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Hollopotrida: gekochte und gebratene Fleisch-, Geflügel- und Wildstücke mit Gemüse in Brühe

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

LesartViel Interpretationsspielraum·KorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Rindfleisch, in einer Brühe abgekocht, bis es gar ist, doch nicht zerkocht, aus der Brühe gezogen und kalt werden lassen; die Brühe aufgehoben und sauber zugedeckt.

Schweinefleisch, in Wasser zugerichtet und ganz gar gekocht. Zieh es aus der Brühe und lass es kalt werden.

Rückgrat vom Schwein, gut gekocht, aus der Brühe gezogen und kalt werden lassen.

Den Schwanz vom Schwein gekocht und kalt werden lassen.

Schweineohren, gar gekocht.

Die Würste, ebenfalls gebraten.

Koche die Leberwürste und sieh zu, dass du sie nicht zerkochst. Zieh sie auf ein Brett und lass sie kalt werden.

Zirwonada, auf welsche Art gemacht, gekocht und kalt werden lassen.

Gebratene Kapaune.

Gekochter Kapaun, der nur halb gekocht ist. Heb die Brühe davon auf, denn man braucht sie mit der Rindfleischbrühe.

Gebratene Rebhühner oder Feldhühner.

Gekochte Rebhühner, die halb gar sind.

Haselhühner, nicht ganz gar gebraten.

Gekochte Haselhühner, die halb gar sind.

Fasan, halb gebraten.

Fasan, halb gekocht.

Hattele vom Kalbfleisch, halb gebraten.

Hattele vom Rindfleisch, gar gebraten.

Kalbswürste, halb gebraten.

Geräuchertes Rindfleisch, das nicht ganz zerkocht ist.

Geräuchertes Kalbfleisch, das man nicht stark aufsieden und kalt werden lässt.

Geräucherte Hennen, die nicht ganz gar gekocht sind.

Gänse, die nicht ganz gar gebraten sind.

Enten, die halb gebraten sind.

Gekochte Enten.

Gebratene Krammetsvögel, die nicht verbraten sind.

Allerlei kleine Vögel, gebraten.

Gekochte kleine Vögel.

Gekochte Krammetsvögel.

Knorren vom Kalbfleisch, die nicht zerkocht sind.

Gekochtes Kastraun- oder Hammelfleisch.

Gebratenes Kastraun- oder Hammelfleisch, das gar ist.

Kuttelfleck oder Sülzen, die gar gekocht sind, sodass man sie zerschneidet, an einen Spieß steckt und brät, besonders wenn sie sauber und zugerichtet sind, damit sie nicht nach der Herberge schmecken.

Gelbe Rüben, fein grob geschnitten, in kochendem Wasser überbrüht und kalt werden lassen.

Spinat, verlesen, ein wenig überbrüht und aus dem Wasser ausgedrückt.

Weiße Stickelrüben, sauber geschält, überbrüht und ausgekühlt.

Gebratene Hasen, die nicht ganz gar sind.

Weiße Wasserrüben, grob geschnitten und in Wasser überbrüht.

Gebratene Auerhähne, die nicht ganz gar gebraten sind.

Gebratener Putenhahn, der auch nicht ganz gar gebraten ist.

Gebratener Birkhahn oder gebratene Birkhenne.

Gekochter Birkhahn.

Gebratene Trappen.

Gekochte Trappen.

Gebratene junge Hühner, die im Saft gebraten sind.

Gekochte junge Hühner.

Braten von einem Hirsch, nicht verbraten.

Braten von einem Reh, im Saft gebraten.

Schweinebraten, die nicht verbraten sind.

Petersilienwurzel, geschabt, überbrüht und zerschnitten.

Allerlei wohlschmeckende Kräuter, gehackt und daruntergetan.

Auch ein wenig Knoblauch.

Oreganokraut.

Geriebener Parmesankäse.

Geriebenes Roggenbrot.

Geräuchertes Schweinefleisch, das nicht zerkocht ist.

Weißes Kopfkraut, das überbrüht ist.

Weißer Kopfsalat, auch überbrüht.

Hirschohren, die ausgesäubert und gar gekocht sind.

Lämmerfüße, auch nicht ganz gar gekocht.

Kastraun- oder Hammelfüße, die nicht ganz gar sind.

Kalbsfüße, die geräuchert und nicht zerkocht sind.

Ochsenfüße, die nicht zerkocht sind.

Geräuchertes Lammfleisch, das nicht zerkocht ist.

Gekochtes Lammfleisch, das nicht ganz gar ist.

Geräuchertes Ziegenfleisch.

Gekochtes Ziegenfleisch.

Ganzer Pfeffer.

Muskatblüte.

Gestoßener Pfeffer.

Ingwer.

Safran, unter das geriebene Brot und den Parmesankäse gemengt und zwischen die Speisen gestreut.

Lungenbraten vom Rind.

Gebratener Braten von Gämsen.

Braten von einem Steinbock.

Gebratene Murmeltiere.

Gekochte Murmeltiere.

Gebratene Duckenten.

Gekochte Schnepfen.

Gebratene Schnepfen.

Gekochte Spanferkel.

Gebratene Spanferkel.

Gebratene Kaninchen.

Geräucherte Ochsenzungen.

Kuheuter: Wenn es gekocht ist, schneidet man es fein breit, legt es auf einen Rost und bräunt es sauber ab.

Schweinefüße und -ohren, sei es von zahmen oder von wilden Schweinen.

Grüner Kohl, der überbrüht ist.

Pastinakenwurzel, geschabt und überbrüht.

