Karbonade in Zimtwein, mit Zimt und Zucker bestreut
Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich · Wolfenbüttel · 1598
Ebenso: Zimt und Zucker in Wein sieden und aufkochen lassen.
Wenn man die Stücke zu Tisch geben will, sie mit Zimt und Zucker bestreuen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| (erschlossen) | Karbonade | - | beim Metzger: Scheiben zum Kurzbraten | - |
| Caneil | Zimt | - | - | - |
| Zucker | Zucker | - | - | - |
| Wein | Wein | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Gebratene Fleischstücke mit einem süßen Zimtwein, beim Auftragen mit Zimt und Zucker bestreut. Wie die Stücke gebraten werden, sagt dieses Rezept nicht; in den Nachbarrezepten der Reihe geschieht es meist auf dem Rost.
Der Zimtwein. Zimt und Zucker im Wein sieden und einmal aufkochen lassen, bis der Zucker gelöst ist. Ob der Wein über die Stücke gegeben wird oder die Stücke darin kurz aufkochen, lässt der Text offen. Ohne Brot oder Mehl bleibt er dünnflüssig. Mengen nennt der Text nicht.
Zimt und Zucker zum Schluss. Bestreut wird erst, wenn die Stücke zu Tisch gehen.
Praxis. Die Stücke nach Rontziers Vorbemerkung zur Reihe (ron-0587) mit dem Messerrücken mürbe schlagen und über guter Glut braten. Währenddessen den Zimtwein in einem kleinen Topf aufkochen, heiß über das Fleisch geben, mit Zimt und Zucker bestreuen und gleich auftragen. Die Zubereitungszeit von etwa 30 Minuten ist eine Schätzung, der Text gibt keine Zeit an.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Ja, eingeschränkt. Der Engpass ist das frische Fleisch, das bis zum Braten gekühlt bleiben muss. Zimt, Zucker und Wein halten sich gut, und der Zimtwein ist in einem kleinen Topf neben dem Rost in wenigen Minuten gemacht.
Welches Fleisch gehört dazu?
Dieses Rezept nennt keins, es spricht nur von „sie“. Es gehört zu Rontziers Reihe von Karbonaden, gebratenen Fleischstücken von Rind, Hammel, Schwein, Hirsch oder Reh. Welches Tier du nimmst, bleibt offen.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Kunstbuch von mancherley Essen. Kochbuch des braunschweigisch-lüneburgischen Mundkochs Frantz de Rontzier, gedruckt 1598 in Wolfenbüttel. Höfische Bankett- und Schauessen-Küche: Gesottenes, Gebratenes, Pasteten, Hirsch, Geflügel und Wildbret für fürstliche Tafeln. Rontzier konnte nicht schreiben und hat das Buch diktiert.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Caneil | cinnamon Q28165 |
| Zucker | unrefined cane sugar Q57656231 |
| Wein | wine Q282 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
leſt ſie auffkochen
Gewählte Lesart: „Sie“ meint Zimt und Zucker im Wein: Der Zimtwein wird aufgekocht. Erst beim Auftragen werden die Stücke („wenn man sie will zum Tische geben“) mit Zimt und Zucker bestreut. So steht es im Text, ohne dass ein Schritt ergänzt wird.
Andere mögliche Lesart:
- „Sie“ meint schon die gebratenen Stücke, die im Zimtwein aufkochen. - Grammatisch möglich, und die Nachbarrezepte geben ihre Saucen über die gebratenen Karbonaden; in ron-0599 lässt Rontzier sie danach zugedeckt noch ein wenig durchkochen. Dass der Wein über das Fleisch kommt, sagt dieses Rezept aber nicht ausdrücklich.
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Stand dieser Fassung: 30.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
