Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Rindfleisch, in einer Brühe abgekocht, bis es gar ist, doch nicht zerkocht, aus der Brühe gezogen und kalt werden lassen; die Brühe aufgehoben und sauber zugedeckt.
Schweinefleisch, in Wasser zugerichtet und ganz gar gekocht. Zieh es aus der Brühe und lass es kalt werden.
Rückgrat vom Schwein, gut gekocht, aus der Brühe gezogen und kalt werden lassen.
Den Schwanz vom Schwein gekocht und kalt werden lassen.
Schweineohren, gar gekocht.
Die Würste, ebenfalls gebraten.
Koche die Leberwürste und sieh zu, dass du sie nicht zerkochst. Zieh sie auf ein Brett und lass sie kalt werden.
Zirwonada, auf welsche Art gemacht, gekocht und kalt werden lassen.
Gebratene Kapaune.
Gekochter Kapaun, der nur halb gekocht ist. Heb die Brühe davon auf, denn man braucht sie mit der Rindfleischbrühe.
Gebratene Rebhühner oder Feldhühner.
Gekochte Rebhühner, die halb gar sind.
Haselhühner, nicht ganz gar gebraten.
Gekochte Haselhühner, die halb gar sind.
Fasan, halb gebraten.
Fasan, halb gekocht.
Hattele vom Kalbfleisch, halb gebraten.
Hattele vom Rindfleisch, gar gebraten.
Kalbswürste, halb gebraten.
Geräuchertes Rindfleisch, das nicht ganz zerkocht ist.
Geräuchertes Kalbfleisch, das man nicht stark aufsieden und kalt werden lässt.
Geräucherte Hennen, die nicht ganz gar gekocht sind.
Gänse, die nicht ganz gar gebraten sind.
Enten, die halb gebraten sind.
Gekochte Enten.
Gebratene Krammetsvögel, die nicht verbraten sind.
Allerlei kleine Vögel, gebraten.
Gekochte kleine Vögel.
Gekochte Krammetsvögel.
Knorren vom Kalbfleisch, die nicht zerkocht sind.
Gekochtes Kastraun- oder Hammelfleisch.
Gebratenes Kastraun- oder Hammelfleisch, das gar ist.
Kuttelfleck oder Sülzen, die gar gekocht sind, sodass man sie zerschneidet, an einen Spieß steckt und brät, besonders wenn sie sauber und zugerichtet sind, damit sie nicht nach der Herberge schmecken.
Gelbe Rüben, fein grob geschnitten, in kochendem Wasser überbrüht und kalt werden lassen.
Spinat, verlesen, ein wenig überbrüht und aus dem Wasser ausgedrückt.
Weiße Stickelrüben, sauber geschält, überbrüht und ausgekühlt.
Gebratene Hasen, die nicht ganz gar sind.
Weiße Wasserrüben, grob geschnitten und in Wasser überbrüht.
Gebratene Auerhähne, die nicht ganz gar gebraten sind.
Gebratener Putenhahn, der auch nicht ganz gar gebraten ist.
Gebratener Birkhahn oder gebratene Birkhenne.
Gekochter Birkhahn.
Gebratene Trappen.
Gekochte Trappen.
Gebratene junge Hühner, die im Saft gebraten sind.
Gekochte junge Hühner.
Braten von einem Hirsch, nicht verbraten.
Braten von einem Reh, im Saft gebraten.
Schweinebraten, die nicht verbraten sind.
Petersilienwurzel, geschabt, überbrüht und zerschnitten.
Allerlei wohlschmeckende Kräuter, gehackt und daruntergetan.
Auch ein wenig Knoblauch.
Oreganokraut.
Geriebener Parmesankäse.
Geriebenes Roggenbrot.
Geräuchertes Schweinefleisch, das nicht zerkocht ist.
Weißes Kopfkraut, das überbrüht ist.
Weißer Kopfsalat, auch überbrüht.
Hirschohren, die ausgesäubert und gar gekocht sind.
Lämmerfüße, auch nicht ganz gar gekocht.
Kastraun- oder Hammelfüße, die nicht ganz gar sind.
Kalbsfüße, die geräuchert und nicht zerkocht sind.
Ochsenfüße, die nicht zerkocht sind.
