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Wachtelkraut - Wachteln mit Mangold und Petersilie

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450

GeflügelHauptspeise · GeflügelLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit20 Min.Portionen2-4 PersonenBuchReichenauer Kochbuch (~1450)

Nimm Petersilie und Mangold und schneide es fingerlang. Nimm eine Wachtel und sorge dafür, dass sie ausgenommen sind. Bestreue sie mit Gewürzen. Lege dann doppelt so viel Kraut wie Wachteln miteinander in einen Topf. Lass es zusammen sieden.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
peterlin Petersilie - - -
mangolt Mangold - - -
ain wachtlen schuon gebrayt Wachtel 1 gut sortierter Metzger, Geflügelhändler Hähnchen- oder kleine Perlhuhnteile
gewurtz Gewürze - - -

Welches Gericht ist das? Ein Wachtelkraut - kleine Vögel (Wachteln), geschichtet mit der doppelten Menge grüner Kräuter (Petersilie, Mangold) und im Topf geschmort: ein einfacher Eintopf von Geflügel auf Grünzeug.

Technik: Petersilie und Mangold fingerlang schneiden. Die ausgenommenen Wachteln mit Gewürzen bestreuen. Dann schichtweise Kraut und Wachteln (doppelt so viel Kraut wie Vögel) in einen Topf legen und schmoren - das Kraut gibt Feuchtigkeit und Aroma ab, die kleinen Vögel bleiben saftig. Wachteln werden, wie damals üblich, ganz (mit Knochen) gegart.

Praxis: Pro Wachtel etwa die doppelte Menge gehackte Petersilie/Mangold rechnen. Wachteln würzen, mit dem Kraut abwechselnd in einen Topf schichten, mit wenig Brühe/Wasser zugedeckt schmoren, bis die Vögel gar sind. Ersatzweise gehen Hähnchen- oder Perlhuhnteile.

Wo bekomme ich Wachteln?

Wachteln führen gut sortierte Metzgereien, Geflügelhändler oder der Online-Feinkosthandel. Ersatzweise gehen Hähnchen- oder kleine Perlhuhnteile.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Eingeschränkt: Frische Wachteln brauchen bis zur Zubereitung eine Kühlkette. Die Zubereitung selbst ist im Topf am Feuer schnell und unkompliziert.

Was bedeutet ‚aines gelides lang'?

‚Ein Fingerglied lang' - eine mittelalterliche Längenangabe; das Grünzeug wird in kurze, mundgerechte Stücke geschnitten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland - Reichenau/Bodensee). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).

wahsteln krut Zuo ainem wachtel krutt nim peterlin vnd mangolt vnd schnid es ains glids lang vnd niem ain wachtlen schuon gebrayt vnd bestreus mit gewurtz vnd leg zwierod als vil krutzs als der wachtlen ?? in ain hafen vnd sud daz vnder ainander
wahsteln krut

‚Wachtelkraut' - ein Topfgericht aus Wachteln, geschichtet mit reichlich grünem Kraut (Petersilie, Mangold).

ains glids lang

‚Ein Glied lang' = fingerglied-lang - das Grünzeug wird in kurze, mundgerechte Stücke geschnitten.

schuon gebrayt

Die Münchner Parallelhandschrift (m384) schreibt hier stattdessen 'das sy gewaidt sigend' (dass sie ausgenommen seien). Ob 'gebrayt' dasselbe meint oder etwas anderes (z. B. 'ausgebreitet'), ist unklar.

zwierod als vil krutzs

‚Zweimal so viel Kraut' wie Wachteln - das Gericht ist überwiegend Grünzeug, mit den Vögeln als Einlage.

vnder ainander

‚Untereinander/schichtweise' - Kraut und Wachteln werden im Topf geschichtet, damit alles gleichmäßig durchzieht.

vnd sud daz vnder ainander

Die Münchner Parallelhandschrift schließt an dieser Stelle stattdessen mit der Formel 'so haust du ain guot krut' (so hast du ein gutes Kraut) ohne eigene Siede-Anweisung; ka1 endet mit der ausdrücklichen Anweisung, alles zusammen zu sieden.

Handschrift
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)
Folio
Fol. 119r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)
Entstehung
Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee), 1450
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

peterlinparsley Q25284
mangoltchard Q157954
gewurtzspice Q42527

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 119r, Sermones - Cod. Aug. pap. 125. [Reichenau], [15. Jahrh.]. Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Aug. pap. 125, https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:31-64893 / Public Domain Mark 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ka1 (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ka1-099
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt (Kühlung): Frisches Geflügel (Wachtel) braucht eine Kühlkette bis zur Zubereitung - am Markttag zwar erhältlich, aber hochverderblich. Die Zubereitung selbst ist im Topf am Feuer unkompliziert und schnell; das Kraut ist robust.
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Stand dieser Fassung: 28.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.