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Patriden: Fleisch, Wild und Geflügel aus dem Kessel mit Braten obenauf

Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich · Wolfenbüttel · 1598

LesartViel InterpretationsspielraumAufwändigKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchKunstbuch von mancherley Essen (~1598)

Abkochen: Alle Patriden von allerlei Tieren und Vögeln in einem verzinnten Kessel mit mäßig viel Wasser abkochen, damit die Brühe weder zu dick noch zu dünn wird, und mäßig salzen.

Je nachdem, ob der Tisch, auf dem man das Gericht anrichten will, groß oder klein ist, von den Vögeln und Tieren zusammennehmen, und so weiter.

Fleisch: zwei Stück Rindfleisch aus dem Rücken oder der Brust, 2 Rippen vom Schwein, zwei Rippen von einem Hammel, zwei Rippen vom Kalb, das Hinterviertel von einem Lamm, ein oder zwei Viertel vom Spanferkel - dabei soll man die Haut nicht abziehen -, zwei oder drei Ohren und Füße vom wilden oder zahmen Schwein, auch die Schwänze, eine Rinderniere, einen Lammkopf und die vier Füße.

Wild und Geflügel: zwei Stück von einer Hirschbrust, Hirschohren, zwei Keulen oder Rücken vom Hasen, zwei Stück vom Wildschweinrücken, ein halbes Kaninchen, ein oder zwei Kapaune, einen Birkhahn, einen Truthahn oder eine Truthenne, zwei Feld- und Haselhühner, zwei, drei oder vier Krammetsvögel, ein, zwei oder drei Waldschnepfen, einen Fasan, drei oder vier Wachteln, ein oder zwei wilde oder zahme Enten, ein Paar Keulen oder Bruststücke von einer wilden oder zahmen Gans, auch die Füße, Mägen und Lebern, zwei wilde oder zahme Tauben, ein Paar Mettwürste vom Schwein, wild oder zahm.

Gemüse, Obst und Gewürze: Erbsen, Bohnen, Möhren, Petersilien- und Pastinakenwurzeln, Bortfelder Rüben, Artischocken, Weißkohl und Braunkohl, Zitronen, Kapern und Datteln, Rosinen, Feigen, Muskatblüte, Pfeffer, Ingwer, ganze Gewürznelken.

Kochen und Anrichten: Dies alles zusammen in einem verzinnten Kessel kochen und mit einem Deckel zudecken. Dann in eine große silberne oder zinnerne Schüssel anrichten und die folgenden gebratenen Stücke obenauf oder rundherum legen: Rinderbraten, Kalbsbraten, Schweinelende, Hammelbraten, gebratene Rehstücke, gebratenen Reiher, Feld- und Haselhühner, Krammetsvögel, Drosseln, Lerchen und Finken, kleine Vögel, wilde oder zahme Tauben, wilde Enten, gebratene Würste, Hattelet von Rindfleisch, Karbonade.