Kohlrüben, grob geschnitten und überbrüht.

Bertramkraut.

Nimm einen breiten, überzinnten Fischkessel und richte das Kräuterwerk und Fleischwerk, es sei gebraten oder gekocht, wie es zuvor beschrieben ist, fein nacheinander und vereinzelt ein, sodass man Gebratenes und Gekochtes durcheinander mengt; dazu grüne Kräuter, die klein gehackt sind, geriebenes Brot und Parmesankäse, den Knoblauch, der klein geschnitten ist, und die eben genannten Gewürze durcheinander gemengt, damit nicht alles auf einen Haufen kommt. Und wenn es eingerichtet ist, so nimm die Rindfleisch-, Hennen- und Kapaunenbrühe, die fein mild gesalzen ist, und seihe sie durch ein Haartuch darüber. Nimm auch ein eingebranntes Mehl hinein, setz es auf Kohlen, doch auf kein brennendes Feuer, damit es nicht anbrennt, und sieh zu, dass du es nicht zerkochen lässt, damit du jedes Stück für sich auf eine Schüssel anrichten kannst. Denn solche Speise kann man nicht lange sieden, weil sie vorher schon fast gar ist. Und eine solche Speise kannst du für zehn oder zwölf Tische zurichten oder auch nur für einen Tisch. Und ein Koch muss sich flink tummeln, damit er all diesen Zeug zusammenbringt. Wer es zurichten will, der muss zwei oder drei Tage vorher damit anfangen, damit er alles zusammenbringt und sauber zurichtet, sodass es wohlschmeckend und nicht versalzen wird. Darum nennt man es Hollopotrida, weil vielerlei zusammenkommt, und es ist gut für König und Kaiser, für Fürsten und Herren zu geben.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
RJndtfleisch Rindfleisch - Metzger -
Schweinenfleisch Schweinefleisch - Metzger -
Ruckgradt vom Schwein Rückgrat vom Schwein - Metzger (auf Bestellung) -
Schwantz vom Schwein Schwanz vom Schwein - Metzger (auf Bestellung) -
Schweinen Ohren Schweineohren - Metzger (auf Bestellung) -
Die Wuͤrst Würste - Metzger -
Leberwuͤrst Leberwürste - Metzger -
Zirwonada auff Welsch gemacht Zirwonada - selbst herstellen (Rumpolts Zurwonada) -
Gebraten Kappaunen Kapaun - Geflügelhändler -
Gesotten Kappaunen Kapaun - Geflügelhändler -
Gebraten Rephuͤnner Rebhühner - Wildhändler -
Feldthuͤnner Feldhühner - Wildhändler -
Gesotten Rephuͤnner Rebhühner - Wildhändler -
Haselhuͤnner nicht gar Haselhühner - - -
Gesotten Haselhuͤnner Haselhühner - - -
Fasan der halb gebraten Fasan - Wildhändler -
Fasan der halb gesotten Fasan - Wildhändler -
Hattele vom Kalbfleisch Hattele vom Kalbfleisch - selbst zubereiten (Rumpolts Hattele vom Kalb) -
Hattele vom Rindtfleisch Hattele vom Rindfleisch - selbst zubereiten -
Kaͤlbernwuͤrst Kalbswürste - Metzger -
Geraͤuchert Rindtfleisch Geräuchertes Rindfleisch - Metzger -
Geraͤuchert Kalbfleisch Geräuchertes Kalbfleisch - Metzger (auf Bestellung) -
Geraͤucherte Hennen Geräucherte Hennen - Geflügelhändler (auf Bestellung) -
Gaͤnß Gänse - Geflügelhändler -
Enten die halb gebraten Enten - Geflügelhändler -
Gesotten Enten Enten - Geflügelhändler -
Gebraten Kramatsvoͤgel Krammetsvögel - - -
Allerley klein Voͤgel kleine Vögel - - -
Gesotten klein Voͤgel kleine Vögel - - -
Gesotten Kramatsvoͤgel Krammetsvögel - - -
Knorren von Kalbfleisch Knorren vom Kalbfleisch - Metzger -
Gesotten Castraun oder Hammelfleisch Kastraun- oder Hammelfleisch - Metzger -
Gebraten Castraun oder Hammelfleisch Kastraun- oder Hammelfleisch - Metzger -
Kuttelfleck Kuttelfleck - Metzger (auf Bestellung) -
Suͤltzen Sülzen - Metzger (auf Bestellung) -
Gelb Ruben Gelbe Rüben - Supermarkt -
Spenat Spinat - Supermarkt -
Weisse Stickelruben Weiße Stickelrüben - Wochenmarkt -
Gebraten Hasen Hasen - Wildhändler -
Weisse Wasserruben Weiße Wasserrüben - Wochenmarkt -
Gebratene Aurhanen Auerhähne - - -
Gebraten Jndianischer Han Indianischer Hahn - Geflügelhändler -
Gebraten Birckhan Birkhahn - - -
Birckhenn Birkhenne - - -
Gesotten Birckhan Birkhahn - - -
Gebraten Drappen Trappen - - -
Gesotten Drappen Trappen - - -
Gebraten junge Huͤner junge Hühner - Geflügelhändler -
Gesotten junge Huͤner junge Hühner - Geflügelhändler -
Braten von einem Hirsch Braten von einem Hirsch - Wildhändler -
Braten von einem Reh Braten von einem Reh - Wildhändler -
Schweine Braten Schweinebraten - Metzger -
Pettersilgen Wurtzel Petersilienwurzel - Supermarkt -
Allerley wolschmeckende Kraͤuter wohlschmeckende Kräuter - Supermarkt -
Knobloch Knoblauch - Supermarkt -
Origanum Kraut Origanum - Supermarkt -
Gerieben Parmesankaͤß Parmesankäse - Supermarkt -
Gerieben Ruckenbrot Roggenbrot - Bäcker -
Geraͤuchert Schweinen Fleisch Geräuchertes Schweinefleisch - Metzger -
Weiß Kopffel Kraut Weißes Kopfkraut - Supermarkt -
Weiß Kopffel Salat Weißer Kopfsalat - Supermarkt -
Hirschen Ohren Hirschohren - Wildhändler (auf Anfrage) -
Laͤmmernfuͤß Lämmerfüße - Metzger (auf Bestellung) -
Castraun oder Hammelsfuͤß Kastraun- oder Hammelfüße - Metzger (auf Bestellung) -
Kaͤlbernfuͤß die geraͤuchert Kalbsfüße - Metzger (auf Bestellung) -
Ochsenfuͤß Ochsenfüße - Metzger (auf Bestellung) -
Geselcht Lambfleisch Geselchtes Lammfleisch - Metzger (auf Bestellung) -
Gesotten Lambfleisch Lammfleisch - Metzger -
Geraͤuchert Geißfleisch Geräuchertes Ziegenfleisch - Metzger (auf Bestellung) -
Gesotten Geißfleisch Ziegenfleisch - Metzger (auf Bestellung) -
Gantzen Pfeffer ganzer Pfeffer - Supermarkt -
Muscatenbluͤt Muskatblüte - Gewürzhandel -
Gestossen Pfeffer gestoßener Pfeffer - Supermarkt -
Jngwer Ingwer - Supermarkt -
Saffran Safran - Gewürzhandel -
Rindern Lungenbraten Lungenbraten vom Rind - Metzger -
Gebraten Braten von Gemßen Braten von Gämsen - Wildhändler -
Braten von einem Steinbock Braten von einem Steinbock - - -
Gebraten Murmentel Murmeltiere - - -
Gesotten Murmentel Murmeltiere - - -
Gebratene Duckenten Duckenten - - -
Gesotten Schnepffen Schnepfen - - -
Gebraten Schnepffen Schnepfen - - -
Gesotten Spenfaͤrckel Spanferkel - Metzger (auf Bestellung) -
Gebraten Spenfaͤrckel Spanferkel - Metzger (auf Bestellung) -
Gebraten Kuͤniglein Kaninchen - Metzger, Wildhändler -
Geraͤuchert Ochsenzungen Geräucherte Ochsenzungen - Metzger (auf Bestellung) -
KuͤhEuter Kuheuter - Metzger (auf Anfrage) -
Schweinenfuͤß vñ Ohren Schweinefüße und -ohren - Metzger (auf Bestellung) -
Gruͤn Koͤl Grüner Kohl - Wochenmarkt -
Pastenackwurtzel Pastinakenwurzel - Supermarkt -
KoͤlRuben Kohlrüben - Wochenmarkt -
Pertrumkraut Bertramkraut - - -
Rindtfleisch/ Heñen vnd Kappaunenbruͤh Rindfleisch-, Hennen- und Kapaunenbrühe - - -
eyngebrennt Mehl eingebranntes Mehl - - -
(erschlossen) gesalzen - - -