Geräuchertes Lammfleisch, das nicht zerkocht ist.
Gekochtes Lammfleisch, das nicht ganz gar ist.
Geräuchertes Ziegenfleisch.
Gekochtes Ziegenfleisch.
Ganzer Pfeffer.
Muskatblüte.
Gestoßener Pfeffer.
Ingwer.
Safran, unter das geriebene Brot und den Parmesankäse gemengt und zwischen die Speisen gestreut.
Lungenbraten vom Rind.
Gebratener Braten von Gämsen.
Braten von einem Steinbock.
Gebratene Murmeltiere.
Gekochte Murmeltiere.
Gebratene Duckenten.
Gekochte Schnepfen.
Gebratene Schnepfen.
Gekochte Spanferkel.
Gebratene Spanferkel.
Gebratene Kaninchen.
Geräucherte Ochsenzungen.
Kuheuter: Wenn es gekocht ist, schneidet man es fein breit, legt es auf einen Rost und bräunt es sauber ab.
Schweinefüße und -ohren, sei es von zahmen oder von wilden Schweinen.
Grüner Kohl, der überbrüht ist.
Pastinakenwurzel, geschabt und überbrüht.
Kohlrüben, grob geschnitten und überbrüht.
Bertramkraut.
Nimm einen breiten, überzinnten Fischkessel und richte das Kräuterwerk und Fleischwerk, es sei gebraten oder gekocht, wie es zuvor beschrieben ist, fein nacheinander und vereinzelt ein, sodass man Gebratenes und Gekochtes durcheinander mengt; dazu grüne Kräuter, die klein gehackt sind, geriebenes Brot und Parmesankäse, den Knoblauch, der klein geschnitten ist, und die eben genannten Gewürze durcheinander gemengt, damit nicht alles auf einen Haufen kommt. Und wenn es eingerichtet ist, so nimm die Rindfleisch-, Hennen- und Kapaunenbrühe, die fein mild gesalzen ist, und seihe sie durch ein Haartuch darüber. Nimm auch ein eingebranntes Mehl hinein, setz es auf Kohlen, doch auf kein brennendes Feuer, damit es nicht anbrennt, und sieh zu, dass du es nicht zerkochen lässt, damit du jedes Stück für sich auf eine Schüssel anrichten kannst. Denn solche Speise kann man nicht lange sieden, weil sie vorher schon fast gar ist. Und eine solche Speise kannst du für zehn oder zwölf Tische zurichten oder auch nur für einen Tisch. Und ein Koch muss sich flink tummeln, damit er all diesen Zeug zusammenbringt. Wer es zurichten will, der muss zwei oder drei Tage vorher damit anfangen, damit er alles zusammenbringt und sauber zurichtet, sodass es wohlschmeckend und nicht versalzen wird. Darum nennt man es Hollopotrida, weil vielerlei zusammenkommt, und es ist gut für König und Kaiser, für Fürsten und Herren zu geben.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| RJndtfleisch | Rindfleisch | - | Metzger | - |
| Schweinenfleisch | Schweinefleisch | - | Metzger | - |
| Ruckgradt vom Schwein | Rückgrat vom Schwein | - | Metzger (auf Bestellung) | - |
| Schwantz vom Schwein | Schwanz vom Schwein | - | Metzger (auf Bestellung) | - |
| Schweinen Ohren | Schweineohren | - | Metzger (auf Bestellung) | - |
| Die Wuͤrst | Würste | - | Metzger | - |
| Leberwuͤrst | Leberwürste | - | Metzger | - |
| Zirwonada auff Welsch gemacht | Zirwonada | - | selbst herstellen (Rumpolts Zurwonada) | - |
| Gebraten Kappaunen | Kapaun | - | Geflügelhändler | - |
| Gesotten Kappaunen | Kapaun | - | Geflügelhändler | - |