Die kleinen Vögel an kleine Spießchen stecken, Speck dazwischen stecken, sie braten und danach rundherum auf den Rand legen, und so weiter.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Zwey ſtuͤck Rindfleiſch auß dem Ruͤcken oder Bruſt Rindfleisch aus Rücken oder Brust 2 Stück - -
2. Rippen vom Schwein Schweinerippen 2 - -
zwen Rippen von einem Hamel Hammelrippen 2 - -
zwey Rippen vom Kalbe Kalbsrippen 2 - -
das hinter virtel von einem Lamb Lammhinterviertel - - -
ein oder zwey virtel vom Sponfercken / da ſol man die haut nicht abzihen ein oder zwei Spanferkelviertel, mit Haut - - -
zwey oder drey wilde oder zahme Schweine Ohren vnd Fuͤſſe / auch die Schwentze zwei oder drei Schweineohren und -füße, wild oder zahm, dazu die Schwänze - beim Metzger vorbestellen -
ein Rinderniren Rinderniere 1 - -
einen Kopff vom Lamb vnnd die vier Fuͤſſe Lammkopf mit den vier Füßen 1 - -
zwey ſtuͤck von einer Hirſchbruſt Hirschbrust 2 Stück - -
Hirſchohren Hirschohren - - -
zwey kuͤhlen oder ruͤcken vom Haſen Keulen oder Rücken vom Hasen 2 - -
zwey ſtuͤck vom wildenſchwein ruͤcken Wildschweinrücken 2 Stück - -
ein halb Caninchen Kaninchen ½ - -
ein oder zwey Cappaunen ein oder zwei Kapaune - - -
einen Berckhanen Birkhahn 1 - -
einen Kalkuͤniſchenhanen oder Hun Truthahn oder Truthenne 1 - -
zwey veld vnd Haſſelhuͤner Feld- und Haselhühner 2 - -
zwey drey oder vier Kramsfogel zwei, drei oder vier Krammetsvögel - - -
ein zwey oder drey Holdſchneppen ein, zwei oder drei Waldschnepfen - - -
einen Faſahn Fasan 1 - -
ein Wachtel drey oder vier drei oder vier Wachteln - - -
ein oder zwey wilde oder zame Enten ein oder zwei Enten, wild oder zahm - - -
ein par Kuͤhle oder Bruſtuͤcke von einer wilden oder zamen Ganß 1 Paar Keulen oder Brustteile von einer wilden oder zahmen Gans 2 - -
auch die Fuͤſſe Magen vnd Lebern Gänsefüße, Gänsemägen und Gänselebern - - -
zwey wilde oder zahme Tauben Tauben, wild oder zahm 2 - -
ein par ſchweine Metwuͤrſte / wilde oder zame 1 Paar Mettwürste vom Schwein, wild oder zahm 2 - -
(erschlossen) Wasser, mäßig viel - - -
(erschlossen) Salz, mäßig - - -
Erbiſſen Erbsen - - -
Bonen Bohnen - - -
Mohr Möhren - - -
Peterſilgen Petersilienwurzeln - - -
Baltzernackenwuͤrtzeln Baltzernackenwurzeln (Pastinaken) - Wochenmarkt, Gemüsehandel -
Burdfeldiſche Ruͤben Bortfelder Rüben - - -
Artiſchocken Artischocken - - -
weiſſen vnnd braunen Kohl Weißkohl und Braunkohl - - -
Lemonien Zitronen - - -
Kappern Kapern - - -
Dadtelen Datteln - - -
Roſin Rosinen - - -
Feygen Feigen - - -
Muſcatenblumen Muskatblüte - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
Pfeffer Pfeffer - - -
Ingber Ingwer - - -
gantze Negelein Gewürznelken, ganz - - -
Rinderbraten / Kelberbraten / Schweinemoͤrbraten / Hamelsbraten Rinderbraten, Kalbsbraten, Schweinelende, Hammelsbraten - - -
gebraten Rehſtuͤcken Rehstücke, gebraten - - -
gebraten Reicher Reiher, gebraten - - -
Feld vnd Haſſelhuͤner Feld- und Haselhühner, gebraten - - -
Kramsvogel / Droſeln / Lerchen vnd Fincken / klein vogel Krammetsvögel, Drosseln, Lerchen, Finken und andere kleine Vögel, gebraten - - -
wilde oder zame Tauben / wilde Enten Tauben (wild oder zahm) und wilde Enten, gebraten - - -
gebraten Wuͤrſte Würste, gebraten - - -
Hattelet von Rinderfleiſch / Carbanart Hattelet von Rindfleisch, Karbonade - - -
Speck Speck - - -

Welches Gericht ist das? Patriden ist Rontziers Form von olla podrida, dem spanischen Mischgericht aus vielerlei Fleisch, Geflügel, Hülsenfrüchten und Gemüse aus einem Topf. Im Fischteil des Buchs steht dieselbe Gattung als Holipotriden aus Fischen und Seehundspeck (ron-2002). Marx Rumpolt beschreibt 1581 eine Hollopotrida (rum-1280) und erklärt den Namen damit, „daß vielerley zusammen kompt“.

Wasser und Salz. Diese Angaben stehen im Druck nicht im Rezepttext, sondern in der Überschrift der Gruppe: „… in einem vorzienten Keſſel / mit zimlichem waſſer abzukochen damit die Bruͤh nicht zu dick oder zu duͤn werde vnnd zimlich geſaltzen.“ Der erste Absatz der Übersetzung gibt sie wieder; der Rezepttext selbst nennt danach nur noch den verzinnten Kessel und den Deckel.

Wie viel von allem? Die lange Liste ist keine feste Rezeptur. Rontzier sagt selbst, dass man von den Tieren und Vögeln je nach Größe des Tisches nimmt; die Stückzahlen zeigen die Größenordnung der einzelnen Posten, nicht die Menge für eine bestimmte Gästezahl.