Welches Gericht ist das? Eine Zusammenstellung, kein Schmorgericht. Rumpolt zählt neunzig Posten auf, jeder für sich vorbereitet: Rind und Schwein ganz gar gekocht und kalt gestellt, Geflügel und Wild halb gebraten oder halb gekocht, Würste gebraten oder gekocht, Gemüse nur überbrüht. Erst im Kessel kommt alles zusammen und wird kurz miteinander erhitzt.

Die Brühen. Die Brühe vom Rindfleisch wird sauber zugedeckt aufgehoben, ebenso die vom halb gekochten Kapaun; dazu kommt Hennenbrühe. Diese Mischung, mild gesalzen, wird am Ende durch ein Haartuch über die eingerichteten Stücke geseiht. Eine Menge nennt Rumpolt nicht.

Die vorbereiteten Posten. Kuttelfleck und Sülzen (beides Kutteln) werden gar gekocht, zerschnitten und am Spieß gebraten. Das Kuheuter wird gekocht, breit geschnitten und auf dem Rost gebräunt. Hattele und Zirwonada sind Rumpolts eigene Zubereitungen, die er an anderer Stelle beschreibt: das Hattele als geklopfte, mit Rinderfett und Kräutern bestrichene, gewickelte Fleischscheiben am Spieß, die Zirwonada als Wurst aus Rind- und Schweinefleisch. Die geräucherten Posten (Rindfleisch, Kalbfleisch, Hennen, Lamm, Ziege, Kalbsfüße, Ochsenzungen) sind fertige Rauchware; ein Räucherschritt gehört nicht zu diesem Rezept.

Einrichten im Kessel. Ein breiter, überzinnter Fischkessel. Die Stücke werden einzeln und verteilt eingelegt, Gebratenes und Gekochtes gemischt; dazwischen kommt eine Streu aus gehackten grünen Kräutern, geriebenem Roggenbrot, Parmesan, klein geschnittenem Knoblauch und den Gewürzen (ganzer und gestoßener Pfeffer, Muskatblüte, Ingwer, Safran), damit „nicht alles vber ein hauffen kompt“. In der Praxis legt man im breiten Kessel am einfachsten Lage um Lage, die Fleischsorten gemischt.

