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Ein Mandelmus

Augspurger Kochbuoch, worinnen enthalten fürtreffliche Rezepte für Frawen & Junckfrawen · Augsburg · 1554

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit20 Min.Portionen4-6 PersonenBuchDas Kochbuch der Maria Stenglerin (~1554)

Um ein gutes Mandelmus zuzubereiten, nimm dreiviertel Pfund Mandeln - für eine Tafel -, stoße sie klein, bis das gelbliche Öl austritt. Nimm einen Milchrahm, streiche die Masse damit durch ein Tuch. Lass es dann eine Weile sieden und gib Zucker hinzu.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
drey vierdung mandel Mandeln, gemahlen 375 g Supermarkt (Backregal) Ganze Mandeln im Blender kurz zermahlen, wenn du die Frische bevorzugst
ain millich Ram Sahne - Supermarkt -
ain zucker Zucker - - -

Welches Gericht ist das?

Ein gestoßenes, durch ein Tuch passiertes und kurz aufgekochtes Mandel-Sahne-Mus mit Zucker - ein reines Topfgericht ohne Teighülle. Lebendiger Nachfahre ist die heutige süße Mandelcreme, technisch ein Vorläufer der Marzipan-Familie (gemahlene Mandeln gebunden statt geknetet).

Was bedeutet „auf ain Tiſch“?

Die Wendung ist keine Arbeitsanweisung, die Mandeln zum Stoßen auf eine Tischplatte zu legen, sondern eine feststehende Mengenformel: „drei Vierdung Mandeln, gerechnet für eine Tafel“. Derselbe Ausdruck erscheint fast wortgleich im Augsburger Nachbarrezept saw-049 sowie in saw-128, wo er ausdrücklich als Portionsangabe für eine Tischgesellschaft erklärt wird.

Wie entsteht die Konsistenz?

Die Mandeln werden zerstoßen, bis das Öl austritt - das bricht die Zellstruktur auf und ergibt eine geschmeidige Rohpaste. Mit Milchrahm vermischt wird die Masse durch ein Tuch gestrichen, was grobe Stücke herausfiltert und eine feine, homogene Flüssigkeit ergibt, ganz wie bei der Herstellung von Mandelmilch. Erst danach kommt sie kurz zum Sieden, wodurch sie ohne zugesetztes Bindemittel allein durch Verdunstung eindickt; der Zucker wird erst am Ende zugegeben, damit er nicht anbrennt oder kristallisiert.

Wie lange sieden?

Das Transkript nennt nur „ain weil ſiedenn“ - eine unbestimmte Weile, keine Zeitangabe. Ein kurzes Einköcheln von 15-20 Minuten ergibt eine warme, leicht eingedickte Creme und ist die praktikable Empfehlung. Da kein Bindemittel im Text steht, ist aber auch ein deutlich längeres Einsieden bis zur musartigen Dicke denkbar, je nach Rahmmenge und Feuerhitze.

Praxis.

Gemahlene Mandeln mit wenig Sahne zu einer glatten Paste verrühren, durch ein feines Tuch oder Sieb streichen, in einem Topf bei milder Hitze 15-20 Minuten einköcheln lassen, bis die Masse cremig-dick wird, dann mit Zucker abschmecken. Am Lagerfeuer im Kessel genauso machbar.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, Goldstandard. Die Zubereitung ist schnell und unkompliziert. Mandeln können bereits gemahlen mitgebracht werden, und Sahne ist als H-Sahne ungekühlt haltbar oder kann gekühlt transportiert werden.

Was bedeutet 'drey vierdung' im Rezept?

‚Drey vierdung‘ bedeutet dreiviertel Pfund. Ein mittelalterliches Pfund entsprach etwa 500 Gramm, also sind hier 375 Gramm Mandeln gemeint.

Brauche ich einen Mörser, um die Mandeln zu zerstoßen?