| Gebraten Rephuͤnner | Rebhühner | - | Wildhändler | - |
| Feldthuͤnner | Feldhühner | - | Wildhändler | - |
| Gesotten Rephuͤnner | Rebhühner | - | Wildhändler | - |
| Haselhuͤnner nicht gar | Haselhühner | - | - | - |
| Gesotten Haselhuͤnner | Haselhühner | - | - | - |
| Fasan der halb gebraten | Fasan | - | Wildhändler | - |
| Fasan der halb gesotten | Fasan | - | Wildhändler | - |
| Hattele vom Kalbfleisch | Hattele vom Kalbfleisch | - | selbst zubereiten (Rumpolts Hattele vom Kalb) | - |
| Hattele vom Rindtfleisch | Hattele vom Rindfleisch | - | selbst zubereiten | - |
| Kaͤlbernwuͤrst | Kalbswürste | - | Metzger | - |
| Geraͤuchert Rindtfleisch | Geräuchertes Rindfleisch | - | Metzger | - |
| Geraͤuchert Kalbfleisch | Geräuchertes Kalbfleisch | - | Metzger (auf Bestellung) | - |
| Geraͤucherte Hennen | Geräucherte Hennen | - | Geflügelhändler (auf Bestellung) | - |
| Gaͤnß | Gänse | - | Geflügelhändler | - |
| Enten die halb gebraten | Enten | - | Geflügelhändler | - |
| Gesotten Enten | Enten | - | Geflügelhändler | - |
| Gebraten Kramatsvoͤgel | Krammetsvögel | - | - | - |
| Allerley klein Voͤgel | kleine Vögel | - | - | - |
| Gesotten klein Voͤgel | kleine Vögel | - | - | - |
| Gesotten Kramatsvoͤgel | Krammetsvögel | - | - | - |
| Knorren von Kalbfleisch | Knorren vom Kalbfleisch | - | Metzger | - |
| Gesotten Castraun oder Hammelfleisch | Kastraun- oder Hammelfleisch | - | Metzger | - |
| Gebraten Castraun oder Hammelfleisch | Kastraun- oder Hammelfleisch | - | Metzger | - |
| Kuttelfleck | Kuttelfleck | - | Metzger (auf Bestellung) | - |
| Suͤltzen | Sülzen | - | Metzger (auf Bestellung) | - |
| Gelb Ruben | Gelbe Rüben | - | Supermarkt | - |
| Spenat | Spinat | - | Supermarkt | - |
| Weisse Stickelruben | Weiße Stickelrüben | - | Wochenmarkt | - |
| Gebraten Hasen | Hasen | - | Wildhändler | - |
| Weisse Wasserruben | Weiße Wasserrüben | - | Wochenmarkt | - |
| Gebratene Aurhanen | Auerhähne | - | - | - |
| Gebraten Jndianischer Han | Indianischer Hahn | - | Geflügelhändler | - |
| Gebraten Birckhan | Birkhahn | - | - | - |
| Birckhenn | Birkhenne | - | - | - |
| Gesotten Birckhan | Birkhahn | - | - | - |
| Gebraten Drappen | Trappen | - | - | - |
| Gesotten Drappen | Trappen | - | - | - |
| Gebraten junge Huͤner | junge Hühner | - | Geflügelhändler | - |
| Gesotten junge Huͤner | junge Hühner | - | Geflügelhändler | - |
| Braten von einem Hirsch | Braten von einem Hirsch | - | Wildhändler | - |
| Braten von einem Reh | Braten von einem Reh | - | Wildhändler | - |
| Schweine Braten | Schweinebraten | - | Metzger | - |
| Pettersilgen Wurtzel | Petersilienwurzel | - | Supermarkt | - |
| Allerley wolschmeckende Kraͤuter | wohlschmeckende Kräuter | - | Supermarkt | - |
| Knobloch | Knoblauch | - | Supermarkt | - |
| Origanum Kraut | Origanum | - | Supermarkt | - |
| Gerieben Parmesankaͤß | Parmesankäse | - | Supermarkt | - |
| Gerieben Ruckenbrot | Roggenbrot | - | Bäcker | - |
| Geraͤuchert Schweinen Fleisch | Geräuchertes Schweinefleisch | - | Metzger | - |