Brühe und Einbrenne. Rumpolt gibt „ein eyngebrennt Mehl darein“, ohne zu sagen, wie. Praktisch rührt man die Einbrenne mit etwas heißer Brühe glatt und gießt sie mit der übrigen Brühe über die Stücke, sonst klumpt sie. Eine Farbe nennt der Text nicht, die Einbrenne bleibt also hell.

Erhitzen. Auf Kohlen, nicht über offenem Feuer, damit nichts anbrennt, und nur so lange, dass nichts zerkocht: Die Stücke sollen sich noch einzeln auf eine Schüssel legen lassen.

Praxis. Rumpolt nennt keine Mengen, keine Brühemenge und keine Zeit, nur zwei bis drei Tage Vorlauf für das Vorbereiten. Wer das Gericht im Kleinen nachkocht, wählt aus den Posten aus, wie Rumpolt es für „nur auff ein Tisch“ selbst vorsieht, und hält sich an seine Ordnung: Fleisch gar, Geflügel halb gar, Gemüse überbrüht, alles im Kessel zusammen fertig. Als moderne Praxis gilt: Halb gegartes Geflügel muss im Kessel vollständig durchgaren, sonst gart man es vorher ganz.

Was ist eine Hollopotrida?

Bei Rumpolt ein Sammelgericht aus neunzig Posten: Rind, Schwein, Kalb, Hammel, Lamm, Ziege, Geflügel, Wild, Würste, Gemüse, Kräuter und Gewürze. Jeder Posten wird für sich gekocht, gebraten oder überbrüht, oft nur halb gar. Dann richtet man alles in einem breiten Fischkessel ein, streut Kräuter, geriebenes Brot, Parmesan, Knoblauch und Gewürze dazwischen, gießt Brühe darüber, bindet sie mit einer Einbrenne und erhitzt das Ganze auf Kohlen, ohne es lange sieden zu lassen. Angerichtet wird jedes Stück für sich auf einer Schüssel. Den Namen erklärt Rumpolt selbst: „daß vielerley zusammen kompt“; er entspricht der spanischen olla podrida.

Warum ist so vieles nur halb gar?

Weil es im Kessel fertig gart. Rumpolt sagt, man könne die Speise „nicht lang sieden/ weil sie vorhin fast gar ist“. Geflügel und Wild kommen deshalb halb gebraten oder halb gekocht hinein, Rind und Schwein ganz gar, das Gemüse nur überbrüht.

Muss man alle neunzig Posten haben?

Das sagt Rumpolt nicht. Er schreibt nur, man könne die Speise für zehn oder zwölf Tische oder auch nur für einen Tisch zurichten, und dass ein Koch zwei oder drei Tage vorher anfangen muss, um alles zusammenzubringen.

Was bedeuten „Hattele“ und „Zirwonada“?

Beide Wörter sind in den Wörterbüchern nicht belegt, Rumpolt erklärt aber die Sachen selbst. Hattele ist bei ihm eine Speise aus dünn geklopften Fleischscheiben, mit Rinderfett und Kräutern bestrichen, aufgewickelt und am Spieß gebraten. Zirwonada (auch Zurwonada) ist seine welsche Wurst aus Rind- und Schweinefleisch; hier wird sie nur gekocht und kalt gestellt.

Was sind Duckenten?

Tauchenten. So erklären es Grimms Wörterbuch und mehrere Mundartwörterbücher (Schwäbisch, Pfälzisch, Rheinisch). Welche Art Rumpolt meint, sagt der Text nicht.

Was ist „eingebranntes Mehl“?

Eine Einbrenne: Mehl, in Fett angeschwitzt, das die Brühe bindet. Rumpolt nennt weder Fett noch Farbe, nur dass die Brühe damit auf Kohlen kommt.

Ist das Gericht etwas für die Lagerküche?

Nein. Zum Gericht gehören Innereien und Schlachtteile wie Kuheuter, Kutteln, Hirschohren und Füße sowie Tiere, die heute nicht zu beschaffen sind, darunter Auerhahn und Trappe. Dazu kommen zwei bis drei Tage Vorlauf und ein breiter Kessel auf Kohlenglut.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

