Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a · Entstehungsort unbekannt (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a) · 1389
Willst du zwei Eier in einem Topf kochen, sodass das eine roh bleibt und das andere gar wird, so lege zuerst ein Ei in den Topf. Schütte dann genügend Asche darüber und lege das zweite Ei auf die Asche in den Topf. Gib Wasser hinzu und setze den Topf aufs Feuer. So bleibt das erste Ei roh, während das andere gar wird.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| czwey eyer | Eier | 2 | - | - |
| asche genuk | genug Asche | - | - | - |
| wasser | Wasser | - | - | - |
Was wird hier gemacht? Zwei Eier landen im selben Topf, aber unter unterschiedlichen Bedingungen: Das erste liegt direkt auf dem Topfboden, wird mit reichlich Asche bedeckt, und erst darauf kommt das zweite Ei. Dann füllt man Wasser auf und stellt den Topf aufs Feuer - laut Text bleibt das untere Ei danach roh, während das obere durchgart.
Funktioniert das? Teilweise. Asche leitet Wärme schlecht und bremst die Konvektion, ein spürbarer Unterschied im Garzustand ist physikalisch plausibel. Dass ein Ei dabei vollständig roh bleibt, während das andere komplett gar wird, ist jedoch eine Zuspitzung der Quelle: Der Text nennt weder Zeit- noch Feuerangabe, ohne die sich das Ergebnis nicht sicher vorhersagen lässt.
Das erste Ei liegt direkt auf dem Topfboden, danach kommt eine Ascheschicht darüber, und erst darauf das zweite Ei im Wasser. Asche leitet Wärme schlecht und bremst die Konvektion, sodass ein spürbarer Unterschied im Garzustand physikalisch plausibel ist. Dass das untere Ei dabei vollständig roh bleibt, während das obere komplett durchgart, ist eine Zuspitzung der Quelle: Angaben zu Zeit, Menge oder Feuerstärke fehlen, ohne die sich das Ergebnis nicht sicher vorhersagen lässt.
Dieses Rezept stammt aus dem Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a. CoReMA-Handschrift N2 (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a), datiert um 1389: die berühmte Sammelhandschrift mit der ältesten erhaltenen Auslegung von Johannes Liechtenauers Fechtlehre (früher, inzwischen korrigiert, "Döbringer Fechtbuch" genannt) - hier nicht wegen des Fechttraktats, sondern wegen der darin enthaltenen Kochrezepte interessant, darunter ein Met-Rezept im Verhältnis drei Teile Wasser zu einem Teil Honig, mit Hopfengabe und einer separaten roten Farbzugabe.
Mittelhochdeutsch für ‚sieden‘ oder ‚kochen‘.
Mittelhochdeutsch für ‚roh‘.
Mittelhochdeutsch für ‚gesotten‘, also gekocht oder gar.
Mittelhochdeutsch für ‚schüttete‘ (zu ‚schütten‘, gießen).
Ostmitteldeutsche Nebenform zu ‚ez/iz‘ (es); Bezug ist der Topf.
Ostmitteldeutsche Nebenform zu ‚uf/auf‘.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| czwey eyer | chicken egg Q15260613 |
| wasser | water Q283 |
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Stand dieser Fassung: 27.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.