Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a · Entstehungsort unbekannt (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a) · 1389
Willst du drei Gerichte in einem Topf kochen, sodass das eine nicht gesalzen wird, das andere mäßig gesalzen ist und das dritte allzu stark gesalzen ist? Das erste soll Eier sein, das zweite Fleisch und das dritte Krebse.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| eyer | Eier | - | - | - |
| fleisch | Fleisch | - | Metzger | Geflügel oder Fisch für eine leichtere Variante |
| krebs | Krebse | - | Fischhändler (aus nachhaltiger Zucht) | Garnelen oder Flusskrebse aus Zucht |
| Salz | - | - | - |
Was wird hier gemacht? Drei Komponenten - Eier, Fleisch, Krebse - sollen gleichzeitig in einem einzigen Topf gegart werden, aber jede mit einem eigenen Salzgrad: eine bleibt ungesalzen, eine mäßig, eine allzu stark. Der Text formuliert nur die Aufgabe; wie sie gelöst wird, sagt er nicht. Direkt nach der Nennung von Ei, Fleisch und Krebs bricht der Abschnitt ab, das nächste Rezept beginnt.
Funktioniert das? Unklar - der Text belegt nur die Aufgabenstellung, kein Verfahren. Kochten alle drei Zutaten im selben gesalzenen Sud, würde sich das Salz durch Diffusion weitgehend ausgleichen; drei stabil verschiedene Salzgrade wären ohne physische Trennung kaum zu halten. Physikalisch denkbar wäre eine Lösung über ungleiche Salzaufnahme - etwa Ei in intakter, salzabweisender Schale, Fleisch mit langsamer, Krebsfleisch mit schneller Aufnahme aus dem Sud -, das ist aber eine Erklärungsmöglichkeit, keine Aussage des Textes.
Der Text stellt eine Aufgabe, keine Kochanleitung: Drei Zutaten sollen in einem einzigen Topf so gegart werden, dass jede eine andere Salznote trägt. Wie das erreicht wird, sagt der Text nicht - ob es sich um eine reine Kochprobe oder eine Vorführung vor Publikum handelte, lässt sich aus dem Rezept allein nicht sicher sagen.
Nein. Es ist ein Kunststück zur Vorführung von Präzision, kein Speisenrezept mit Garangabe, und nicht als Truppenverpflegung gedacht.
„Mit Maßen“, also mäßig gesalzen - mittelhochdeutsch „ze mâze“ (BMZ, Lexer). Damit ergibt sich die Stufung ungesalzen, mäßig, allzu stark gesalzen.
Dieses Rezept stammt aus dem Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a. CoReMA-Handschrift N2 (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a), datiert um 1389: die berühmte Sammelhandschrift mit der ältesten erhaltenen Auslegung von Johannes Liechtenauers Fechtlehre (früher, inzwischen korrigiert, "Döbringer Fechtbuch" genannt) - hier nicht wegen des Fechttraktats, sondern wegen der darin enthaltenen Kochrezepte interessant, darunter ein Met-Rezept im Verhältnis drei Teile Wasser zu einem Teil Honig, mit Hopfengabe und einer separaten roten Farbzugabe.
Mittelhochdeutsch „ze mâze“, mit Maßen (BMZ, Lexer): das zweite Gericht ist mäßig gesalzen, zwischen ungesalzen und allzu stark.
Beschreibt eine Küchenherausforderung: drei verschiedene Speisen sollen gleichzeitig in einem Topf zubereitet werden, jede mit einer eigenen Salznote.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| eyer | chicken egg Q15260613 |
| fleisch | meat Q10990 |
| krebs | crayfish Q210959 |
| table salt Q11254 |
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 27.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.