Zahme Hühner mit grünen Erbsen
Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich · Wolfenbüttel · 1598
Ebenso: Die Hühner mit grünen Erbsen, Butter und Pfeffer abmachen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| (erschlossen) | Hühner | - | - | - |
| gruͤnen Erbiſſen | Grüne Erbsen | - | frisch in der Schote auf dem Wochenmarkt (Frühsommer) | Tiefkühlerbsen |
| Butter | Butter | - | - | - |
| Pfeffer | Pfeffer | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Gegarte Hühner, die zum Schluss mit grünen Erbsen, Butter und Pfeffer fertig gemacht werden: Huhn mit Buttererbsen.
Das Garen. Wie die Hühner gar werden, sagt das Rezept nicht; abmachen setzt gegartes Geflügel voraus. Die Reihe beginnt mit gesottenen Hühnern (ron-0544), Sieden ist deshalb die naheliegende Lesart. Braten schließt der Text nicht aus. Auch wie die Erbsen gar werden, steht nicht da; frische Erbsen brauchen nur wenige Minuten.
Abmachen. Erbsen, Butter und Pfeffer kommen an das schon gare Huhn. Eine Brotbindung nennt der Text nicht, die Butter gibt der Brühe bzw. den Erbsen Rundung und Glanz.
Praxis. Die Hühner in Wasser oder Brühe bei kleiner Hitze gar sieden. Die ausgelösten Erbsen in etwas von der Brühe wenige Minuten garen, Butter und Pfeffer dazugeben und über die Hühner geben. Mengen nennt der Text nicht, Salz ebenfalls nicht. Die Zubereitungszeit von etwa anderthalb Stunden ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Ja, eingeschränkt. Engpass sind die frischen Hühner, die bis zum Garen gekühlt bleiben müssen, etwa in Kühlbox oder Camping-Kühlschrank. Frische Erbsen gibt es nur im Frühsommer, Tiefkühlerbsen brauchen ebenfalls Kühlung. Sonst genügt ein Topf am Feuer.
Was heißt „man macht ſie ab“?
Abmachen heißt, ein Gericht zum Schluss zuzubereiten und fertigzustellen; das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch nennt für abmachen ausdrücklich Speisen. Hier werden die gegarten Hühner mit grünen Erbsen, Butter und Pfeffer fertig gemacht.
Frische oder getrocknete Erbsen?
Der Text sagt ausdrücklich grüne Erbsen, also frische. Frisch ausgelöste Erbsen aus der Schote kommen dem am nächsten, Tiefkühlerbsen sind ein brauchbarer Ersatz. Getrocknete Erbsen treffen den Sinn der Zutat nicht.
Wie werden die Hühner vorher gegart?
Das sagt dieses Rezept nicht. Rontziers Hühnerreihe beginnt mit gesottenen Hühnern (ron-0544); Sieden ist deshalb die naheliegende Lesart, Braten ist nach dem Wortlaut nicht ausgeschlossen.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Kunstbuch von mancherley Essen. Kochbuch des braunschweigisch-lüneburgischen Mundkochs Frantz de Rontzier, gedruckt 1598 in Wolfenbüttel. Höfische Bankett- und Schauessen-Küche: Gesottenes, Gebratenes, Pasteten, Hirsch, Geflügel und Wildbret für fürstliche Tafeln. Rontzier konnte nicht schreiben und hat das Buch diktiert.
- gruͤnen Erbiſſen
Grüne Erbsen sind frische, noch nicht getrocknete Erbsen aus der Schote. „Grün“ steht bei Rontzier für frisch, so wie bei den „trucken oder gruͤne Kirſchen“ (ron-0389). Die übrigen Erbsengerichte des Buchs kochen meist getrocknete Erbsen weich und streichen sie durch (ron-0048, ron-0542).
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| (erschlossen) | chicken Q864693 |
| Butter | butter Q34172 |
| Pfeffer | pepper Q3143131 |
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Stand dieser Fassung: 30.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
