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Karbonade mit Bohnenkraut, mit Butter begossen

Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich · Wolfenbüttel · 1598

LagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeitca. 20 Min. KüchenzeitBuchKunstbuch von mancherley Essen (~1598)

Ebenso die Stücke mit Bohnenkraut, frisch oder getrocknet, und mit Salz bestreuen. Danach abbraten und mit Butter oder Bratenfett begießen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
(erschlossen) Karbonade - - -
Gartenkoͤllen Gartenkölle (Bohnenkraut) - - -
Saltz Salz - - -
Butter oder Bratenfeiſte Butter oder Bratenfett - - Bratenfett

Welches Gericht ist das? Gebratene Fleischschnitten, mit Bohnenkraut und Salz bestreut und mit Butter oder Bratenfett begossen - heute etwa ein Kräutersteak. Welches Fleisch, sagt das Rezept nicht; die Reihe nennt Rind, Hammel, Schwein, Hirsch und Reh.

Vorbereitung aus der Reihe. Die Vorbemerkung zu den Karbonaden (bei ron-0587) verlangt, die Stücke vor dem Braten immer mit dem Messerrücken zu schlagen, damit sie mürbe werden, und erlaubt, über die garen Stücke Wein oder Bieressig zu geben.

Bohnenkraut. gruͤn oder duͤr heißt frisch oder getrocknet. Frisches Kraut fein hacken, getrocknetes zwischen den Fingern zerreiben; gestreut wird vor dem Braten.

Begießen. Der Text nennt das Begießen nach dem Abbraten, ohne zu sagen, ob es noch auf dem Feuer oder erst beim Anrichten geschieht. Das Fett hält die Oberfläche saftig und nimmt das Kraut mit.

Praxis. Geklopfte Scheiben würzen und über gleichmäßiger Glut von beiden Seiten braten; auf offener Flamme verbrennt das Kraut leicht. Gegen Ende und beim Anrichten mit zerlassener Butter oder Bratenfett begießen. Rind und Hammel nach Geschmack, Schwein und Wild durchgaren. Die Zubereitungszeit von etwa 20 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, eingeschränkt. Der Engpass ist das frische Fleisch, das bis zum Braten gekühlt bleiben muss. Sonst brauchst du nur Bohnenkraut, Salz, Butter oder Bratenfett und gleichmäßige Glut.

Frisches oder getrocknetes Bohnenkraut?

Beides. Rontzier schreibt „grün oder dür“, also frisch oder getrocknet. Frisches Kraut fein hacken, getrocknetes zerreiben.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kunstbuch von mancherley Essen. Kochbuch des braunschweigisch-lüneburgischen Mundkochs Frantz de Rontzier, gedruckt 1598 in Wolfenbüttel. Höfische Bankett- und Schauessen-Küche: Gesottenes, Gebratenes, Pasteten, Hirsch, Geflügel und Wildbret für fürstliche Tafeln. Rontzier konnte nicht schreiben und hat das Buch diktiert.

Item / man beſtrewet ſie mit Gartenkoͤllen, gruͤn oder duͤr / vnd Saltz / darnach bradet man ſie ab / begeuſt ſie mit Butter oder Bratenfeiſte / etc.
Karbanart

Karbonade (französisch carbonnade, auf Kohlen gebratenes Fleisch), „Karbanart“ ist Rontziers Schreibung. Gemeint sind Fleischstücke von Rind, Hammel, Schwein, Hirsch und Reh, die vor dem Braten mit dem Messerrücken mürbe geschlagen werden (Vorbemerkung bei ron-0587). Kiliaans niederländisches Wörterbuch führt das Wort 1599 als auf Kohlen geröstetes Fleischstück, im Deutschen ist es sonst erst ab dem frühen 18. Jahrhundert belegt.

Druck
Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich
Teil
Karbanart / von Rinder vnd Hamelfleisch / Schwein / Hirsch vnd Rehe Wildbrat
Sprache
Frühneuhochdeutsch (braunschweigische Druckersprache, 16. Jh.)
Entstehung
Wolfenbüttel, 1598

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Gartenkoͤllensavory Q22858
Saltztable salt Q11254
Butter oder Bratenfeiſtebutter Q34172

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartGartenkoͤllen

Gewählte Lesart: Bohnenkraut (Satureja hortensis). Kölle ist das niederdeutsche Wort für das Bohnenkraut, auch Pfefferkraut (Mittelniederdeutsches Wörterbuch: 2kölle „Satureja hortensis, Pfefferkraut, Bohnenkraut“; Lasch-Borchling: „hortensis, kolle, bohnenkraut“); bei Rontzier steht es neben Koͤhm (Kümmel) und ist davon verschieden, im Rezept davor würzt er mit Gartenkoͤhm. Die Art ist aus den Wörterbüchern erschlossen, nicht aus Rontzier selbst.

Andere mögliche Lesart:

  • Quendel oder Thymian - Ähnliche Würzkräuter, aber kein Wörterbuch gibt Kölle für Quendel oder Thymian an; die Lesart hat keinen Wortbeleg.

Originalwerk (~1598) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 136, Österreichische Nationalbibliothek, Alt Prunk *44.S.114, Austrian Books Online Quelle öffnen
Transkription
Eigene Transkription nach den Seitenscans der Österreichischen Nationalbibliothek (Alt Prunk *44.S.114), an den Scans korrigiert Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ron-0594
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Hauptzutat ist frisches Fleisch (Rind, Hammel, Schwein oder Wild), das bis zum Braten gekühlt bleiben muss. Sonst braucht es nur Bohnenkraut, Salz, Butter oder Bratenfett und Glut.
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Stand dieser Fassung: 30.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.