Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450
Für einen guten Kunpost nimm Mangold und wasche ihn ganz sauber. Schabe die Wurzeln und sied ihn mit den Blättern in gesalzenem Wasser.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| mangolt | Mangold | - | Supermarkt | - |
| wasser | Wasser | - | - | - |
| gesalczem wasser | Salz | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein schlicht gesalzenes Mangoldgericht: gewaschene Blätter und geschabte Wurzeln gemeinsam in Salzwasser gesotten. Der eigene Text nennt weder Honig noch Wein noch Früchte - so bleibt es eine einfache Gemüsebeilage, wie man sie bis heute ganz ähnlich kocht.
Kunpost, nicht Kompott. Das mittelalterliche Wort für dieses Gericht war kunpost (mhd. cumpost), und das bezeichnete oft eingelegtes oder fermentiertes Gemüse, nicht das moderne süße Obstkompott. Eine nah verwandte Handschrift setzt für ein sehr ähnlich beginnendes Rezept Honig, Wein, Feigen und Rosinen an - der hier vorliegende Text bricht aber schon nach dem Sieden in Salzwasser ab, ohne eine dieser Zutaten zu nennen. Ob es sich um eine kürzere, ungesüßte Fassung desselben Grundrezepts handelt oder der Text schlicht unvollständig überliefert ist, lässt sich am vorliegenden Wortlaut nicht entscheiden.
Praxis. Mangold waschen, die Wurzeln schaben, um die zähe Außenhaut zu entfernen. Blätter und Wurzeln gemeinsam in gesalzenem Wasser etwa 15-20 Minuten weich sieden. Als einfache Beilage servieren.
Ja, Goldstandard. Die Zubereitung ist sehr einfach und schnell im Topf über dem Feuer möglich. Die Zutaten sind robust und benötigen keine Kühlung.
Im Mittelalter bezeichnete 'Kunpost' (mhd. 'cumpost') oft eingelegtes oder fermentiertes Gemüse, also eher eine Art Sauergemüse, nicht das moderne süße Obstkompott. Eine nah verwandte Überlieferung desselben Anfangs setzt Honig, Wein und Früchte an - der hier vorliegende Text selbst nennt jedoch keine dieser Zutaten und endet bereits nach dem Sieden in Salzwasser.
Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland - Reichenau/Bodensee). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).
'Kunpost' (mhd. 'cumpost') bezeichnete im Mittelalter oft eingelegtes oder fermentiertes Gemüse, nicht das moderne süße Obstkompott. Eine nah verwandte Überlieferung setzt für ein sehr ähnlich beginnendes Rezept Honig, Wein und Früchte an - der hier vorliegende Text selbst bricht aber vor jeder Süßungsangabe ab und bleibt ein schlicht gesalzenes Mangoldgericht.
Mangold ist ein Blattgemüse, das im Mittelalter häufig verwendet wurde. Hier werden sowohl die Blätter als auch die Wurzeln verarbeitet.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| mangolt | chard Q157954 |
| wasser | water Q283 |
| gesalczem wasser | table salt Q11254 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Compostmangolt / kunpost
Gewählte Lesart: Kunpost von Mangold - ein schlicht gesalzenes Mangoldgericht, wie es der eigene Text beschreibt.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 28.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.