| Weiß Kopffel Kraut | Weißes Kopfkraut | - | Supermarkt | - |
| Weiß Kopffel Salat | Weißer Kopfsalat | - | Supermarkt | - |
| Hirschen Ohren | Hirschohren | - | Wildhändler (auf Anfrage) | - |
| Laͤmmernfuͤß | Lämmerfüße | - | Metzger (auf Bestellung) | - |
| Castraun oder Hammelsfuͤß | Kastraun- oder Hammelfüße | - | Metzger (auf Bestellung) | - |
| Kaͤlbernfuͤß die geraͤuchert | Kalbsfüße | - | Metzger (auf Bestellung) | - |
| Ochsenfuͤß | Ochsenfüße | - | Metzger (auf Bestellung) | - |
| Geselcht Lambfleisch | Geselchtes Lammfleisch | - | Metzger (auf Bestellung) | - |
| Gesotten Lambfleisch | Lammfleisch | - | Metzger | - |
| Geraͤuchert Geißfleisch | Geräuchertes Ziegenfleisch | - | Metzger (auf Bestellung) | - |
| Gesotten Geißfleisch | Ziegenfleisch | - | Metzger (auf Bestellung) | - |
| Gantzen Pfeffer | ganzer Pfeffer | - | Supermarkt | - |
| Muscatenbluͤt | Muskatblüte | - | Gewürzhandel | - |
| Gestossen Pfeffer | gestoßener Pfeffer | - | Supermarkt | - |
| Jngwer | Ingwer | - | Supermarkt | - |
| Saffran | Safran | - | Gewürzhandel | - |
| Rindern Lungenbraten | Lungenbraten vom Rind | - | Metzger | - |
| Gebraten Braten von Gemßen | Braten von Gämsen | - | Wildhändler | - |
| Braten von einem Steinbock | Braten von einem Steinbock | - | - | - |
| Gebraten Murmentel | Murmeltiere | - | - | - |
| Gesotten Murmentel | Murmeltiere | - | - | - |
| Gebratene Duckenten | Duckenten | - | - | - |
| Gesotten Schnepffen | Schnepfen | - | - | - |
| Gebraten Schnepffen | Schnepfen | - | - | - |
| Gesotten Spenfaͤrckel | Spanferkel | - | Metzger (auf Bestellung) | - |
| Gebraten Spenfaͤrckel | Spanferkel | - | Metzger (auf Bestellung) | - |
| Gebraten Kuͤniglein | Kaninchen | - | Metzger, Wildhändler | - |
| Geraͤuchert Ochsenzungen | Geräucherte Ochsenzungen | - | Metzger (auf Bestellung) | - |
| KuͤhEuter | Kuheuter | - | Metzger (auf Anfrage) | - |
| Schweinenfuͤß vñ Ohren | Schweinefüße und -ohren | - | Metzger (auf Bestellung) | - |
| Gruͤn Koͤl | Grüner Kohl | - | Wochenmarkt | - |
| Pastenackwurtzel | Pastinakenwurzel | - | Supermarkt | - |
| KoͤlRuben | Kohlrüben | - | Wochenmarkt | - |
| Pertrumkraut | Bertramkraut | - | - | - |
| Rindtfleisch/ Heñen vnd Kappaunenbruͤh | Rindfleisch-, Hennen- und Kapaunenbrühe | - | - | - |
| eyngebrennt Mehl | eingebranntes Mehl | - | - | - |
| (erschlossen) | gesalzen | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Eine Zusammenstellung, kein Schmorgericht. Rumpolt zählt neunzig Posten auf, jeder für sich vorbereitet: Rind und Schwein ganz gar gekocht und kalt gestellt, Geflügel und Wild halb gebraten oder halb gekocht, Würste gebraten oder gekocht, Gemüse nur überbrüht. Erst im Kessel kommt alles zusammen und wird kurz miteinander erhitzt.
Die Brühen. Die Brühe vom Rindfleisch wird sauber zugedeckt aufgehoben, ebenso die vom halb gekochten Kapaun; dazu kommt Hennenbrühe. Diese Mischung, mild gesalzen, wird am Ende durch ein Haartuch über die eingerichteten Stücke geseiht. Eine Menge nennt Rumpolt nicht.
