Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450
Nimm Petersilie und Mangold und schneide es fingergliedlang. Für jede Wachtel nimm die doppelte Menge dieser Kräuter. Koche die Kräuter zusammen und hacke guten Speck dazu.
Danach brate die Wachteln auf einem Rost und serviere sie auf dem Kräuterbett.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| wachtel / wachtla | Wachteln | - | Geflügelhändler, gut sortierter Supermarkt | - |
| peterlin | Petersilie | - | - | - |
| mangolt | Mangold | - | - | - |
| guot speck | Guten Speck | - | Metzger, Supermarkt | Geräucherter Bauchspeck |
Welches Gericht ist das? Gebratene Wachteln auf einem Bett aus gekochten Kräutern mit Speck - ein Muster, das in der gehobenen Wildgeflügelküche bis heute geläufig ist: kleines Geflügel auf einem Bett aus geschmortem Blattgemüse.
Die Kräutermenge. "zwierud als vil krut" heißt wörtlich "doppelt so viel Kraut" - für jede Wachtel wird die doppelte Menge Petersilie und Mangold angesetzt, nicht eine feste Stückzahl. Das Kräuterbett ist damit die eigentliche Basis des Gerichts, nicht bloße Garnitur.
Praxis. Putze Petersilie und Mangold und schneide beides fingergliedlang (2-3 cm). Setze pro Wachtel die doppelte Menge dieser Kräuter an, koche sie zusammen weich und hacke guten, am besten geräucherten Speck darunter. Brate die Wachteln getrennt auf dem Rost, bis die Haut knusprig ist, und richte sie erst zum Schluss auf dem warmen Kräuterbett an - das Bett nimmt den Bratensaft auf.
Dies ist eine mittelalterliche Längenangabe, die etwa der Länge eines Fingerglieds entspricht, also circa 2-3 cm.
Eingeschränkt. Frische Wachteln sind hochverderblich und brauchen eine durchgehende Kühlkette bis zur Zubereitung. Die Zubereitung selbst ist am offenen Feuer unkompliziert - das Problem ist die Frischhaltung vor dem Kochen, nicht die Technik.
Ja, du kannst auch kleine Hähnchenteile oder Rebhühner verwenden. Achte darauf, die Garzeit entsprechend anzupassen.
Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland - Reichenau/Bodensee). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).
Im Mittelalter ein allgemeiner Begriff für Pflanzen, Kräuter oder Gemüse.
Eine Längenangabe, die etwa der Länge eines Fingerglieds entspricht (ca. 2-3 cm).
Ein Rost zum Braten über offenem Feuer, entweder aus Metall oder aus frischem, grünem Holz gefertigt.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| wachtel / wachtla | quail Q83363038 |
| peterlin | parsley Q25284 |
| mangolt | chard Q157954 |
| guot speck | bacon Q11106 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
zwierud
Gewählte Lesart: Die Formulierung 'zwierud als vil krut' wird als 'die doppelte Menge Kräuter' übersetzt, wobei 'zwierud' als Intensivierung von 'zwei' im Sinne von 'zweifach' oder 'doppelt' verstanden wird.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 28.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.