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Hudspudt: Geschichteter Eintopf aus vier Fleischsorten und Wurzelgemüse

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

LagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeitca. 180 Min. KüchenzeitBuchEin new Kochbuch (~1581)

Nimm Rindfleisch, das halb gesotten ist, und hebe die Brühe davon auf.

Nimm Kalbfleisch, brühe es gut ab und säubere es aus.

Nimm Schweinefleisch.

Nimm Hammelfleisch und lass es halb gar sieden.

Brühe gelbe Rüben ab und schneide sie grob.

Brühe auch Pastinakenwurzeln ab und schneide sie auseinander.

Nimm einen Fischkessel, der überzinnt ist, und lege die Fleischsorten sauber nacheinander in den Kessel, die gelben Rüben und Pastinaken dazwischen. Nimm gekochten fetten Speck, hacke ihn mit grünen, wohlschmeckenden Kräutern und auch Weißbrot, das in Rindfleischbrühe geweicht wurde. Wenn es klein gehackt ist, so gib es über das Fleisch. Gieße eine gute Rindfleischbrühe darüber, schneide Knoblauch klein, gib ganzen Pfeffer und Muskatblüte darüber, färbe es gelb und pfeffere es mit gestoßenem Pfeffer. Lass es miteinander sieden, so wird es gut und wohlschmeckend. Und diese Speise nennt man auf Niederländisch Hudspudt.

Mit Rosmarin. Du kannst auch ein oder zwei Zweiglein Rosmarin hineintun, das gibt einen lieblichen Geschmack. Wenn es aufgekocht hat, nimmt man den Rosmarin wieder heraus, so wird es gut und wohlschmeckend.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Rindtfleisch/ das halb gesotten ist Rindfleisch, halb gesotten - Metzger -
Bruͤh davon Rindfleischbrühe - - -
Kalbfleisch Kalbfleisch - Metzger -
Schweinenfleisch Schweinefleisch - Metzger -
Castraun oder Hammelfleisch Hammelfleisch - Metzger -
gelbe Ruben Gelbe Rüben - Wochenmarkt, Supermarkt -
Pastenackwurtzel Pastinakenwurzeln - Wochenmarkt, Supermarkt -
gesotten feißten Speck Gekochter fetter Speck - Metzger Gekochter Bauchspeck
gruͤnen wolschmeckenden Kraͤutern Grüne, wohlschmeckende Kräuter - Wochenmarkt, Supermarkt -
Weck/ der in einer Rindtfleischbruͤh geweicht Weißbrot, in Rindfleischbrühe geweicht - Bäcker -
Knobloch Knoblauch - - -
gantzen Pfeffer Ganzer Pfeffer - - -
Muscatenbluͤt Muskatblüte - gut sortierter Supermarkt, Gewürzhandel -
gelbs gelb färben - Gewürzhandel Safran
gestossenem Pfeffer Gestoßener Pfeffer - - -
straͤuchlein oder zwey Rosemarein ein bis zwei Zweiglein Rosmarin - - -

Welches Gericht ist das? Ein Kesselgericht aus vier Fleischsorten. Die Fleischsorten werden getrennt vorbereitet, im Kessel mit gelben Rüben und Pastinaken geschichtet, mit einem Hack aus gekochtem Speck, Kräutern und geweichtem Weißbrot belegt, mit Rinderbrühe übergossen, gewürzt und dann gemeinsam gesotten. Rumpolt nummeriert die Bestandteile von 1 bis 7; es ist ein einziges Gericht, keine Folge von Einzelrezepten.

Halb gar vorgaren. Das Rindfleisch kommt halb gesotten in den Kessel, seine Brühe wird aufgehoben und später darübergegossen. Das Hammelfleisch wird ebenfalls halb gar gesotten. Das Kalbfleisch wird nur überbrüht und gesäubert, zum Schweinefleisch sagt Rumpolt gar nichts. Fertig gar werden alle Sorten erst beim gemeinsamen Sieden, deshalb muss dieses Sieden so lange dauern, bis auch Kalb und Schwein durch sind. Wer es gleichmäßiger will, siedet Kalb und Schwein vorher ebenfalls halb gar.