Hollopotrida zu machen, mit aller Zugehoͤrung. 1. RJndtfleisch in einer Bruͤh abgesotten, biß gar ist, doch dz nit versotten, auß der Bruͤh außgezogen, vñ kalt lassen werden, vnd die Bruͤh auffgehaben, vnd sauber zugedeckt. 2. Schweinenfleisch zugericht in einem Wasser, vñ gar an die statt gesotten, zeuchs auß der Bruͤh, vnd laß kalt werden. 3. Ruckgradt vom Schwein, wol gesotten auß der Bruͤh gezogen, vñ kalt lassen werden. 4. Den Schwantz vom Schwein gesotten, vnd kalt lassen werden. 5. Schweinen Ohren gar gesotten. 6. Die Wuͤrst auch gebraten. 7. Seudt die Leberwuͤrst, vnd schaw, daß du sie nicht verseudest, zeuch sie auff ein Bret, vnd laß sie kalt werden. 8. Zirwonada auff Welsch gemacht, gesotten, vnd kalt lassen werden. 9. Gebraten Kappaunen. 10. Gesotten Kappaunen, der nur halb gesotten, heb die Bruͤh darvon auff, denn man braucht sie mit der Rindtfleischbruͤh. 11. Gebraten Rephuͤnner oder Feldthuͤnner. 12. Gesotten Rephuͤnner, die halb gar seindt. 13. Haselhuͤnner nicht gar an die statt gebraten. 14. Gesotten Haselhuͤnner, die halb gar seindt. 15. Fasan der halb gebraten. 16. Fasan der halb gesotten. 17. Hattele vom Kalbfleisch, halb gebraten. 18. Hattele vom Rindtfleisch gar gebraten. 19. Kaͤlbernwuͤrst halb gebraten. 20. Geraͤuchert Rindtfleisch, das nicht gar versotten. 21. Geraͤuchert Kalbfleisch, das man nicht starck leßt auffsieden, vnnd kalt leßt werden. 22. Geraͤucherte Hennen, die nicht gar gesotten sind. 23. Gaͤnß die nicht gar gebraten. 24. Enten die halb gebraten. 25. Gesotten Enten. 26. Gebraten Kramatsvoͤgel, die nicht verbraten. 27. Allerley klein Voͤgel gebraten. 28. Gesotten klein Voͤgel. 29. Gesotten Kramatsvoͤgel. 30. Knorren von Kalbfleisch, die nicht versotten. 31. Gesotten Castraun oder Hammelfleisch. 32. Gebraten Castraun oder Hammelfleisch, das gar ist. 33. Kuttelfleck oder Suͤltzen, die gar gesotten seyn, daß man sie zerschneidt, an ein Spieß steckt, vnd braͤt, sonderlich wenn sie sauber vnd zugericht seyn, daß sie nicht nach der Herberg schmecken. 34. Gelb Ruben fein grob geschnitten, vnnd in gesottenem Wasser gequellt, vnd kalt lassen werden. 35. Spenat geklaubt, ein wenig gequellt, vnnd auß dem Wasser außgedruckt. 36. Weisse Stickelruben sauber geschelet, gequellt vnd außgekuͤlt. 37. Gebraten Hasen, die nicht gar seindt. 38. Weisse Wasserruben grob geschnitten, vnd in Wasser gequellt. 39. Gebratene Aurhanen, die nicht gar gebraten. 40. Gebraten Jndianischer Han, der auch nicht gar gebraten ist. 41. Gebraten Birckhan, oder Birckhenn. 42. Gesotten Birckhan. 43. Gebraten Drappen. 44. Gesotten Drappen. 45. Gebraten junge Huͤner, die im Safft gebraten. 46. Gesotten junge Huͤner. 47. Braten von einem Hirsch, nicht verbraten. 48. Braten von einem Reh, im Safft gebraten. 49. Schweine Braten, die nicht verbraten. 50. Pettersilgen Wurtzel geschabt, gequellt, vñ voneinander geschnitẽ. 51. Allerley wolschmeckende Kraͤuter gehackt, vnd darvnter gethan. 52. Auch ein wenig Knobloch. 53. Origanum Kraut. 54. Gerieben Parmesankaͤß. 55. Gerieben Ruckenbrot. 56. Geraͤuchert Schweinen Fleisch, das nicht versotten. 57. Weiß Kopffel Kraut, das gequellt ist. 58. Weiß Kopffel Salat auch gequellt. 59. Hirschen Ohren, die außgesaͤubert, vnd an die statt gesotten seyn. 60. Laͤmmernfuͤß auch nicht gar gesotten. 61. Castraun oder Hammelsfuͤß, die nicht gar seyn. 62. Kaͤlbernfuͤß die geraͤuchert, vnd nicht versotten. 63. Ochsenfuͤß die nicht versotten. 64. Geselcht Lambfleisch, das nicht versotten. 65. Gesotten Lambfleisch, das nicht gar ist. 66. Geraͤuchert Geißfleisch. 67. Gesotten Geißfleisch. 68. Gantzen Pfeffer. 69. Muscatenbluͤt. 70. Gestossen Pfeffer. 71. Jngwer. 72. Saffran, vnter das geriebene Brot vnd Parmesankaͤß gemengt, zwischen die Speiß gestraͤwt. 73. Rindern Lungenbraten. 74. Gebraten Braten von Gemßen. 75. Braten von einem Steinbock. 76. Gebraten Murmentel. 77. Gesotten Murmentel. 78. Gebratene Duckenten. 79. Gesotten Schnepffen. 80. Gebraten Schnepffen. 81. Gesotten Spenfaͤrckel. 82. Gebraten Spenfaͤrckel. 83. Gebraten Kuͤniglein. 84. Geraͤuchert Ochsenzungen. 85. KuͤhEuter, wenns gesottẽ ist, so schneidt mans fein breit, legts auff ein Roßt, vnd breunt es sauber ab. 86. Schweinenfuͤß vñ Ohren, es sey võ zamen oder wildẽ Schweinẽ. 87. Gruͤn Koͤl der vberquellt ist. 88. Pastenackwurtzel geschabt vnd gequellt. 89. KoͤlRuben grob geschnitten, vnd gequellt. 90. Pertrumkraut. Nim̃ ein breiten vberzindten Fischkessel, vnnd richt das Kraͤuterwerck vnd Fleischwerck, es sey gebratẽ oder gesotten, wie zuvor beschrieben ist, fein eyn nacheinander, zettelweiß, daß man gebratens vnd gesottens durcheinander mengt, gruͤne Kraͤuter, die klein gehackt seyn, gerieben Brot, vñ Parmesankeß, den Knobloch, der klein geschnitten ist, vnnd das Gewuͤrtz, so jetzt bemelt durcheinander gemengt, daß nicht alles vber ein hauffen kompt. Vnd wenns eyngericht ist, so nim̃ die Rindtfleisch, Heñen vnd Kappaunenbruͤh, die fein lindt gesaltzen, seig sie daruͤber durch ein Haͤrin Tuch. Nim̃ auch ein eyngebrennt Mehl darein, setz es auff Kolen, doch auff kein brennendt Feuwer, daß es nicht anbrennt, vnnd schaw, daß du es nicht versieden leßt, daß du ein jeglich stuͤck auff ein Schuͤssel besonder kanst anrichten. Denn solche Speiß kan man nicht lang sieden, weil sie vorhin fast gar ist. Vnd ein solche Speiß kanstu auff zehen oder zwoͤlff Tisch zurichten, oder wol nur auff ein Tisch. Vnnd muß sich ein Koch flugs tummeln, daß er diesen Zeug allen zusammen bringt. Wer es auch wil zurichten, der muß es zween oder drey Tage zuvor anfahen, daß er alles zusammen bringt, vnnd sauber zuricht, das wolgeschmack, vnd nicht versaltzen wirt. Darumb nennet man es Hollopotrida, daß vielerley zusammen kompt, vnd ist gut fuͤr Koͤnig vnd Keyser, fuͤr Fuͤrsten vnd Herrn zu geben.
Hollopotrida

