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Karbonade mit eingekochter Pfeffer-Essig-Sauce aus Bratenfett

Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich · Wolfenbüttel · 1598

LagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeitca. 25 Min. KüchenzeitBuchKunstbuch von mancherley Essen (~1598)

Ebenso: Wenn die Karbonaden gebraten sind, Bratenfett, Essig und Pfeffer zusammen auf die Hälfte einkochen und darübergeben.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
(erschlossen) Karbonade - beim Metzger: Scheiben zum Kurzbraten -
bradfeiſt Bratenfett - - -
Eſsig Essig - - -
Pfeffer Pfeffer - - -

Welches Gericht ist das? Gebratene Fleischschnitten, über die eine eingekochte Sauce aus Bratenfett, Essig und Pfeffer gegeben wird. Welches Fleisch, sagt das Rezept nicht; der Abschnitt nennt Rind, Hammel, Schwein, Hirsch und Reh, und seine Vorbemerkung verlangt, die Stücke vor dem Braten mit dem Messerrücken mürbe zu schlagen (ron-0587).

Einkochen. Fett, Essig und Pfeffer werden zusammen gekocht, bis nur noch die Hälfte übrig ist. Das nimmt dem Essig die Schärfe und macht die Sauce knapp und kräftig. Fett und Essig verbinden sich dabei nicht; vor dem Übergießen umrühren.

Praxis. Die Stücke braten; die früheren Nummern des Abschnitts tun das auf dem Rost, dieses Rezept sagt nur „gebraten“. Bratenfett, Essig und Pfeffer in einem kleinen Topf über Glut auf die Hälfte einkochen und heiß über die frisch gebratenen Stücke geben. Die Zubereitungszeit von etwa 25 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, eingeschränkt. Der Engpass ist das frische Fleisch, das bis zum Braten gekühlt bleiben muss. Die Sauce selbst ist einfach: Bratenfett, Essig und Pfeffer in einem kleinen Topf über Glut auf die Hälfte einkochen.

Wie viel Essig und Pfeffer gehören dazu?

Der Text nennt keine Mengen, nur dass die Mischung auf die Hälfte eingekocht wird. Das Verhältnis von Fett zu Essig ist also deine Wahl; nach dem Einkochen abschmecken und bei zu scharfer Säure etwas mehr Bratenfett nehmen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kunstbuch von mancherley Essen. Kochbuch des braunschweigisch-lüneburgischen Mundkochs Frantz de Rontzier, gedruckt 1598 in Wolfenbüttel. Höfische Bankett- und Schauessen-Küche: Gesottenes, Gebratenes, Pasteten, Hirsch, Geflügel und Wildbret für fürstliche Tafeln. Rontzier konnte nicht schreiben und hat das Buch diktiert.

Item / wenn ſie gebraten ſein / kocht man bradfeiſt / Eſsig vnd Pfeffer / kurtz auff die helffte abgeſotten / vnd gibts daruͤber / etc.
kurtz auff die helffte abgeſotten

Auf die Hälfte eingekocht. „Kurz“ meint in Rontziers Küchensprache wenig Flüssigkeit, wie in „mit kurtzer Brüh“; gemeint ist also eine knappe, eingekochte Sauce, nicht eine kurze Kochzeit.

bradfeiſt

Bratenfett, das beim Braten austretende und aufgefangene Fett (feist = Fett). Ob es von denselben Stücken stammt, sagt der Text nicht.

Druck
Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich
Teil
Karbanart / von Rinder vnd Hamelfleisch / Schwein / Hirsch vnd Rehe Wildbrat
Sprache
Frühneuhochdeutsch (braunschweigische Druckersprache, 16. Jh.)
Entstehung
Wolfenbüttel, 1598

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Eſsigvinegar Q41354
Pfefferpepper Q3143131

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartKarbanart

Gewählte Lesart: Karbonade (französisch carbonnade, auf Kohlen gebratenes Fleisch), „Karbanart“ ist Rontziers Schreibung. Kiliaans niederländisches Wörterbuch von 1599 führt Karbonade als „Caro tosta, offula carbonibus tosta“ (auf Kohlen geröstetes Fleischstück), Rumpolt 1581 nennt eine geklopfte, auf dem Rost gebratene Scheibe „Karbenada“ (rum-0122). Bei Rontzier sind es Stücke von Rind, Hammel, Schwein, Hirsch und Reh, die vor dem Braten mit dem Messerrücken mürbe geschlagen und meist auf dem Rost gebraten werden (ron-0587). Der Text spricht nur von „sie“; die Vorbemerkung des Karbonaden-Abschnitts verlangt, die Stücke vor dem Braten mit dem Messerrücken zu schlagen, damit sie mürbe werden (ron-0587).

Andere mögliche Lesart:

  • Eigenes Wort Rontziers, nicht mit Karbonade gleichzusetzen - Das Etymologische Wörterbuch des Deutschen datiert die Entlehnung von Karbonade ins Deutsche erst auf den Anfang des 18. Jahrhunderts, und für die Form „Karbanart“ selbst gibt es keinen Wörterbuchbeleg.

Originalwerk (~1598) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 136, Österreichische Nationalbibliothek, Alt Prunk *44.S.114, Austrian Books Online Quelle öffnen
Transkription
Eigene Transkription nach den Seitenscans der Österreichischen Nationalbibliothek (Alt Prunk *44.S.114), an den Scans korrigiert Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ron-0596
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Hauptzutat ist frisches Fleisch (Rind, Hammel, Schwein oder Wild), das bis zum Braten gekühlt bleiben muss. Die Sauce selbst ist über Glut in wenigen Minuten eingekocht und braucht nur Bratenfett, Essig und Pfeffer.
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Stand dieser Fassung: 30.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.