Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450
Rüben-Kompott:
Koche kleine Rüben. Viertle und zerteile ein kleines Kalbshaupt. Schneide die Rüben breit und mische sie zusammen mit dem Kalbshaupt darunter.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| klain rueba | Kleine Rüben | - | - | - |
| klain kalbes hopt | Kleines Kalbshaupt | - | Metzger | Kalbswangen oder -brust |
Welches Gericht ist das? Eine deftige Mischspeise aus gesottenen Rüben und Kalbshaupt - vergleichbar mit modernen Gerichten aus Kalbskopf mit Wurzelgemüse, wie sie etwa in der französischen Küche (tête de veau) bis heute serviert werden. Trotz des Namens kein süßes Obstkompott: „kumpost“ meint hier eine gekochte, herzhafte Mischung.
Zum Kalbshaupt. Der Text nennt für das Kalbshaupt kein eigenes Garverfahren - nur die Rüben werden ausdrücklich gesotten. Das Kalbshaupt wird laut Transkript lediglich geviertelt und zerteilt, bevor es unter die Rüben gemischt wird. Ob es vorher gegart wurde, bleibt offen.
Praxis. Rüben kleinschneiden und weich sieden. Kalbshaupt vor dem Zerteilen und Mischen garen (etwa sieden wie die Rüben) - rohes Fleisch unter gegartes Gemüse zu mischen ist küchenpraktisch unüblich und ein Sicherheitsrisiko. Anschließend vierteln, zerteilen und mit den breit geschnittenen Rüben vermengen. Der Text nennt keine Gewürze und keine Mengenangaben - das schließende „etc.“ deutet auf eine bewusst knappe Notiz hin, nicht auf ein vollständiges Rezept. Kalbshaupt beim Metzger frisch beziehen oder durchgehend gekühlt transportieren; ersatzweise eignen sich Kalbswangen oder -brust.
Zum Titel. Der Titel verzichtet bewusst auf „Kompott“, weil das Wort allein - ohne die Erläuterung in Annotation und FAQ - die falsche Assoziation mit süßem Obstkompott weckt. Die historische Bezeichnung „Rub kumpost“ und ihre eigentliche Bedeutung bleiben in Annotation und FAQ erhalten.
Eingeschränkt geeignet. Die Zubereitung eines Kalbshaupts ist aufwendig und zeitintensiv, da es gegart und zerlegt werden muss. Die restlichen Schritte des Kochens und Mischens sind jedoch einfach und gut am Lagerfeuer umsetzbar. Achte auf eine frische Bezugsquelle oder ausreichende Kühlung für das Kalbshaupt.
Im mittelalterlichen Kontext meint ‚Kompott‘ (von lateinisch ‚compositum‘) eine Mischung aus verschiedenen gekochten Zutaten. Es ist hier kein süßes Obstkompott und keine lang fermentierte Sauergemüse-Konserve gemeint, sondern eine herzhafte Speise aus gekochten Rüben und Kalbshaupt.
Das Transkript sagt zum Kalbshaupt nur, dass es geviertelt und zerteilt wird - einen Kochschritt nennt es dafür nicht, anders als bei den Rüben, die ausdrücklich gesotten werden. Für die Praxis empfiehlt es sich, das Kalbshaupt vor dem Zerteilen und Mischen zu garen, etwa durch Sieden wie die Rüben; ob das Original das voraussetzt oder das Fleisch roh untergemischt wurde, lässt der knappe Text offen.
Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland - Reichenau/Bodensee). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).
Im mittelalterlichen Kontext bezeichnet ‚Kompott‘ (von lateinisch ‚compositum‘) oft eine Mischung aus verschiedenen gekochten Zutaten, die sowohl süß als auch herzhaft sein kann, und nicht zwingend ein fermentiertes oder süßes Obstkompott im modernen Sinne.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| klain rueba | turnip Q3916957 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
kumpost
Gewählte Lesart: ‚Kompott‘ als gekochte Mischung von Zutaten, nicht als süßes Obst oder fermentiertes Gemüse.
Andere mögliche Lesart:
gefierden taillet
Gewählte Lesart: vierteln und zerteilen (zwei aufeinanderfolgende Verben).
Andere mögliche Lesart:
Garung des Kalbshaupts
Gewählte Lesart: Das Transkript nennt ‚sieden‘ ausdrücklich nur für die Rüben; ob das Kalbshaupt vor dem Zerteilen und Mischen gegart wird, bleibt offen.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 28.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.