Historisch wurden die Mandeln in einem großen Mörser zu einer feinen Paste zerstoßen. Für die moderne Küche kannst du fertig gemahlene Mandeln verwenden oder ganze Mandeln kurz in einem Blender zerkleinern. Ein Mörser ist nur für eine authentische Vorführung nötig.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Maria Stenglerin“. Kochbuch mit Besitzvermerk „Das Kochbuoch Gehört der Junckfraw Maria Stenglerin zu. 1554." Die Originalhandschrift gilt als unauffindbar - weder Thomas Glonings eigene Bibliographie (germcook.pdf) noch der Handschriftencensus noch Wikidata nennen eine Bibliothek oder Signatur, obwohl Glonings Liste bei anderen Handschriften-Kochbüchern die Signatur durchgängig mitführt. Verfügbar ist nur ein 1886 gedruckter Neudruck (Augsburg: Gebr. Reichel, 20 Bl., Fraktur-Neusatz mit Faksimile-Titelblatt der Besitzinschrift), digitalisiert von der Bayerischen Staatsbibliothek. Medium ist deshalb als "druck" gesetzt - Eigenschaft des tatsächlich erhaltenen Exemplars, nicht des verlorenen Originals. Ein Jahr vor Sabina Welserins Kochbuch (saw-*, ebenfalls Augsburg, Handschrift dort bekannt: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, 4° Cod 137) entstanden - starker Twin-Kandidat fürs Review. Eine weitere, grundsätzliche Unsicherheit bleibt: Da die Handschrift verschollen ist, lässt sich bei ungeklärten Hapax-Wörtern (z.B. mst-136 "Fiſchpersperlin", mst-137 "ſechdiſtel") nicht mehr feststellen, ob ein Fehler schon in der Handschrift selbst stand, beim Lesen durch den Herausgeber 1886 entstand oder beim Neusatz - anders als bei reinen OCR-Fehlern lässt sich das nicht gegen ein Referenzbild prüfen. Lesungen bei unbelegten Hapax sollten deshalb als Konjektur markiert bleiben, nicht stillschweigend geglättet werden.

Ain Wanndel muss. Item ain gut Manndel muſs zu machen, nimb drey vierdung mandel auf ain Tiſch, ſtoſsyn klain, das gelb herauß ganng. Nimb ain millich Ram ſtreichs darmit durch ain thuch laſs dan ain weil ſiedenn, thu ain zucker darann.
vierdung

Ein Viertel Pfund. Ein Pfund entsprach im Mittelalter und der Frühen Neuzeit etwa 500 Gramm.

auf ain Tiſch

Feststehende Mengenformel des Buches, keine Ortsangabe zum Stoßen: „drei Vierdung Mandeln, gerechnet für eine Tafel/Tischgesellschaft“. Belegt durch den fast wortgleichen Zwilling saw-049 („3 vierdung auff ain disch“) sowie dasselbe Muster in saw-128, dort ausdrücklich als Portionsangabe für eine Tischgesellschaft erläutert (saw-144).

gelb herauß ganng

Bezieht sich auf das gelbliche Öl, das beim Zerstoßen der Mandeln austritt und die Paste geschmeidig macht.

millich Ram

Milchrahm, also Sahne oder Rahm.

streichs darmit durch ain thuch

Das Passieren durch ein Tuch dient dazu, eine besonders feine, glatte Konsistenz des Mandelmus zu erzielen.

Druck
Augspurger Kochbuoch, worinnen enthalten fürtreffliche Rezepte für Frawen & Junckfrawen
Teil
Torten und Muse
Sprache
Frühneuhochdeutsch (schwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg, 1554
Neudruck
1886 (Originalhandschrift verschollen)

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

drey vierdung mandelalmond Q184357
ain millich Ramcream Q13228
ain zuckerunrefined cane sugar Q57656231

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartain weil ſiedenn

Gewählte Lesart: Kurzes Einköcheln von etwa 15-20 Minuten, wie in der Praxisempfehlung angegeben - ergibt eine warme, leicht eingedickte Creme.

Andere mögliche Lesart:

Originalwerk (~1554) gemeinfrei.

Bildquelle
Seite 011, München, Bayerische Staatsbibliothek, 4 Oecon. 207 h (bsb00076173) - CC BY-NC-SA 4.0 Quelle öffnen
Transkription
Bayerische Staatsbibliothek (MDZ), Digitalisat des Neudrucks 1886 - kein Bibliotheks-OCR vorhanden (api.digitale-sammlungen.de/ocr/bsb00076173 liefert 404), eigenes Kraken-OCR nötig Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Goldstandard: Im Topf am Feuer in etwa 20 Minuten fertig. Die Zutaten sind robust und leicht zu transportieren, besonders wenn die Mandeln bereits gemahlen mitgebracht werden.
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Stand dieser Fassung: 13.09.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.