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Gesottener Mangold

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit20 Min.Portionen4 PersonenBuchReichenauer Kochbuch (~1450)

Für einen guten Kunpost nimm Mangold und wasche ihn ganz sauber. Schabe die Wurzeln und sied ihn mit den Blättern in gesalzenem Wasser.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
mangolt Mangold - Supermarkt -
wasser Wasser - - -
gesalczem wasser Salz - - -

Welches Gericht ist das? Ein schlicht gesalzenes Mangoldgericht: gewaschene Blätter und geschabte Wurzeln gemeinsam in Salzwasser gesotten. Der eigene Text nennt weder Honig noch Wein noch Früchte - so bleibt es eine einfache Gemüsebeilage, wie man sie bis heute ganz ähnlich kocht.

Kunpost, nicht Kompott. Das mittelalterliche Wort für dieses Gericht war kunpost (mhd. cumpost), und das bezeichnete oft eingelegtes oder fermentiertes Gemüse, nicht das moderne süße Obstkompott. Eine nah verwandte Handschrift setzt für ein sehr ähnlich beginnendes Rezept Honig, Wein, Feigen und Rosinen an - der hier vorliegende Text bricht aber schon nach dem Sieden in Salzwasser ab, ohne eine dieser Zutaten zu nennen. Ob es sich um eine kürzere, ungesüßte Fassung desselben Grundrezepts handelt oder der Text schlicht unvollständig überliefert ist, lässt sich am vorliegenden Wortlaut nicht entscheiden.

Praxis. Mangold waschen, die Wurzeln schaben, um die zähe Außenhaut zu entfernen. Blätter und Wurzeln gemeinsam in gesalzenem Wasser etwa 15-20 Minuten weich sieden. Als einfache Beilage servieren.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, Goldstandard. Die Zubereitung ist sehr einfach und schnell im Topf über dem Feuer möglich. Die Zutaten sind robust und benötigen keine Kühlung.

Was bedeutet 'Kunpost' im mittelalterlichen Kontext?

Im Mittelalter bezeichnete 'Kunpost' (mhd. 'cumpost') oft eingelegtes oder fermentiertes Gemüse, also eher eine Art Sauergemüse, nicht das moderne süße Obstkompott. Eine nah verwandte Überlieferung desselben Anfangs setzt Honig, Wein und Früchte an - der hier vorliegende Text selbst nennt jedoch keine dieser Zutaten und endet bereits nach dem Sieden in Salzwasser.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland - Reichenau/Bodensee). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).

Compostmangolt Zuo aime guoten kunpost nim mangolt vnd wasch den gar suber vnd schab die wurtza vnd sud in mit pleter vnd mit in gesalczem wasser
kunpost

'Kunpost' (mhd. 'cumpost') bezeichnete im Mittelalter oft eingelegtes oder fermentiertes Gemüse, nicht das moderne süße Obstkompott. Eine nah verwandte Überlieferung setzt für ein sehr ähnlich beginnendes Rezept Honig, Wein und Früchte an - der hier vorliegende Text selbst bricht aber vor jeder Süßungsangabe ab und bleibt ein schlicht gesalzenes Mangoldgericht.

mangolt

Mangold ist ein Blattgemüse, das im Mittelalter häufig verwendet wurde. Hier werden sowohl die Blätter als auch die Wurzeln verarbeitet.

Handschrift
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)
Folio
Fol. 118v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)
Entstehung
Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee), 1450
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

mangoltchard Q157954
wasserwater Q283
gesalczem wassertable salt Q11254

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartCompostmangolt / kunpost

Gewählte Lesart: Kunpost von Mangold - ein schlicht gesalzenes Mangoldgericht, wie es der eigene Text beschreibt.

Andere mögliche Lesart:

  • Süße Mangold-Zubereitung mit Honig, Wein und Früchten, wie sie eine nah verwandte Überlieferung für ein sehr ähnlich beginnendes Rezept zeigt. - Eine Schwesterhandschrift setzt für einen wortgleichen Anfang (waschen, Wurzeln schaben, in Salzwasser sieden) anschließend Honig, Wein, Feigen und Rosinen an. Der hier vorliegende Text bricht jedoch vor jeder Süßungsangabe ab und nennt keine dieser Zutaten; eine weitere Handschrift mit demselben Anfang endet unter anderem Namen sauer-würzig statt süß. Die süße Lesart ist damit nicht direkt belegt, sondern nur eine von zwei möglichen Fortsetzungen.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 118v, Sermones - Cod. Aug. pap. 125. [Reichenau], [15. Jahrh.]. Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Aug. pap. 125, https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:31-64893 / Public Domain Mark 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ka1 (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ka1-091
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Stand dieser Fassung: 28.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.