Rumpolt erklärt den Namen selbst: „Darumb nennet man es Hollopotrida/ daß vielerley zusammen kompt“. Das Wort entspricht dem spanischen olla podrida. Bei Rumpolt ist es kein langes Schmorgericht: Jeder Posten wird für sich vorgegart, im Kessel nur zusammengebracht, mit Brühe übergossen und kurz auf Kohlen erhitzt, denn die Speise „kan man nicht lang sieden“.

an die statt gesotten

Gar gekocht. Rumpolt unterscheidet in der Liste genau zwischen „gar“, „halb gar“ und „nicht gar“: Was nur halb gar ist, gart im Kessel fertig.

versotten

Zerkocht. „Nicht versotten“ heißt: gar, aber nicht zerfallen.

Zirwonada

Rumpolts welsche Wurst aus Rind- und Schweinefleisch, im Buch auch Zurwonada und Ziewonada geschrieben; das Rezept dafür steht beim Ochsen (dort wird sie geräuchert). Hier wird sie nur gekocht und kalt gestellt, ist also eine fertige Zutat. In den Wörterbüchern ist das Wort nicht belegt, die Bedeutung des Namens bleibt offen.

Kappaunen

Kapaune, kastrierte Masthähne.

Feldthuͤnner

Feldhühner. Rumpolt schreibt „Rephuͤnner oder Feldthuͤnner“ und stellt beide Namen damit nebeneinander.

Hattele

Rumpolts Name für eine Speise, kein Fleischstück. In den geprüften Wörterbüchern ist das Wort nicht belegt, die Bedeutung ist offen. Beim Kalb beschreibt Rumpolt die Zubereitung selbst: dünne, mit dem Messerrücken geklopfte Fleischscheiben, mit Rinderfett und Kräutern bestrichen, aufgewickelt und am Spieß gebraten. Auch Rontziers Kochbuch von 1598 führt in seiner Mischplatte ein „Hattelet von Rinderfleiſch“.

Kramatsvoͤgel

Krammetsvögel, die Wacholderdrossel (FWB kranwitvogel).

Castraun

Kastraun ist das bairisch-österreichische Wort für den Hammel, den kastrierten Schafbock. „Castraun oder Hammelfleisch“ nennt also dasselbe Fleisch zweimal.

Suͤltzen

Bei Rumpolt Kutteln, der gereinigte Magen, nicht Sülze oder Aspik. Sie werden hier wie der Kuttelfleck gar gekocht, zerschnitten und am Spieß gebraten.

nach der Herberg schmecken

Wörtlich „nach der Herberge schmecken“, wohl: nach schlechter Wirtshausküche. Rumpolt setzt dagegen „sauber vnd zugericht“: Gut geputzte Kutteln haben diesen Beigeschmack nicht.

gequellt

Überbrüht, kurz in kochendem Wasser vorgegart. Das Gemüse wird nicht fertig gekocht, es gart im Kessel nach.

Spenat geklaubt

„Klauben“ heißt auslesen, verlesen: Der Spinat wird von schlechten Blättern und Stielen befreit.

Stickelruben

Eine kleine, längliche Speiserübe. Grimms Wörterbuch (s. v. steckrübe) nennt die Steckrübe der Zeit wegen ihrer langgestreckten Form eine „lange rübe“, „stickelrübe“ ist bei Stieler eine Nebenform davon. Nach Campe heißen die Teltower Rübchen „Steckelrübe“. Welche Sorte Rumpolt genau meint, lässt sich nicht bestimmen; die große runde Kohlrübe, die heute Steckrübe heißt, ist es nicht.

Aurhanen, Birckhan, Drappen

Auerhahn und Birkhahn sind Waldhühner, die Trappe ist ein großer Bodenvogel. Auer- und Birkhuhn sind heute nach der Bundesartenschutzverordnung besonders und streng geschützt, die Großtrappe steht in Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie.

Jndianischer Han

Die Pute. „Indianisch“ heißt hier „aus Übersee“; Rumpolt widmet der „Jndianischen Henn“ ein eigenes Kapitel. Gemeint ist hier der Hahn, also ein Putenhahn.

Origanum Kraut

Origanum, der Dost, heute als Oregano im Handel.

Ruckenbrot

Roggenbrot. „Rucken“ ist eine oberdeutsche Form von Roggen (Lexer).