Alles zugleich im Kessel. Der Text lässt alles zusammen kochen und nennt weder Reihenfolge noch Garzeit, obwohl Rindfleisch, Lammkopf und Füße viel länger brauchen als Wachteln oder Krammetsvögel. Rumpolt gart in seiner Hollopotrida jeden Posten vorher für sich und erhitzt im Kessel nur noch kurz. Der Deckel hält die Brühe im Kessel, die Rontzier im Titel weder zu dick noch zu dünn haben will.

Die Braten obenauf. Auf das Gekochte kommen eigens gebratene Stücke, darunter zwei Fleischzubereitungen, denen Rontzier eigene Kapitel gibt: Hattelet (in Streifen geschnittenes, mit dem Messerrücken geklopftes Fleisch) und Karbonade (vor dem Braten mit dem Messerrücken mürbe geschlagenes Fleisch). Die kleinen Vögel werden mit Speck dazwischen an Spießchen gebraten und als Kranz auf den Rand der Schüssel gelegt.

Praxis. Wer eine kleine Fassung kocht, legt die Stücke heute nach Garzeit gestaffelt ein: Rindfleisch, Schweinefüße, Ohren und Kopf zuerst, Hülsenfrüchte und Wurzeln mit, Geflügel später, Kohl, Würste und Trockenobst zuletzt. Wasser nur so viel, dass alles knapp bedeckt ist, und erst gegen Ende abschmecken. Das ist moderne Küchenpraxis, der Text selbst kocht alles zusammen.

Was sind Patriden?

Rontziers Form von olla podrida, dem spanischen Mischgericht aus vielerlei Fleisch, Geflügel und Gemüse aus einem Kessel. Rumpolt nennt es 1581 Hollopotrida, Rontzier hat im Fischteil eine Fassung aus Fischen (Holipotriden).

Was bedeutet „groß oder klein“ beim Tisch?

Wie viel man von den einzelnen Tieren und Vögeln nimmt, richtet sich nach der Größe der Tafel. Eine feste Gästezahl nennt der Text nicht.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein. Ohren, Lammkopf, Niere, Gänselebern und -mägen gehören fest dazu und sind heute kaum zu beschaffen; dazu kommen Dutzende Wild- und Vogelarten und zusätzlich gebratene Stücke für die Schüssel.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kunstbuch von mancherley Essen. Kochbuch des braunschweigisch-lüneburgischen Mundkochs Frantz de Rontzier, gedruckt 1598 in Wolfenbüttel. Höfische Bankett- und Schauessen-Küche: Gesottenes, Gebratenes, Pasteten, Hirsch, Geflügel und Wildbret für fürstliche Tafeln. Rontzier konnte nicht schreiben und hat das Buch diktiert.

Man ſol darnach als der Tiſch darauff man gemeltes eſſen zurichten wil groß oder klein iſt / der Vogel vnnd Dierte zuſamen nehmen etc. Zwey ſtuͤck Rindfleiſch auß dem Ruͤcken oder Bruſt / 2. Rippen vom Schwein / zwen Rippen von einem Hamel / zwey Rippen vom Kalbe / das hinter virtel von einem Lamb / ein oder zwey virtel vom Sponfercken / da ſol man die haut nicht abzihen / zwey oder drey wilde oder zahme Schweine Ohren vnd Fuͤſſe / auch die Schwentze / ein Rinderniren / einen Kopff vom Lamb vnnd die vier Fuͤſſe / zwey ſtuͤck von einer Hirſchbruſt / Hirſchohren / zwey kuͤhlen oder ruͤcken vom Haſen / zwey ſtuͤck vom wildenſchwein ruͤcken / ein halb Caninchen / ein oder zwey Cappaunen / einen Berckhanen / einen Kalkuͤniſchenhanen oder Hun / zwey veld vnd Haſſelhuͤner / zwey drey oder vier Kramsfogel / ein zwey oder drey Holdſchneppen / einen Faſahn / ein Wachtel drey oder vier / ein oder zwey wilde oder zame Enten, ein par Kuͤhle oder Bruſtuͤcke von einer wilden oder zamen Ganß / auch die Fuͤſſe Magen vnd Lebern, zwey wilde oder zahme Tauben / ein par ſchweine Metwuͤrſte / wilde oder zame / Erbiſſen / Bonen, Mohr / Peterſilgen vnnd Baltzernackenwuͤrtzeln, Burdfeldiſche Ruͤben / Artiſchocken / weiſſen vnnd braunen Kohl / Lemonien, Kappern vnnd Dadtelen / Roſin / Feygen / Muſcatenblumen Pfeffer, Ingber / gantze Negelein. Diß alles zuſamen kocht man in einem vorzienten Keſſel / vnnd dechts mit einem gedeck zu / richts dann in eine groſſe Silbern oder Zien Schuͤſſel / legt darnach dieſe nachfolgende gebraten ſtuͤcke oben auff oder heruͤmmer: Als, Rinderbraten / Kelberbraten / Schweinemoͤrbraten / Hamelsbraten / gebraten Rehſtuͤcken / gebraten Reicher / Feld vnd Haſſelhuͤner / Kramsvogel, Droſeln / Lerchen vnd Fincken / klein vogel / wilde oder zame Tauben / wilde Enten / gebraten Wuͤrſte, Hattelet von Rinderfleiſch / Carbanart / Die kleinen Vogel ſticht man an kleine Spetlein / vnd ſticht Speck zwiſchen drein / bradet ſie vnnd legt ſie darnach auff dem rande heruͤmmer / etc.
Burdfeldiſche Ruͤben