Die vorbereiteten Posten. Kuttelfleck und Sülzen (beides Kutteln) werden gar gekocht, zerschnitten und am Spieß gebraten. Das Kuheuter wird gekocht, breit geschnitten und auf dem Rost gebräunt. Hattele und Zirwonada sind Rumpolts eigene Zubereitungen, die er an anderer Stelle beschreibt: das Hattele als geklopfte, mit Rinderfett und Kräutern bestrichene, gewickelte Fleischscheiben am Spieß, die Zirwonada als Wurst aus Rind- und Schweinefleisch. Die geräucherten Posten (Rindfleisch, Kalbfleisch, Hennen, Lamm, Ziege, Kalbsfüße, Ochsenzungen) sind fertige Rauchware; ein Räucherschritt gehört nicht zu diesem Rezept.
Einrichten im Kessel. Ein breiter, überzinnter Fischkessel. Die Stücke werden einzeln und verteilt eingelegt, Gebratenes und Gekochtes gemischt; dazwischen kommt eine Streu aus gehackten grünen Kräutern, geriebenem Roggenbrot, Parmesan, klein geschnittenem Knoblauch und den Gewürzen (ganzer und gestoßener Pfeffer, Muskatblüte, Ingwer, Safran), damit „nicht alles vber ein hauffen kompt“. In der Praxis legt man im breiten Kessel am einfachsten Lage um Lage, die Fleischsorten gemischt.
Brühe und Einbrenne. Rumpolt gibt „ein eyngebrennt Mehl darein“, ohne zu sagen, wie. Praktisch rührt man die Einbrenne mit etwas heißer Brühe glatt und gießt sie mit der übrigen Brühe über die Stücke, sonst klumpt sie. Eine Farbe nennt der Text nicht, die Einbrenne bleibt also hell.
Erhitzen. Auf Kohlen, nicht über offenem Feuer, damit nichts anbrennt, und nur so lange, dass nichts zerkocht: Die Stücke sollen sich noch einzeln auf eine Schüssel legen lassen.
Praxis. Rumpolt nennt keine Mengen, keine Brühemenge und keine Zeit, nur zwei bis drei Tage Vorlauf für das Vorbereiten. Wer das Gericht im Kleinen nachkocht, wählt aus den Posten aus, wie Rumpolt es für „nur auff ein Tisch“ selbst vorsieht, und hält sich an seine Ordnung: Fleisch gar, Geflügel halb gar, Gemüse überbrüht, alles im Kessel zusammen fertig. Als moderne Praxis gilt: Halb gegartes Geflügel muss im Kessel vollständig durchgaren, sonst gart man es vorher ganz.
Bei Rumpolt ein Sammelgericht aus neunzig Posten: Rind, Schwein, Kalb, Hammel, Lamm, Ziege, Geflügel, Wild, Würste, Gemüse, Kräuter und Gewürze. Jeder Posten wird für sich gekocht, gebraten oder überbrüht, oft nur halb gar. Dann richtet man alles in einem breiten Fischkessel ein, streut Kräuter, geriebenes Brot, Parmesan, Knoblauch und Gewürze dazwischen, gießt Brühe darüber, bindet sie mit einer Einbrenne und erhitzt das Ganze auf Kohlen, ohne es lange sieden zu lassen. Angerichtet wird jedes Stück für sich auf einer Schüssel. Den Namen erklärt Rumpolt selbst: „daß vielerley zusammen kompt“; er entspricht der spanischen olla podrida.
Weil es im Kessel fertig gart. Rumpolt sagt, man könne die Speise „nicht lang sieden/ weil sie vorhin fast gar ist“. Geflügel und Wild kommen deshalb halb gebraten oder halb gekocht hinein, Rind und Schwein ganz gar, das Gemüse nur überbrüht.
Das sagt Rumpolt nicht. Er schreibt nur, man könne die Speise für zehn oder zwölf Tische oder auch nur für einen Tisch zurichten, und dass ein Koch zwei oder drei Tage vorher anfangen muss, um alles zusammenzubringen.
Beide Wörter sind in den Wörterbüchern nicht belegt, Rumpolt erklärt aber die Sachen selbst. Hattele ist bei ihm eine Speise aus dünn geklopften Fleischscheiben, mit Rinderfett und Kräutern bestrichen, aufgewickelt und am Spieß gebraten. Zirwonada (auch Zurwonada) ist seine welsche Wurst aus Rind- und Schweinefleisch; hier wird sie nur gekocht und kalt gestellt.
Tauchenten. So erklären es Grimms Wörterbuch und mehrere Mundartwörterbücher (Schwäbisch, Pfälzisch, Rheinisch). Welche Art Rumpolt meint, sagt der Text nicht.