Weiß Kopffel Kraut / Weiß Kopffel Salat

„Kopffel“ gehört zu „Kopf“: weißes Kopfkraut, also Weißkohl, und weißer Kopfsalat. Rumpolt nennt beide als eigene Posten, es sind also zwei verschiedene Gewächse; auch in Rumpolts Salatkapitel steht „Kopffel Salat“ für den Kopfsalat. Das Wort selbst ist in den Wörterbüchern nicht in dieser Bedeutung belegt.

Geselcht

Geräuchert. „Selchen“ ist das bairisch-österreichische Wort für räuchern.

Rindern Lungenbraten

Kein Lungenfleisch, sondern das Filet (die innere Lende) vom Rind. Der Name kommt über mittelhochdeutsch lumbel von lateinisch lumbus „Lende“ (Grimms Wörterbuch s. v. lummel); in Österreich heißt das Rinderfilet bis heute Lungenbraten.

Duckenten

Tauchenten. Grimms Wörterbuch und das Schwäbische Wörterbuch führen duckente als „Tauchente“, das Pfälzische und das Rheinische Wörterbuch ebenso, das Rheinische auch allgemein als „kleine wilde Ente“. Welche Art Rumpolt meint, sagt der Text nicht.

Kuͤniglein

Kaninchen. Das Wort sieht aus wie „Königlein“, kommt aber von lateinisch cuniculus.

breunt es sauber ab

Auf dem Rost bräunen, nicht abbrennen: Das gekochte Euter bekommt auf dem Rost Farbe.

Gruͤn Koͤl

Grüner Kohl, also ein grüner Blattkohl. Welche Sorte Rumpolt meint, bleibt offen; Grünkohl liegt nahe, ist aber nicht gesichert.

KoͤlRuben

Kohlrüben. Ob die Rübe des Kohls (Kohlrübe) oder der Kohlrabi gemeint ist, sagt der Text nicht.

Pertrumkraut

Bertram, hier ausdrücklich als Kraut. Welche Pflanze gemeint ist, bleibt offen: Der Name galt für verschiedene Pflanzen, darunter die Bertram-Schafgarbe. Rumpolt führt Bertram mehrfach als grünes Kraut.

vberzindten Fischkessel

Ein breiter Fischkessel, innen mit Zinn überzogen. Die Breite erlaubt, die vielen Stücke nebeneinander einzurichten.

zettelweiß

Grimms Wörterbuch erklärt zettelweise als „einzeln, vereinzelt“ (nach Schmeller). Rumpolt meint: die Stücke einzeln verteilt einlegen, Gebratenes und Gekochtes gemischt, „daß nicht alles vber ein hauffen kompt“.

Haͤrin Tuch

Ein feines Seihtuch. Rumpolt schreibt „Haͤrin Tuch“, ein Tuch aus Haar; Grimms Wörterbuch beschreibt das Haartuch als „gewebe aus haaren oder feinem wollenstoff … zum durchseihen von flüssigkeiten“. Meist war es aus Pferdehaar gewebt. Heute tut es ein feines Passier- oder Mulltuch.

eyngebrennt Mehl

Eine Einbrenne, in Fett angeschwitztes Mehl, das die Brühe bindet. Fett und Farbe nennt der Text nicht.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Olla podrida (Hollopotrida)
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

RJndtfleischbeef Q192628
Schweinenfleischpork Q191768
Hattele vom Kalbfleischveal Q957434
Hattele vom Rindtfleischbeef Q192628
Geraͤuchert Rindtfleischbeef Q192628
Geraͤuchert Kalbfleischveal Q957434
Schweine Bratenpork Q191768
Knoblochgarlic Q21546392
Geraͤuchert Schweinen Fleischpork Q191768
Geselcht Lambfleischlamb meat Q643419
Gesotten Lambfleischlamb meat Q643419
Geraͤuchert Geißfleischmeat Q10990
Gesotten Geißfleischmeat Q10990
Muscatenbluͤtmace Q1882876
Gestossen Pfefferpepper Q3143131
Jngwerginger Q15046077
Saffransaffron Q25434
Rindtfleisch/ Heñen vnd Kappaunenbruͤhstock Q3075310
(erschlossen)table salt Q11254

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartZirwonada

Gewählte Lesart: Als Name der Wurst beibehalten. Rumpolt beschreibt die Wurst beim Ochsen selbst als welsche Wurst aus Rind- und Schweinefleisch (dort Zurwonada, an anderer Stelle Ziewonada); hier ist sie „auff Welsch gemacht/ gesotten“. Ein Wörterbuchbeleg für den Namen fehlt.

Andere mögliche Lesart:

  • Zervelatwurst (ital. cervellata) - Sachlich ähnlich (welsche Dauerwurst aus Rind und Schwein), lautlich aber nicht erklärt; nur Vermutung. Eine Hirnwurst ist durch Rumpolts eigenes Rezept nicht gedeckt.

LesartHattele

Gewählte Lesart: Druckform beibehalten, Bedeutung offen. Das Wort ist in den geprüften Wörterbüchern nicht belegt. Rumpolt beschreibt die Speise beim Kalb selbst (geklopfte Scheiben, mit Rinderfett und Kräutern bestrichen, aufgewickelt, am Spieß gebraten) und verwendet das Wort für Kalb, Rind, Wild und sogar Fisch, also eher für eine Zubereitungsart als für ein Fleischstück.

Andere mögliche Lesart:

  • Innereien (Bries, Herz) oder Pastete - Durch Rumpolts eigene Beschreibung widerlegt: Hattele ist geklopftes, gewickeltes Fleisch am Spieß, weder Innerei noch Pastete.

