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Karbonade mit eingekochter Butter-Essig-Sauce und Petersilie

Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich · Wolfenbüttel · 1598

LagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeitca. 30 Min. KüchenzeitBuchKunstbuch von mancherley Essen (~1598)

Butter, Essig und Pfeffer zusammen bis auf die Hälfte einkochen und gehackte Petersilie hineingeben. Das über die gebratenen Karbonaden geben, zudecken und dann ein wenig durchkochen lassen.

Wenn man sie zu Tisch geben will, mit Pfeffer und Salz bestreuen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
gebraten Karbanarten Karbonaden, gebraten - Metzger -
vngeſchmoltzen Buttern Butter - - -
Eſsig Essig - - -
Pfeffer Pfeffer (in der Sauce und zum Bestreuen) - - -
gehackte Peterſilgen Petersilie, gehackt - - -
Saltz Salz - - -

Welches Gericht ist das? Gebratene Fleischstücke, über die eine eingekochte, saure Sauce aus Butter, Essig und Pfeffer mit gehackter Petersilie kommt - heute am ehesten ein Kotelett oder Steak mit einer Essig-Butter-Sauce.

Das Fleisch. Der Text setzt die Karbonaden schon gebraten voraus. Rontzier stellt der Reihe eine Vorbemerkung voran: Die Stücke sollen vor dem Braten immer mit dem Messerrücken mürbe geschlagen werden. Die ersten Rezepte der Reihe braten sie auf dem Rost; dieses Rezept sagt dazu nichts.

Einkochen auf die Hälfte. Butter, Essig und Pfeffer kommen zusammen ins Gefäß und kochen, bis die Menge halbiert ist. Dabei verdampft vor allem der Essig, die Sauce wird kürzer und kräftiger. Ein Verhältnis von Butter zu Essig nennt der Text nicht.

Zugedeckt durchkochen. Die Sauce kommt über das gebratene Fleisch, dann wird zugedeckt und alles noch ein wenig durchgekocht, damit Fleisch und Sauce heiß zusammenkommen. In welchem Gefäß das geschieht, sagt der Text nicht. Pfeffer und Salz kommen erst beim Anrichten obenauf.

Praxis. Die Stücke klopfen und braten, in eine Pfanne oder einen flachen Topf legen. Butter, Essig und Pfeffer in einem kleinen Topf auf die Hälfte einkochen, Petersilie hineingeben, über das Fleisch gießen, Deckel auflegen und bei kleiner Hitze kurz ziehen lassen; beim Anrichten mit Pfeffer und Salz bestreuen. Die Zubereitungszeit von etwa 30 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, eingeschränkt. Der Engpass ist das frische Fleisch, das bis zum Braten gekühlt werden muss. Die Sauce ist einfach: Butter, Essig, Pfeffer und Petersilie über dem Feuer einkochen, über das Fleisch geben und zugedeckt kurz durchkochen.

Welches Fleisch ist gemeint?

Der Satz nennt kein Fleisch. Rontzier behandelt die Karbonade von Rind, Hammel, Schwein, Hirsch und Reh gemeinsam; im ersten Rezept der Reihe (ron-0587) nennt er Mürbraten oder mageres Fleisch. Gemeint ist also ein solches Stück, vor dem Braten mürbe geklopft.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kunstbuch von mancherley Essen. Kochbuch des braunschweigisch-lüneburgischen Mundkochs Frantz de Rontzier, gedruckt 1598 in Wolfenbüttel. Höfische Bankett- und Schauessen-Küche: Gesottenes, Gebratenes, Pasteten, Hirsch, Geflügel und Wildbret für fürstliche Tafeln. Rontzier konnte nicht schreiben und hat das Buch diktiert.

Item / man kochet biß auff die helffte vngeſchmoltzen Buttern / Eſsig vnnd Pfeffer / thut gehackte Peterſilgen drein / vnnd gibts vber die gebraten Karbanarten / deckts zu / leſts dann ein wenig durchkochen / wenn mans wil zum tiſche geben / beſtrewet mans mit Pfeffer vnd Saltz / etc.
vngeſchmoltzen Buttern

Gemeint ist Butter, die nicht zu Schmalz ausgelassen ist, also gewöhnliche frische Butter. Rumpolt setzt 1581 in einer fast gleichen Sauce „friſche vnzerlaſſene Butter“ an (rum-0066).

Druck
Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich
Teil
Karbanart / von Rinder vnd Hamelfleisch / Schwein / Hirsch vnd Rehe Wildbrat
Sprache
Frühneuhochdeutsch (braunschweigische Druckersprache, 16. Jh.)
Entstehung
Wolfenbüttel, 1598

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

vngeſchmoltzen Butternbutter Q34172
Eſsigvinegar Q41354
Pfefferpepper Q3143131
gehackte Peterſilgenparsley Q25284
Saltztable salt Q11254

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartKarbanart

Gewählte Lesart: Karbonade (französisch carbonnade, auf Kohlen gebratenes Fleisch), „Karbanart“ ist Rontziers Schreibung. Kiliaans niederländisches Wörterbuch von 1599 führt Karbonade als „Caro tosta, offula carbonibus tosta“ (auf Kohlen geröstetes Fleischstück), Rumpolt 1581 nennt eine geklopfte, auf dem Rost gebratene Scheibe „Karbenada“ (rum-0122). Bei Rontzier sind es Stücke von Rind, Hammel, Schwein, Hirsch und Reh, die vor dem Braten mit dem Messerrücken mürbe geschlagen und meist auf dem Rost gebraten werden (ron-0587). Rontzier fasst unter Karbonade Stücke von Rind, Hammel, Schwein, Hirsch und Reh zusammen; sie werden vor dem Braten mit dem Messerrücken mürbe geschlagen und meist auf dem Rost gebraten (Vorbemerkung zu ron-0587).

Andere mögliche Lesart:

  • Eigenes Wort Rontziers, nicht mit Karbonade gleichzusetzen - Das Etymologische Wörterbuch des Deutschen datiert die Entlehnung von Karbonade ins Deutsche erst auf den Anfang des 18. Jahrhunderts, und für die Form „Karbanart“ selbst gibt es keinen Wörterbuchbeleg.

Originalwerk (~1598) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 137, Österreichische Nationalbibliothek, Alt Prunk *44.S.114, Austrian Books Online Quelle öffnen
Transkription
Eigene Transkription nach den Seitenscans der Österreichischen Nationalbibliothek (Alt Prunk *44.S.114), an den Scans korrigiert Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ron-0599
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Das frische Fleisch braucht bis zum Braten durchgehend Kühlung. Die Sauce aus Butter, Essig, Pfeffer und Petersilie ist über dem Feuer schnell gemacht; dazu genügt ein Gefäß mit Deckel.
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Stand dieser Fassung: 30.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.