Eine Einbrenne: Mehl, in Fett angeschwitzt, das die Brühe bindet. Rumpolt nennt weder Fett noch Farbe, nur dass die Brühe damit auf Kohlen kommt.
Nein. Zum Gericht gehören Innereien und Schlachtteile wie Kuheuter, Kutteln, Hirschohren und Füße sowie Tiere, die heute nicht zu beschaffen sind, darunter Auerhahn und Trappe. Dazu kommen zwei bis drei Tage Vorlauf und ein breiter Kessel auf Kohlenglut.
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Rumpolt erklärt den Namen selbst: „Darumb nennet man es Hollopotrida/ daß vielerley zusammen kompt“. Das Wort entspricht dem spanischen olla podrida. Bei Rumpolt ist es kein langes Schmorgericht: Jeder Posten wird für sich vorgegart, im Kessel nur zusammengebracht, mit Brühe übergossen und kurz auf Kohlen erhitzt, denn die Speise „kan man nicht lang sieden“.
Gar gekocht. Rumpolt unterscheidet in der Liste genau zwischen „gar“, „halb gar“ und „nicht gar“: Was nur halb gar ist, gart im Kessel fertig.
Zerkocht. „Nicht versotten“ heißt: gar, aber nicht zerfallen.
Rumpolts welsche Wurst aus Rind- und Schweinefleisch, im Buch auch Zurwonada und Ziewonada geschrieben; das Rezept dafür steht beim Ochsen (dort wird sie geräuchert). Hier wird sie nur gekocht und kalt gestellt, ist also eine fertige Zutat. In den Wörterbüchern ist das Wort nicht belegt, die Bedeutung des Namens bleibt offen.
Kapaune, kastrierte Masthähne.
Feldhühner. Rumpolt schreibt „Rephuͤnner oder Feldthuͤnner“ und stellt beide Namen damit nebeneinander.
Rumpolts Name für eine Speise, kein Fleischstück. In den geprüften Wörterbüchern ist das Wort nicht belegt, die Bedeutung ist offen. Beim Kalb beschreibt Rumpolt die Zubereitung selbst: dünne, mit dem Messerrücken geklopfte Fleischscheiben, mit Rinderfett und Kräutern bestrichen, aufgewickelt und am Spieß gebraten. Auch Rontziers Kochbuch von 1598 führt in seiner Mischplatte ein „Hattelet von Rinderfleiſch“.
Krammetsvögel, die Wacholderdrossel (FWB kranwitvogel).
Kastraun ist das bairisch-österreichische Wort für den Hammel, den kastrierten Schafbock. „Castraun oder Hammelfleisch“ nennt also dasselbe Fleisch zweimal.
Bei Rumpolt Kutteln, der gereinigte Magen, nicht Sülze oder Aspik. Sie werden hier wie der Kuttelfleck gar gekocht, zerschnitten und am Spieß gebraten.
Wörtlich „nach der Herberge schmecken“, wohl: nach schlechter Wirtshausküche. Rumpolt setzt dagegen „sauber vnd zugericht“: Gut geputzte Kutteln haben diesen Beigeschmack nicht.
Überbrüht, kurz in kochendem Wasser vorgegart. Das Gemüse wird nicht fertig gekocht, es gart im Kessel nach.
„Klauben“ heißt auslesen, verlesen: Der Spinat wird von schlechten Blättern und Stielen befreit.
Eine kleine, längliche Speiserübe. Grimms Wörterbuch (s. v. steckrübe) nennt die Steckrübe der Zeit wegen ihrer langgestreckten Form eine „lange rübe“, „stickelrübe“ ist bei Stieler eine Nebenform davon. Nach Campe heißen die Teltower Rübchen „Steckelrübe“. Welche Sorte Rumpolt genau meint, lässt sich nicht bestimmen; die große runde Kohlrübe, die heute Steckrübe heißt, ist es nicht.
Auerhahn und Birkhahn sind Waldhühner, die Trappe ist ein großer Bodenvogel. Auer- und Birkhuhn sind heute nach der Bundesartenschutzverordnung besonders und streng geschützt, die Großtrappe steht in Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie.
