Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a · Entstehungsort unbekannt (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a) · 1389
Damit kein Käse fault, gib Krause Minze und Ähnliches hinein.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| kese | Käse | - | Supermarkt, Käserei | - |
| krawzenmincze | Krause Minze | - | Gärtnerei, Wochenmarkt | Pfefferminze |
Welches Gericht ist das? Kein Kochrezept, sondern ein kurzer Haushaltsrat: Krause Minze soll frischen Käse vor dem Faulen bewahren. Der Kern - Kräuter zur Haltbarmachung von Käse - lebt in der handwerklichen Käseherstellung fort (Kräuterrinden), heute allerdings meist aromatisch begründet statt als erklärter Konservierungsmechanismus.
Krawzenmincze ist Krause Minze (Mentha spicata/crispa) - die Lesung ist über zwei unabhängige Wörterbuchbelege ("minze" und "kraus") gesichert, auch wenn die Gesamtform selbst keinen Direktbeleg hat.
Praxis. Wie die Minze konkret angewendet wurde, sagt der Text nicht. Naheliegend (modern): frische Krause Minze zusammen mit dem Käse in einem luftigen Gefäß oder Tuch lagern. Die ätherischen Öle der Minze wirken mild antimikrobiell und können Schimmel- und Fäulniswachstum hemmen - das ersetzt aber keine Kühlung oder trockene Lagerung.
Nein. Dies ist kein Kochrezept, sondern ein Tipp zur langfristigen Konservierung von Käse. Es beschreibt eine Methode zur Vorratshaltung, die nicht direkt im Lager umgesetzt wird.
Dies ist eine mittelhochdeutsche Bezeichnung für Krause Minze (Mentha spicata), eine Minzart mit gekräuselten Blättern. Sie wurde vermutlich wegen ihres starken Aromas zur Konservierung oder Geruchsmaskierung verwendet.
Die genaue Methode wird nicht beschrieben, aber Minze enthält ätherische Öle mit antimikrobiellen Eigenschaften, die das Wachstum von Schimmel und Bakterien hemmen können. Vermutlich wurde der Käse mit Minze eingerieben oder in Minze eingewickelt.
Dieses Rezept stammt aus dem Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a. CoReMA-Handschrift N2 (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a), datiert um 1389: die berühmte Sammelhandschrift mit der ältesten erhaltenen Auslegung von Johannes Liechtenauers Fechtlehre (früher, inzwischen korrigiert, "Döbringer Fechtbuch" genannt) - hier nicht wegen des Fechttraktats, sondern wegen der darin enthaltenen Kochrezepte interessant, darunter ein Met-Rezept im Verhältnis drei Teile Wasser zu einem Teil Honig, mit Hopfengabe und einer separaten roten Farbzugabe.
Mittelhochdeutsch für ‚faulen‘. Der Tipp beschreibt, wie Käse vor dem Verderben geschützt werden kann.
Die Abkürzung steht für ‚et cetera‘ und deutet an, dass auch andere ähnliche Kräuter oder Substanzen zur Käsekonservierung verwendet werden können.
Krause Minze (Mentha spicata/crispa) - Fischer/WBN belegt „minze“ als Pflanzenlemma, FWB belegt „kraus“ (gekräuselt, von Blättern); die Gesamtform selbst hat keinen Direktbeleg, ist aber morphologisch und semantisch eindeutig.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| kese | cheese Q10943 |
| krawzenmincze | crisped mint Q61923338 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
krawzenmincze
Gewählte Lesart: Krause Minze. Die Lesart 'Krause Minze' (Mentha spicata) ist plausibel, da 'kraus' im Mittelhochdeutschen 'gekräuselt' oder 'runzelig' bedeuten kann und diese Minzart für ihre Blätter bekannt ist. Minze ist zudem ein bekanntes Konservierungsmittel.
Andere mögliche Lesart:
vawlen
Gewählte Lesart: faulen. Die Lesart 'faulen' (verderben, verrotten) ist im Kontext der Käsekonservierung die einzig sinnvolle und wird durch die Belege für 'vûlen' (Lexer/WBN) sowie MHDBDB gestützt. Der v/f-Anlautwechsel ist mittelhochdeutscher Standard.
Anwendung der Minze
Gewählte Lesart: Der Text nennt nur das Hinzugeben der Minze zum Käse, kein konkretes Verfahren. Moderner Vorschlag: frische Minze zusammen mit dem Käse lagern.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 27.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.