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Zwei Eier kochen, eins roh, eins gar

Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a · Entstehungsort unbekannt (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a) · 1389

RezeptSonstigesEinfachKorrekturBearbeitungsstand 6/10
Zubereitungszeit5 Min.Portionen1-2 Personen (als Demonstration)BuchNürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a (~1389)

Willst du zwei Eier in einem Topf kochen, sodass das eine roh bleibt und das andere gar wird, so lege zuerst ein Ei in den Topf. Schütte dann genügend Asche darüber und lege das zweite Ei auf die Asche in den Topf. Gib Wasser hinzu und setze den Topf aufs Feuer. So bleibt das erste Ei roh, während das andere gar wird.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
czwey eyer Eier 2 - -
asche genuk genug Asche - - -
wasser Wasser - - -

Was wird hier gemacht? Zwei Eier landen im selben Topf, aber unter unterschiedlichen Bedingungen: Das erste liegt direkt auf dem Topfboden, wird mit reichlich Asche bedeckt, und erst darauf kommt das zweite Ei. Dann füllt man Wasser auf und stellt den Topf aufs Feuer - laut Text bleibt das untere Ei danach roh, während das obere durchgart.

Funktioniert das? Teilweise. Asche leitet Wärme schlecht und bremst die Konvektion, ein spürbarer Unterschied im Garzustand ist physikalisch plausibel. Dass ein Ei dabei vollständig roh bleibt, während das andere komplett gar wird, ist jedoch eine Zuspitzung der Quelle: Der Text nennt weder Zeit- noch Feuerangabe, ohne die sich das Ergebnis nicht sicher vorhersagen lässt.

Warum bleibt laut dem Rezept ein Ei roh, während das andere gar wird?

Das erste Ei liegt direkt auf dem Topfboden, danach kommt eine Ascheschicht darüber, und erst darauf das zweite Ei im Wasser. Asche leitet Wärme schlecht und bremst die Konvektion, sodass ein spürbarer Unterschied im Garzustand physikalisch plausibel ist. Dass das untere Ei dabei vollständig roh bleibt, während das obere komplett durchgart, ist eine Zuspitzung der Quelle: Angaben zu Zeit, Menge oder Feuerstärke fehlen, ohne die sich das Ergebnis nicht sicher vorhersagen lässt.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a. CoReMA-Handschrift N2 (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a), datiert um 1389: die berühmte Sammelhandschrift mit der ältesten erhaltenen Auslegung von Johannes Liechtenauers Fechtlehre (früher, inzwischen korrigiert, "Döbringer Fechtbuch" genannt) - hier nicht wegen des Fechttraktats, sondern wegen der darin enthaltenen Kochrezepte interessant, darunter ein Met-Rezept im Verhältnis drei Teile Wasser zu einem Teil Honig, mit Hopfengabe und einer separaten roten Farbzugabe.

Wiltu czwey eyer siden in eynem toppe daz das eyne ro bleybe vnd das ander gezoten zo lege daz eyne ey in den top vnd schoe= te asche genuk dorof vnd lege das ander of dy asche in den top vnd tu wasser doreyn vnd setze is czu dez fewer zo bleibt das erste ro vnd daz ander daz aber wert gezoten
siden

Mittelhochdeutsch für ‚sieden‘ oder ‚kochen‘.

ro

Mittelhochdeutsch für ‚roh‘.

gezoten

Mittelhochdeutsch für ‚gesotten‘, also gekocht oder gar.

schoete

Mittelhochdeutsch für ‚schüttete‘ (zu ‚schütten‘, gießen).

is

Ostmitteldeutsche Nebenform zu ‚ez/iz‘ (es); Bezug ist der Topf.

of

Ostmitteldeutsche Nebenform zu ‚uf/auf‘.

Handschrift
Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a
Folio
Fol. 119v
Sprache
Mittelhochdeutsch (ostmitteldeutsch)
Entstehung
Entstehungsort unbekannt (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a), 1389
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

czwey eyerchicken egg Q15260613
wasserwater Q283

Originalwerk (~1389) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 119v, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Hs 3227a (um 1389) - Public Domain
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), N2 (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/n2-013
LagerkücheLagerküche
Kunststück, kein Lagerküchengericht (Ralf-Entscheidung 2026-09-27): Das Grundprinzip (Asche als Isolator, Topf aufs Feuer) ließe sich zwar zeigen, aber die Vorführung selbst gehört nicht in die Lagerküchen-Kategorie, unabhängig davon, ob die Zutaten dafür geeignet wären.
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Stand dieser Fassung: 27.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.