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Eingelegte Weichseln

Augspurger Kochbuoch, worinnen enthalten fürtreffliche Rezepte für Frawen & Junckfrawen · Augsburg · 1554

Gewürz / SauceGewürz / SauceEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit15 Min.Portionen1 Glas ~500 mlBuchDas Kochbuch der Maria Stenglerin (~1554)

Nimm gut reife Weichseln und brich die Stiele davon ab.

Läutere anschließend Zucker oder Honig. Lass ihn erkalten und gib ihn danach zu den Weichseln. Setze sie dann in den Keller.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
woll zeitig weixlen Reife Weichseln - Wochenmarkt, Supermarkt (saisonal) Sauerkirschen
ain zucker Zucker - - Honig

Welches Gericht ist das? Eingemachte Weichseln in kaltem Zuckersirup sind eine Vorratskonserve für den Keller - kein Kompott und keine Konfitüre im heutigen Sinn: die Früchte werden nicht mitgekocht, nur der Sirup wird geklärt, abgekühlt und dann über die rohen, entstielten Weichseln gegeben. Die nächste lebende Verwandtschaft ist das heutige Einlegen von Kirschen in kaltem Zuckersirup zur Vorratshaltung.

Wie viel Sirup? Der Text nennt kein Mengenverhältnis von Sirup zu Früchten. In der Praxis bewährt sich, so viel Sirup anzusetzen, dass die Weichseln vollständig bedeckt sind - das sichert die Haltbarkeit am zuverlässigsten. Denkbar ist auch eine ursprünglich dünnere, nicht vollständig deckende Sirupgabe mit kürzerer beabsichtigter Haltbarkeit; der Wortlaut entscheidet das nicht.

Praxis. Reife Weichseln entstielen. Zucker oder Honig mit etwas Wasser erhitzen und den aufsteigenden Schaum abschöpfen, bis der Sirup klar ist (Läutern), dann vollständig abkühlen lassen - erst danach über die Früchte geben, damit sie nicht angegart werden und Farbe sowie Textur behalten. Anschließend kühl und dunkel lagern; die Konserve braucht danach noch Zeit zum Reifen.

Was sind Weichseln?

Weichseln sind eine alte Bezeichnung für Sauerkirschen. Sie sind kleiner und herber als Süßkirschen und eignen sich hervorragend zum Einlegen und für Konfitüren.

Was bedeutet es, Zucker oder Honig zu 'läutern'?

Das Läutern ist ein Reinigungsprozess. Dabei wird Zucker oder Honig mit etwas Wasser erhitzt, bis sich alle Feststoffe gelöst haben. Der dabei entstehende Schaum, der Verunreinigungen enthält, wird abgeschöpft, um eine klare, reine Süße zu erhalten.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, nicht geeignet. Dieses Rezept ist eine Anleitung zur Konservierung von Früchten für die Vorratshaltung im Keller und nicht für die Zubereitung oder den sofortigen Verzehr im Lager gedacht. Es erfordert eine längere Reifezeit.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Maria Stenglerin“. Kochbuch mit Besitzvermerk „Das Kochbuoch Gehört der Junckfraw Maria Stenglerin zu. 1554." Die Originalhandschrift gilt als unauffindbar - weder Thomas Glonings eigene Bibliographie (germcook.pdf) noch der Handschriftencensus noch Wikidata nennen eine Bibliothek oder Signatur, obwohl Glonings Liste bei anderen Handschriften-Kochbüchern die Signatur durchgängig mitführt. Verfügbar ist nur ein 1886 gedruckter Neudruck (Augsburg: Gebr. Reichel, 20 Bl., Fraktur-Neusatz mit Faksimile-Titelblatt der Besitzinschrift), digitalisiert von der Bayerischen Staatsbibliothek. Medium ist deshalb als "druck" gesetzt - Eigenschaft des tatsächlich erhaltenen Exemplars, nicht des verlorenen Originals. Ein Jahr vor Sabina Welserins Kochbuch (saw-*, ebenfalls Augsburg, Handschrift dort bekannt: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, 4° Cod 137) entstanden - starker Twin-Kandidat fürs Review. Eine weitere, grundsätzliche Unsicherheit bleibt: Da die Handschrift verschollen ist, lässt sich bei ungeklärten Hapax-Wörtern (z.B. mst-136 "Fiſchpersperlin", mst-137 "ſechdiſtel") nicht mehr feststellen, ob ein Fehler schon in der Handschrift selbst stand, beim Lesen durch den Herausgeber 1886 entstand oder beim Neusatz - anders als bei reinen OCR-Fehlern lässt sich das nicht gegen ein Referenzbild prüfen. Lesungen bei unbelegten Hapax sollten deshalb als Konjektur markiert bleiben, nicht stillschweigend geglättet werden.

Eingemacht weixlen. Item nimb woll zeitig weixlen, prock die ſtill daruon, vnd leuͤttere ain zucker oder hunig, las erkuollen, thus darnach an die weixlen, vnd ſetz in keller.
weixlen

Alte Bezeichnung für Sauerkirschen, auch Weichselkirschen genannt.

eingemacht

Bezeichnet hier eine Konservierungsmethode, bei der Früchte oder Gemüse in einer Flüssigkeit (oft Zucker- oder Honigsud, Essig) eingelegt werden, um sie haltbar zu machen.

leuͤttere

Das 'Läutern' von Zucker oder Honig bedeutet, ihn durch Erhitzen mit etwas Wasser und Abschöpfen des Schaums von Verunreinigungen zu befreien, um eine klare Flüssigkeit zu erhalten.

Druck
Augspurger Kochbuoch, worinnen enthalten fürtreffliche Rezepte für Frawen & Junckfrawen
Teil
Hausmittel und Eingemachtes
Sprache
Frühneuhochdeutsch (schwäbisch/augsburgisch, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg, 1554
Neudruck
1886 (Originalhandschrift verschollen)

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

woll zeitig weixlensour cherry Q68438267
ain zuckerunrefined cane sugar Q57656231

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartSirup-Mengenverhältnis

Gewählte Lesart: Der Sirup wird so bemessen, dass die Weichseln vollständig bedeckt sind - das sichert die zuverlässigste Haltbarkeit.

Andere mögliche Lesart:

  • Nur eine dünnere Sirupgabe ohne vollständige Bedeckung der Früchte, mit entsprechend kürzerer beabsichtigter Haltbarkeit. - Der Text nennt kein Mengenverhältnis von Sirup zu Früchten; beide Lesarten sind mit dem Wortlaut vereinbar.

Originalwerk (~1554) gemeinfrei.

Bildquelle
Seite 037, Rezept läuft bis seite-038, München, Bayerische Staatsbibliothek, 4 Oecon. 207 h (bsb00076173) - CC BY-NC-SA 4.0 Quelle öffnen
Transkription
Bayerische Staatsbibliothek (MDZ), Digitalisat des Neudrucks 1886 - kein Bibliotheks-OCR vorhanden (api.digitale-sammlungen.de/ocr/bsb00076173 liefert 404), eigenes Kraken-OCR nötig Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Dieses Rezept ist eine Konservierungsanleitung für den Keller und nicht für den sofortigen Verzehr im Lager gedacht. Es erfordert eine längere Lagerung zur Reifung.
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Stand dieser Fassung: 17.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.