Die Pute. „Indianisch“ heißt hier „aus Übersee“; Rumpolt widmet der „Jndianischen Henn“ ein eigenes Kapitel. Gemeint ist hier der Hahn, also ein Putenhahn.
Origanum, der Dost, heute als Oregano im Handel.
Roggenbrot. „Rucken“ ist eine oberdeutsche Form von Roggen (Lexer).
„Kopffel“ gehört zu „Kopf“: weißes Kopfkraut, also Weißkohl, und weißer Kopfsalat. Rumpolt nennt beide als eigene Posten, es sind also zwei verschiedene Gewächse; auch in Rumpolts Salatkapitel steht „Kopffel Salat“ für den Kopfsalat. Das Wort selbst ist in den Wörterbüchern nicht in dieser Bedeutung belegt.
Geräuchert. „Selchen“ ist das bairisch-österreichische Wort für räuchern.
Kein Lungenfleisch, sondern das Filet (die innere Lende) vom Rind. Der Name kommt über mittelhochdeutsch lumbel von lateinisch lumbus „Lende“ (Grimms Wörterbuch s. v. lummel); in Österreich heißt das Rinderfilet bis heute Lungenbraten.
Tauchenten. Grimms Wörterbuch und das Schwäbische Wörterbuch führen duckente als „Tauchente“, das Pfälzische und das Rheinische Wörterbuch ebenso, das Rheinische auch allgemein als „kleine wilde Ente“. Welche Art Rumpolt meint, sagt der Text nicht.
Kaninchen. Das Wort sieht aus wie „Königlein“, kommt aber von lateinisch cuniculus.
Auf dem Rost bräunen, nicht abbrennen: Das gekochte Euter bekommt auf dem Rost Farbe.
Grüner Kohl, also ein grüner Blattkohl. Welche Sorte Rumpolt meint, bleibt offen; Grünkohl liegt nahe, ist aber nicht gesichert.
Kohlrüben. Ob die Rübe des Kohls (Kohlrübe) oder der Kohlrabi gemeint ist, sagt der Text nicht.
Bertram, hier ausdrücklich als Kraut. Welche Pflanze gemeint ist, bleibt offen: Der Name galt für verschiedene Pflanzen, darunter die Bertram-Schafgarbe. Rumpolt führt Bertram mehrfach als grünes Kraut.
Ein breiter Fischkessel, innen mit Zinn überzogen. Die Breite erlaubt, die vielen Stücke nebeneinander einzurichten.
Grimms Wörterbuch erklärt zettelweise als „einzeln, vereinzelt“ (nach Schmeller). Rumpolt meint: die Stücke einzeln verteilt einlegen, Gebratenes und Gekochtes gemischt, „daß nicht alles vber ein hauffen kompt“.
Ein feines Seihtuch. Rumpolt schreibt „Haͤrin Tuch“, ein Tuch aus Haar; Grimms Wörterbuch beschreibt das Haartuch als „gewebe aus haaren oder feinem wollenstoff … zum durchseihen von flüssigkeiten“. Meist war es aus Pferdehaar gewebt. Heute tut es ein feines Passier- oder Mulltuch.
Eine Einbrenne, in Fett angeschwitztes Mehl, das die Brühe bindet. Fett und Farbe nennt der Text nicht.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| RJndtfleisch | beef Q192628 |
| Schweinenfleisch | pork Q191768 |
| Hattele vom Kalbfleisch | veal Q957434 |
| Hattele vom Rindtfleisch | beef Q192628 |
| Geraͤuchert Rindtfleisch | beef Q192628 |
| Geraͤuchert Kalbfleisch | veal Q957434 |
| Schweine Braten | pork Q191768 |
| Knobloch | garlic Q21546392 |
| Geraͤuchert Schweinen Fleisch | pork Q191768 |
| Geselcht Lambfleisch | lamb meat Q643419 |
| Gesotten Lambfleisch | lamb meat Q643419 |
| Geraͤuchert Geißfleisch | meat Q10990 |
| Gesotten Geißfleisch | meat Q10990 |
| Muscatenbluͤt | mace Q1882876 |
| Gestossen Pfeffer | pepper Q3143131 |
| Jngwer | ginger Q15046077 |
| Saffran | saffron Q25434 |
| Rindtfleisch/ Heñen vnd Kappaunenbruͤh | stock Q3075310 |
| (erschlossen) | table salt Q11254 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Zirwonada
Gewählte Lesart: Als Name der Wurst beibehalten. Rumpolt beschreibt die Wurst beim Ochsen selbst als welsche Wurst aus Rind- und Schweinefleisch (dort Zurwonada, an anderer Stelle Ziewonada); hier ist sie „auff Welsch gemacht/ gesotten“. Ein Wörterbuchbeleg für den Namen fehlt.