Schichten. Ob das Fleisch geschnitten wird, sagt der Text nicht. In handlichen Stücken gart es gleichmäßiger und lässt sich leichter mit den grob geschnittenen gelben Rüben und den auseinandergeschnittenen Pastinaken schichten. Statt des überzinnten Fischkessels eignet sich ein breiter, flacher Schmortopf oder Bräter.

Speck, Kräuter, Brot. Gekochten fetten Speck mit grünen Kräutern und in Rinderbrühe geweichtem Weißbrot klein hacken und über das Fleisch geben. Welche Kräuter, sagt Rumpolt nicht. Dann so viel gute Rinderbrühe darübergießen, dass alles darin sieden kann; die Menge nennt der Text nicht.

Würzen und Färben. Klein geschnittener Knoblauch, ganzer Pfeffer und Muskatblüte kommen darüber, dazu gestoßener Pfeffer. Das Färbemittel nennt der Text nicht; in der anderen Fassung des Gerichts (rum-0149) ist es Safran, einige Fäden in etwas Brühe gelöst genügen.

Rosmarin. Nach Belieben ein oder zwei Zweiglein mitkochen und nach dem Aufkochen wieder herausnehmen.

Praxis. Rumpolt gibt keine Mengen, keine Garzeit und keine Hitzestufe an. Die angegebene Zeit von rund drei Stunden für Vorgaren, Schichten und gemeinsames Sieden ist eine Schätzung, die Menge richtet sich nach Größe des Kessels und Zahl der Gäste.

Was ist ein „Hudspudt“?

So nennt Rumpolt dieses Gericht und sagt dazu, es heiße so „auff Niderlendisch“. Es ist ein Kesselgericht aus Rind-, Kalb-, Schweine- und Hammelfleisch, das teils vorgegart, mit gelben Rüben und Pastinaken geschichtet, mit gehacktem Speck, Kräutern und Brot belegt, mit Rinderbrühe übergossen, gewürzt, gelb gefärbt und gemeinsam gesotten wird. Eine zweite, etwas andere Fassung mit Kalbsknorren steht im selben Buch (rum-0149).

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Eingeschränkt. Frisches Fleisch in vier Sorten braucht bis zum Kochen eine Kühlkette. Wurzelgemüse, gekochter Speck, Weißbrot und Gewürze sind dagegen lagerfest, und gekocht wird in einem einzigen großen Kessel am Feuer.

Was bedeutet „vberzindt“ bei einem Kessel?

Überzinnt: Der Kessel ist innen mit Zinn überzogen. Mit Zink hat das Wort nichts zu tun. Zum Nachkochen eignet sich ein breiter Schmortopf oder Bräter.

Womit wird gelb gefärbt?

Das sagt der Text nicht. In der anderen Fassung desselben Gerichts schreibt Rumpolt ausdrücklich Safran vor, deshalb ist Safran die naheliegende Wahl.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

Huͤdtspudt zu zurichten, mit aller Zugehoͤrung. I. NJm̃ Rindtfleisch, das halb gesotten ist, vnd heb die Bruͤh davon auff. 2. Nim̃ Kalbfleisch, vnd quells wol, vnd saͤubers auß. 3. Schweinenfleisch. 4. Castraun oder Hammelfleisch, laß halb eynsieden. 5. Quell gelbe Ruben, schneidt sie grob. 6. Quell auch Pastenackwurtzel, vnd schneidt sie voneinander. 7. Nim̃ ein Fischkessel, der vberzindt ist, vnd leg es in den Kessel sauber nacheinander, die gelb Ruben vnnd Pastenack zwischen eyn. Nim̃ gesotten feißten Speck, hack jn mit gruͤnen wolschmeckenden Kraͤutern, auch Weck, der in einer Rindtfleischbruͤh geweicht, vnd wenn er klein gehackt, so thu es vber das Fleisch, seig ein gute Rindtfleischbruͤh daruͤber, schneidt Knobloch klein, thu gantzen Pfeffer vnd Muscatenbluͤt daruͤber, gelbs, vnnd pfeffers mit gestossenem Pfeffer, laß miteinander sieden, so wirt es gut vnnd wolgeschmack. Vnd diese Speiß nennet man auff Niderlendisch Hudspudt. Du magst auch wol ein straͤuchlein oder zwey Rosemarein darein thun, daß ein lieblichen geschmack gibt, wenns auffgesotten hat, so thut man die Rosemarein wider herauß, so wirt es gut vnd wolgeschmack.
Huͤdtspudt / Hudspudt