LesartDuckenten

Gewählte Lesart: Duckente = Tauchente: so Grimms Wörterbuch, das Schwäbische, das Pfälzische und das Rheinische Wörterbuch. Im Text steht die Druckform; die Art bleibt offen.

Andere mögliche Lesart:

  • Krickente - Kein Wörterbuch stützt diese Gleichsetzung; verworfen.

LesartSuͤltzen

Gewählte Lesart: Kutteln, wie überall bei Rumpolt. Der Text behandelt sie genau wie den Kuttelfleck: gar kochen, zerschneiden, am Spieß braten.

Andere mögliche Lesart:

  • Sülze, Aspik oder Sülzfleisch - Passt nicht zum Spießbraten und nicht zu Rumpolts Gebrauch des Wortes; verworfen.

LesartJndianischer Han

Gewählte Lesart: Putenhahn. Die „Jndianische Henn“ ist bei Rumpolt die Pute; „Han“ bezeichnet das männliche Tier.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein anderes Geflügel aus Übersee - Rumpolts eigenes Kapitel zur Jndianischen Henne zeigt, dass er die Pute meint; verworfen.

LesartRindern Lungenbraten

Gewählte Lesart: Rinderfilet. FWB verweist „lungenbrate“ auf „lumbel“ (Lende); Rumpolt verwendet den Lungenbraten auch beim Ochsen so, die Lunge heißt bei ihm „Lungenmuß“.

Andere mögliche Lesart:

  • Rinderlunge - Von Wörterbuch und Buchgebrauch nicht gestützt; verworfen.

LesartWeiß Kopffel Kraut / Weiß Kopffel Salat

Gewählte Lesart: Weißes Kopfkraut (Weißkohl) und weißer Kopfsalat: „Kopffel“ als Verkleinerung von „Kopf“, also Gewächse mit festem Kopf. Rumpolts Salatkapitel gebraucht „Kopffel Salat“ ebenfalls für den Kopfsalat. In den Wörterbüchern ist „Kopffel“ in dieser Bedeutung nicht belegt.

Andere mögliche Lesart:

  • Beide Posten Weißkohl (Kohl und Kohlsalat) - Dann wäre der zweite Posten eine Doppelung des ersten; Rumpolt führt Kraut und Salat aber als zwei Posten.

LesartGruͤn Koͤl

Gewählte Lesart: Grüner Kohl, ein grüner Blattkohl; die Sorte nennt Rumpolt nicht. So auch in seinen anderen Rezepten mit „grünem Köl“.

Andere mögliche Lesarten:

  • Grünkohl - Liegt nahe, ist aber nicht gesichert; als Praxiswahl brauchbar.
  • Wirsing - Auch ein grüner Kohl der Zeit; vom Text weder gestützt noch ausgeschlossen.

LesartKoͤlRuben

Gewählte Lesart: Kohlrüben, grob geschnitten und überbrüht, wie die anderen Rübenposten.

Andere mögliche Lesart:

  • Kohlrabi - Ebenfalls eine Rübe des Kohls; der Text unterscheidet nicht.

LesartStickelruben

Gewählte Lesart: Eine kleine, längliche Speiserübe (Grimm s. v. steckrübe, Stieler „stickelrübe“; nach Campe auch die Teltower Rübchen). Sorte offen.

Andere mögliche Lesart:

  • Die runde Steckrübe (Kohlrübe) von heute - Grimm führt diese Bedeutung nur am Rand; die Kohlrüben stehen in der Liste außerdem als eigener Posten.

Lesartzettelweiß

Gewählte Lesart: Einzeln, vereinzelt (Grimm s. v. zettelweise, nach Schmeller): Die Stücke werden verstreut nacheinander eingelegt, Gebratenes und Gekochtes gemischt, „daß nicht alles vber ein hauffen kompt“.

Andere mögliche Lesart:

  • Lagenweise, in Schichten - Praktisch naheliegend im breiten Kessel, aber kein Wörterbuch stützt „Lage“ als Bedeutung; der Satz betont das Mischen, nicht das Schichten.

LesartNim̃ auch ein eyngebrennt Mehl darein

Gewählte Lesart: Die Einbrenne kommt in die Brühe: Der Satz schließt an die durchgeseihte Brühe an, und „darein“ meint wohl die Flüssigkeit im Kessel. Eine Farbe nennt Rumpolt nicht.

Andere mögliche Lesarten:

  • Einbrenne für sich mit etwas Brühe glattrühren und dann über die Stücke gießen - Heutige Praxis, damit keine Klumpen entstehen; im Text nicht gesagt.
  • Einbrenne direkt zwischen die Stücke in den Kessel geben - Wortlaut „darein“ lässt es zu, bindet aber ungleichmäßig.

Lesartbreunt es sauber ab

Gewählte Lesart: Auf dem Rost bräunen. Rumpolt gebraucht „abbreunen auff dem Roßt“ auch sonst für das Anbräunen gekochter Stücke.

Andere mögliche Lesart:

  • Absengen, abflämmen - „Brennen“ könnte auch Sengen meinen; beim gekochten, breit geschnittenen Euter ergibt das Bräunen mehr Sinn.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXXXVIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1280
LagerkücheLagerküche
Nein: Zum Gericht gehören Innereien und Schlachtteile (Kuheuter, Kutteln, Hirschohren, Schweine-, Hammel-, Kalbs- und Ochsenfüße) und Tiere, die heute nicht zu beschaffen sind, darunter Auerhahn und Trappe. Dazu verlangt Rumpolt zwei bis drei Tage Vorlauf und einen breiten, überzinnten Fischkessel auf Kohlenglut.
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Stand dieser Fassung: 15.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.