Andere mögliche Lesart:
Hattele
Gewählte Lesart: Druckform beibehalten, Bedeutung offen. Das Wort ist in den geprüften Wörterbüchern nicht belegt. Rumpolt beschreibt die Speise beim Kalb selbst (geklopfte Scheiben, mit Rinderfett und Kräutern bestrichen, aufgewickelt, am Spieß gebraten) und verwendet das Wort für Kalb, Rind, Wild und sogar Fisch, also eher für eine Zubereitungsart als für ein Fleischstück.
Andere mögliche Lesart:
Duckenten
Gewählte Lesart: Duckente = Tauchente: so Grimms Wörterbuch, das Schwäbische, das Pfälzische und das Rheinische Wörterbuch. Im Text steht die Druckform; die Art bleibt offen.
Andere mögliche Lesart:
Suͤltzen
Gewählte Lesart: Kutteln, wie überall bei Rumpolt. Der Text behandelt sie genau wie den Kuttelfleck: gar kochen, zerschneiden, am Spieß braten.
Andere mögliche Lesart:
Jndianischer Han
Gewählte Lesart: Putenhahn. Die „Jndianische Henn“ ist bei Rumpolt die Pute; „Han“ bezeichnet das männliche Tier.
Andere mögliche Lesart:
Rindern Lungenbraten
Gewählte Lesart: Rinderfilet. FWB verweist „lungenbrate“ auf „lumbel“ (Lende); Rumpolt verwendet den Lungenbraten auch beim Ochsen so, die Lunge heißt bei ihm „Lungenmuß“.
Andere mögliche Lesart:
Weiß Kopffel Kraut / Weiß Kopffel Salat
Gewählte Lesart: Weißes Kopfkraut (Weißkohl) und weißer Kopfsalat: „Kopffel“ als Verkleinerung von „Kopf“, also Gewächse mit festem Kopf. Rumpolts Salatkapitel gebraucht „Kopffel Salat“ ebenfalls für den Kopfsalat. In den Wörterbüchern ist „Kopffel“ in dieser Bedeutung nicht belegt.
Andere mögliche Lesart:
Gruͤn Koͤl
Gewählte Lesart: Grüner Kohl, ein grüner Blattkohl; die Sorte nennt Rumpolt nicht. So auch in seinen anderen Rezepten mit „grünem Köl“.
Andere mögliche Lesarten:
KoͤlRuben
Gewählte Lesart: Kohlrüben, grob geschnitten und überbrüht, wie die anderen Rübenposten.
Andere mögliche Lesart:
Stickelruben
Gewählte Lesart: Eine kleine, längliche Speiserübe (Grimm s. v. steckrübe, Stieler „stickelrübe“; nach Campe auch die Teltower Rübchen). Sorte offen.
Andere mögliche Lesart:
zettelweiß
Gewählte Lesart: Einzeln, vereinzelt (Grimm s. v. zettelweise, nach Schmeller): Die Stücke werden verstreut nacheinander eingelegt, Gebratenes und Gekochtes gemischt, „daß nicht alles vber ein hauffen kompt“.
Andere mögliche Lesart:
Nim̃ auch ein eyngebrennt Mehl darein
Gewählte Lesart: Die Einbrenne kommt in die Brühe: Der Satz schließt an die durchgeseihte Brühe an, und „darein“ meint wohl die Flüssigkeit im Kessel. Eine Farbe nennt Rumpolt nicht.
Andere mögliche Lesarten:
breunt es sauber ab
Gewählte Lesart: Auf dem Rost bräunen. Rumpolt gebraucht „abbreunen auff dem Roßt“ auch sonst für das Anbräunen gekochter Stücke.
Andere mögliche Lesart:
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 15.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.