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Saurer Kompost-Sud (Einlege-Lake mit Senf)

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450

Gewürz / SauceGewürz / SauceLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit15 Min.PortionenLake für ein Glas (~500 ml) eingelegtes GemüseBuchReichenauer Kochbuch (~1450)

Willst du einen sauren Kompost machen, so gieße Essig mit saurer Hefe (Bodensatz) daran und gemahlenen Senf; oder koche Wein oder Wasser mit Weinstein und lass es klar werden, und gieße das darunter, mit rohen, gehackten Zwiebeln.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
essich Essig - - -
surem hefell Saure Hefe / Bodensatz (von Wein oder Bier) - Brauerei, Winzer Sauerteig-Ansatz
gemalen sinf Gemahlener Senf - Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
win Wein - - -
wasser Wasser - - -
win stain Weinstein - Supermarkt (Backregal), Apotheke -
rotem gehacketten zibellen Rohe, gehackte Zwiebeln - - -

Welches Gericht ist das? Die saure Einlege-Lake für einen Kompost - im Mittelalter meint Kompost (von lat. compositum) eingelegtes, süß-saures oder saures Gemüse, der direkte Vorfahr unserer Pickles / Sauerkonserven. Dieses Rezept liefert die saure Sud-Basis, in die das Gemüse eingelegt wird (vgl. die süße Variante ka1-094 und das Schlehen-Kompott m384-009).

Technik: Zwei Wege zur Säure. Entweder Essig mit saurem Hefe-Bodensatz (heffel, vom Wein/Bier) und gemahlenem Senf - oder Wein/Wasser mit Weinstein aufkochen und klären. In beide kommen rohe, gehackte Zwiebeln. Der Senf gibt Schärfe, der Weinstein bzw. die Hefe die Säure und Klärung.

Praxis: Für eine schnelle Lake: kräftiger Essig mit 1-2 TL gemahlenem Senf und etwas Sauerteig-/Hefe-Bodensatz verrühren, oder Wein mit einer Messerspitze Weinstein kurz aufkochen und klären lassen; rohe gehackte Zwiebeln zugeben. Darin Gemüse (Rüben, Kohl, Gurken) tage- bis wochenweise einlegen.

Was ist ein ‚Kompost' im mittelalterlichen Sinne?

‚Kompost' (von lat. compositum) ist eingelegtes, süß-saures oder saures Gemüse bzw. Obst zur Konservierung - vergleichbar mit heutigem Sauergemüse, Pickles oder Chutney, kein süßes Obstkompott.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein - die Lake selbst ist zwar schnell und unkompliziert gemacht, aber sie ist eine reine Einlege-/Konservierungsmethode ohne eigene Garmethode für ein Hauptprodukt und zählt damit nicht zur Lagerküche. Die eigentliche Reifung des eingelegten Gemüses erfolgt über Tage und ist ohnehin nicht Teil dieses Sud-Rezepts.

Was bedeuten ‚Heffel' und ‚Weinstein'?

‚Heffel' ist der saure Bodensatz von Wein oder Bier (Hefe), der zum Säuern/Fermentieren dient; ‚Weinstein' ist ein natürliches Salz aus der Weinbereitung zum Säuern und Klären. Beide liefern hier die Säure der Einlege-Lake.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland - Reichenau/Bodensee). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).

Kumpost wilt ain suren kumpost han so guß essich mit surem hefell dar an vnd gemalen sinf oder sud win oder wasser mit win stain vnd laß daz luter werden vnd gusß daz vnder mit rotem gehacketten zibellen
kumpost

‚Kompost' (von lat. compositum) meint im Mittelalter eingelegtes, süß-saures oder saures Gemüse/Obst zur Konservierung - der Vorfahr von Pickles/Sauerkonserven, kein süßes Obstkompott im modernen Sinn.

hefell

Der saure Bodensatz (Hefe) von Wein oder Bier - wegen Säure und Hefekulturen zum Säuern/Fermentieren genutzt.

win stain

Weinstein (Kaliumhydrogentartrat), das natürliche Salz aus der Weinbereitung - hier zum Säuern und Klären der Lake.

oder

Die beiden Wege (Essig+Hefe+Senf vs. Wein/Wasser+Weinstein) sind Alternativen, keine kombinierten Schritte.

rotem

Roh: Die Münchner Parallelhandschrift (m384-007) schreibt an derselben Stelle ‚rowem‘. Die Zwiebeln kommen roh und gehackt in die Lake.

Handschrift
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)
Folio
Fol. 118v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)
Entstehung
Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee), 1450
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

essichvinegar Q41354
surem hefellsourdough Q904889
winwine Q282
wasserwater Q283
win stainpotassium bitartrate Q18745

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 118v, Sermones - Cod. Aug. pap. 125. [Reichenau], [15. Jahrh.]. Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Aug. pap. 125, https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:31-64893 / Public Domain Mark 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ka1 (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ka1-092
LagerkücheLagerküche
Nein - das Rezept ist eine reine Einlege-/Konservierungs-Lake ohne eigene Garmethode für ein Hauptprodukt. Solche Konservierungsmethoden zählen laut Betriebsregel nicht zur Lagerküche, unabhängig von Aufwand oder Robustheit der Zutaten. Die eigentliche Reifung des eingelegten Gemüses erfolgt über Tage und ist nicht Teil dieses Sud-Rezepts.
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Stand dieser Fassung: 28.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.