Speiserüben, benannt nach Bortfeld bei Braunschweig. Rontzier schreibt an anderer Stelle selbst „Bortfeldiſchen Ruͤben“ (ron-2361). Welche Sorte das 1598 genau war, sagt der Text nicht.

Schweinemoͤrbraten

Mürbebraten, niederdeutsch mörbrade: das zarte Lendenstück unter den Nieren am Rückgrat (Grimm, „mürbebraten“), hier vom Schwein, heute Schweinelende oder Filet.

Kramsfogel

Krammetsvögel, die Wacholderdrosseln; im Text stehen daneben noch eigens Drosseln.

Spetlein

Kleine Spieße, niederdeutsch spêt (Mittelniederdeutsches Wörterbuch brâdespêt „Bratspieß“).

Druck
Kunstbuch Von mancherley Essen, Gesotten, Gebraten, Posteten, von Hirschen, Vogelen, Wildtprat, vnd andern Schawessen, so auff Fürstlichen, vnd andern Pancketen zuzurichten gehörich
Teil
En alle Patryden von allerley Dierten vñ Vögeln
Sprache
Frühneuhochdeutsch (braunschweigische Druckersprache, 16. Jh.)
Entstehung
Wolfenbüttel, 1598

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

ein Wachtel drey oder vierquail Q83363038
auch die Fuͤſſe Magen vnd Lebernliver Q1470283
zwey wilde oder zahme Taubenpigeon Q83363036
(erschlossen)water Q283
(erschlossen)table salt Q11254
Erbiſſengarden pea Q29472543
Bonenbroad bean Q61672189
Peterſilgenparsley Q25284
Lemonienlemon Q1093742
Dadtelendate Q1652093
Roſinraisin Q13186
Feygenfig Q2746643
Muſcatenblumenmace Q1882876
Pfefferpepper Q3143131
Ingberginger Q15046077
gantze Negeleinclove Q15622897
Hattelet von Rinderfleiſch / Carbanartbeef Q192628
Speckbacon Q11106

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartHattelet von Rinderfleiſch

Gewählte Lesart: Name im Text belassen, Bedeutung des Wortes offen. Rontzier beschreibt die Zubereitung in seinem eigenen Hattelet-Kapitel (ab ron-0629, dort vom Hirsch): das Fleisch wird in lange Streifen geschnitten, vorher mit dem Messerrücken geklopft und gesalzen und mit gehacktem Rinderfett und Kräutern belegt. Rumpolt führt in seiner Hollopotrida (rum-1280) ebenfalls „Hattele vom Rindtfleisch gar gebraten“. Ein Wörterbuchbeleg für das Wort fehlt.

