kapaun gegart?
Das Rezept selbst sagt es nicht. Die Reihe, zu der es gehört, setzt einen Kapaun voraus, der in Brühe siedet und fast gar ist; dann kommen Zwiebeln, Quitten und frische Butter dazu.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Ja, eingeschränkt. Engpass ist der frische Kapaun, der bis zum Garen durchgehend gekühlt werden muss. Gekocht wird in einem Topf am Feuer, das ist im Lager gut machbar; Zwiebeln, Quitten und Butter sind unkritisch, Quitten halten sich im Herbst und Winter gut.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Kunstbuch von mancherley Essen. Kochbuch des braunschweigisch-lüneburgischen Mundkochs Frantz de Rontzier, gedruckt 1598 in Wolfenbüttel. Höfische Bankett- und Schauessen-Küche: Gesottenes, Gebratenes, Pasteten, Hirsch, Geflügel und Wildbret für fürstliche Tafeln. Rontzier konnte nicht schreiben und hat das Buch diktiert.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| (erschlossen) | capon Q594676 |
| Zwybeln | onion Q3406628 |
| Quitten | quince Q2751465 |
| friſcher Butter | butter Q34172 |
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Stand dieser Fassung: 30.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