Rumpolts Name für das Gericht, mit seiner eigenen Angabe, so nenne man es „auff Niderlendisch“. Die Überschrift schreibt Huͤdtspudt, der Text Hudspudt. Der Name erinnert an niederländisch hutspot, das ein mittelniederdeutsches Wörterbuch als klein gehacktes Fleisch erklärt; ob Rumpolts Gericht davon den Namen hat, ist nicht sicher.

quells wol

Quellen heißt hier: in Wasser überbrühen. Quells wol = brühe es gut ab.

Castraun oder Hammelfleisch

Castraun ist ein anderes Wort für Hammel, den verschnittenen Schafbock. Rumpolt nennt beide Wörter nebeneinander als gleichbedeutend.

laß halb eynsieden

Lass es halb gar sieden. Die Wendung steht parallel zum Rindfleisch, das „halb gesotten“ in den Kessel kommt; fertig gar wird alles erst beim gemeinsamen Sieden.

gelbe Ruben

Gelbe Rüben sind Möhren.

Pastenackwurtzel

Pastinakenwurzel. Schneidt sie voneinander: schneide sie auseinander, die Form der Stücke lässt der Text offen.

Fischkessel/ der vberzindt ist

Ein innen verzinnter Kessel, eigentlich für Fisch. Vberzindt heißt überzinnt, mit Zinn überzogen, nicht verzinkt. Denselben überzinnten Fischkessel nennt Rumpolt auch bei anderen Gerichten, etwa rum-0017 und Hollopotrida (rum-1280).

feißten Speck

Fetter Speck, hier bereits gekocht, der dann mit den Kräutern und dem Brot gehackt wird.

Weck

Weißbrot, hier in Rindfleischbrühe geweicht und mit Speck und Kräutern klein gehackt. In der anderen Fassung des Gerichts (rum-0149) sagt Rumpolt, das gehackte Brot mache die Brühe dick, sodass man kein Mehl einbrennen müsse; hier sagt er dazu nichts.

gelbs

Gelb heißt bei Rumpolt ohne andere Angabe: mit Safran. In der anderen Fassung desselben Gerichts (rum-0149) schreibt Rumpolt „machs gelb mit Saffran“.

pfeffers mit gestossenem Pfeffer

Pfeffers ist das Verb: pfeffere es. Ganzer Pfeffer kommt in die Brühe, gestoßener Pfeffer zusätzlich darüber.

Rosemarein

Rosmarin, nach Belieben. Rumpolt sagt, er gebe einen lieblichen Geschmack, und lässt ihn nach dem Aufkochen wieder herausnehmen.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Hutspot (Hüdtspudt)
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Rindtfleisch/ das halb gesotten istbeef Q192628
Bruͤh davonmeat stock Q67860017
Kalbfleischveal Q957434
Schweinenfleischpork Q191768
Castraun oder Hammelfleischmutton Q14566073
Weck/ der in einer Rindtfleischbruͤh geweichtmeat stock Q67860017
Knoblochgarlic Q21546392
Muscatenbluͤtmace Q1882876
gestossenem Pfefferpepper Q3143131
straͤuchlein oder zwey Rosemareinrosemary Q122679

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartHuͤdtspudt / Hudspudt

Gewählte Lesart: Als Eigenname in der Form des Textes beibehalten. Rumpolt selbst weist ihn als niederländischen Namen aus; eine Herleitung gibt er nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Niederländisch hutspot, nach einem mittelniederdeutschen Wörterbuch „klein gehacktes Fleisch“ - Klanglich naheliegend und zu Rumpolts Herkunftsangabe passend, aber für diese Form nicht belegt; die Verbindung bleibt eine Vermutung.