Andere mögliche Lesarten:

  • Einfache gebratene Fleischstücke ohne eigene Zubereitung - Die Stellung in der Reihe der Braten ließe das zu, Rontziers eigenes Kapitel zeigt aber eine bestimmte Zubereitung mit Klopfen und Belegen.
  • Von französisch hâtelettes: Fleischstückchen am Spieß - Krünitz’ Oekonomische Encyklopädie (Bd. 22, 1781) führt „Hateletten, aus dem Fr. Hatelettes“ für ausgesuchte Stückchen, die an kleinen Spießchen auf dem Rost gebraten werden; Stratmanns mittelenglisches Wörterbuch leitet hastelet von altfranzösisch hastellet ab. Das passt zum Spießverfahren, der Beleg ist aber rund zwei Jahrhunderte jünger, und für Rontziers Form fehlt ein Wörterbuchbeleg.

LesartCarbanart

Gewählte Lesart: Karbonade (französisch carbonnade, auf Kohlen gebratenes Fleisch), „Karbanart“ ist Rontziers Schreibung. Kiliaans niederländisches Wörterbuch von 1599 führt Karbonade als „Caro tosta, offula carbonibus tosta“ (auf Kohlen geröstetes Fleischstück), Rumpolt 1581 nennt eine geklopfte, auf dem Rost gebratene Scheibe „Karbenada“ (rum-0122). Bei Rontzier sind es Stücke von Rind, Hammel, Schwein, Hirsch und Reh, die vor dem Braten mit dem Messerrücken mürbe geschlagen und meist auf dem Rost gebraten werden (ron-0587). Rontzier gibt der Karbonade ein eigenes Kapitel (ab ron-0587, von Rind, Hammel, Schwein, Hirsch und Reh): die Stücke werden vor dem Braten mit dem Messerrücken mürbe geschlagen und meist auf dem Rost gebraten.

Andere mögliche Lesart:

  • Eigenes Wort Rontziers, nicht mit Karbonade gleichzusetzen - Das Etymologische Wörterbuch des Deutschen datiert die Entlehnung von Karbonade ins Deutsche erst auf den Anfang des 18. Jahrhunderts, und für die Form „Karbanart“ selbst gibt es keinen Wörterbuchbeleg.

LesartBaltzernackenwuͤrtzeln

Gewählte Lesart: Pastinaken (Pastinaca sativa). Das Wort ist eine Form des niederdeutschen Pflanzennamens palsternake: Das Mittelniederdeutsche Wörterbuch und Lübben-Walther führen palsternâke als Nebenform von pasternâk „Pastinak“, das Westfälische Wörterbuch kennt Palsternakke, Adelung und Campe nennen palsternak. Rontzier nennt dieselben „Baltzernackelwurtzeln“ auch in ron-0385, dort ebenfalls als Pastinaken gelesen.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein anderes, nicht bestimmbares Wurzelgemüse - Die Schreibung mit -tz- und -ckel- steht selbst in keinem Wörterbuch; die Gleichung beruht auf der Lautnähe zu palsternake und auf der Stellung neben anderen Wurzelgemüsen. Für Schwarzwurzel oder Haferwurzel gibt es keinen Wortbeleg.

LesartDiß alles zuſamen kocht man

Gewählte Lesart: Alles gemeinsam im Kessel kochen, wie der Text sagt; eine Reihenfolge des Einlegens nennt Rontzier nicht.

Andere mögliche Lesarten:

  • Die Posten vorher getrennt garen und im Kessel nur zusammenbringen - So verfährt Rumpolt in seiner Hollopotrida (rum-1280), weil die Speise „nicht lang sieden“ darf. Bei Rontzier steht das nicht.
  • Nach Garzeit gestaffelt einlegen - Moderne Praxis für ein Gericht aus so verschiedenen Stücken; im Text nicht belegt.

Originalwerk (~1598) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 113, Österreichische Nationalbibliothek, Alt Prunk *44.S.114, Austrian Books Online Quelle öffnen
Transkription
Eigene Transkription nach den Seitenscans der Österreichischen Nationalbibliothek (Alt Prunk *44.S.114), an den Scans korrigiert Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ron-0469
LagerkücheLagerküche
Nein: Schweine- und Hirschohren, Lammkopf, Niere, Gänselebern und -mägen gehören fest zur Kesselbesetzung, und solche Schlachtteile sind heute kaum zu beschaffen. Dazu kommen Dutzende Wild- und Vogelarten, darunter das Birkhuhn, das besonders und streng geschützt ist (Bundesartenschutzverordnung, Anlage 1), und ein Kessel für eine ganze Tafel.
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Stand dieser Fassung: 30.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.