Lesartvberzindt

Gewählte Lesart: Überzinnt, innen mit Zinn überzogen. Das Wort gehört zu Zinn (DWB: verzinnen, mit Zinn versehen); im übrigen Buch ist derselbe Kessel durchweg als überzinnter Fischkessel übersetzt (rum-0017, rum-1280).

Andere mögliche Lesart:

  • verzinkt - Verworfen: Zink ist sprachlich nicht gemeint; die Form -zindt steht für -zinnt.

Lesartlaß halb eynsieden

Gewählte Lesart: Halb gar sieden. Die Stelle steht parallel zum Rindfleisch, das „halb gesotten“ ist, und Rumpolt gebraucht dieselbe Wendung für vorgegarte Därme (rum-0250). Gemeint ist der Garzustand, fertig gar wird das Fleisch beim gemeinsamen Sieden.

Andere mögliche Lesart:

  • Einkochen, Flüssigkeit durch Kochen vermindern - Diese Bedeutung von einsieden ist in den Wörterbüchern belegt (DWB, mnd.), passt aber nicht hierher: Das Fleisch wird später ohnehin mit Brühe übergossen, eine eingekochte Brühe spielt keine Rolle.

Lesartgelbs

Gewählte Lesart: Gelb färben, das Färbemittel nennt der Text nicht. Am nächsten liegt Safran: In der anderen Fassung desselben Gerichts (rum-0149) schreibt Rumpolt „machs gelb mit Saffran“, und auch bei Hollopotrida (rum-1280) nennt er Safran.

Andere mögliche Lesart:

  • Safran als ausdrückliche Zutat - Praxis-Wahl, wenige Fäden in etwas Brühe gelöst; als Zutat dieser Fassung aber nicht genannt, deshalb nur als Alternative geführt.

LesartFischkessel/ der vberzindt ist

Gewählte Lesart: Ein innen verzinnter Kessel, eigentlich für Fisch, vermutlich länglich und weit genug, um die Fleischsorten nebeneinander zu schichten. Das Material des Kessels unter dem Zinn nennt der Text nicht.

Andere mögliche Lesart:

  • Breiter, flacher Schmortopf oder Bräter - Moderner Ersatz in der Praxis; die Schichtung gelingt in einem flachen, weiten Gefäß am besten.

Lesartleg es in den Kessel sauber nacheinander

Gewählte Lesart: Der Text sagt nicht, ob das Fleisch vor dem Schichten geschnitten wird; Rumpolt kann größere Stücke meinen, die erst bei Tisch zerlegt werden.

Andere mögliche Lesart:

  • In handliche Stücke geschnitten schichten - Praxis-Wahl: gart gleichmäßiger und lässt sich leichter mit den Rüben schichten.

Lesartschneidt sie voneinander

Gewählte Lesart: Die Pastinaken auseinanderschneiden; ob längs gespalten, geviertelt oder in Scheiben, lässt der Text offen. In der anderen Fassung (rum-0149) werden dicke Pastinaken zu vier Stücken geschnitten.

Andere mögliche Lesart:

  • In mundgerechte Stücke schneiden - Moderner Standard, mit dem Text vereinbar.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. CXXXIXb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-1281
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Frisches Fleisch in vier Sorten (Rind, Kalb, Schwein, Hammel) braucht bis zum Kochen eine Kühlkette. Der Rest ist lagerfest: Wurzelgemüse, gekochter Speck, Weißbrot und Gewürze. Gekocht wird in einem großen Kessel oder Bräter am Feuer.
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Stand dieser Fassung: 15.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.