Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a · Entstehungsort unbekannt (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a) · 1389
Item: Lass im Winter ein Getränk nach dem anderen gefrieren und sie dann miteinander wieder auftauen. Das bewirkt dasselbe.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| eyn trank | Trank | - | - | - |
Was wird hier gemacht? Ein Nachsatz zum vorangehenden Kunststück, den sechs Getränken, die übereinander im Glas stehen, ohne sich zu mischen (n2-006). Statt die Flüssigkeiten vorsichtig über eine Holzscheibe einzugießen, lässt man im Winter ein Getränk nach dem anderen gefrieren - jede Schicht auf der schon gefrorenen - und taut sie dann gemeinsam wieder auf. „Et idem valet“, das bewirkt dasselbe.
Funktioniert das? Nur eingeschränkt. Solange alles gefroren ist, bleiben die Schichten sauber getrennt. Beim Auftauen schmilzt das Eis aber zuerst an den Rändern und oben, die Flüssigkeiten berühren sich wieder, und dann gilt dasselbe wie bei n2-006: Wo die schwerere Flüssigkeit unten liegt, hält die Trennung eine Weile, sonst sinkt und mischt sich, was schwerer ist.
Der Text sagt nur „trank“. Weil er an n2-006 anschließt, sind vermutlich dieselben gemeint: Milch, Bier, Wasser, roter Wein, Met und Leinöl. Ausdrücklich steht das aber nicht da.
Dieses Rezept stammt aus dem Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a. CoReMA-Handschrift N2 (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a), datiert um 1389: die berühmte Sammelhandschrift mit der ältesten erhaltenen Auslegung von Johannes Liechtenauers Fechtlehre (früher, inzwischen korrigiert, "Döbringer Fechtbuch" genannt) - hier nicht wegen des Fechttraktats, sondern wegen der darin enthaltenen Kochrezepte interessant, darunter ein Met-Rezept im Verhältnis drei Teile Wasser zu einem Teil Honig, mit Hopfengabe und einer separaten roten Farbzugabe.
Lateinisch für ‚des Weiteren‘ oder ‚nächster Punkt‘, leitet hier einen neuen Rezeptabschnitt ein.
Winterzeit. Die kalten Temperaturen des Winters werden hier als natürliche Kühlmethode genutzt.
Getränk. Welches, sagt der Text nicht; weil der Eintrag an n2-006 anschließt, sind vermutlich dieselben Flüssigkeiten gemeint.
Lateinisch „und es bewirkt dasselbe“. Verweist hier auf den Effekt des vorangehenden Schichtgetränks.
Gefroren, Partizip zu vriesen (gefrieren). Belegt bei Lexer und im FWB als „frieren; durch Frost zusammengehen, gefrieren, festfrieren“; der Kontext (Winterzeit, wieder tauen) stützt diese Lesart eindeutig.
Tauen, intransitiv zu touwen. Belegt bei Lexer: „tauen, rorare“.
Lass, kausative Form zu lâzen (lassen). Belegt bei Lexer in der Flexionsreihe „dû lâst, læst“; hier „lass X gefrieren“.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
et idem valet / Bezug zum Vorrezept
Gewählte Lesart: Variante zu n2-006: Die Schichten entstehen durch Gefrieren statt durch vorsichtiges Eingießen; „et idem valet“ heißt „das bewirkt dasselbe“ und verweist auf den Effekt des Vorrezepts. Dafür sprechen das anknüpfende „Item“, „eyn trank noch dem andern“ (ein Getränk nach dem anderen, also Schicht auf Schicht) und die Stellung direkt hinter dem Schichtgetränk.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 27.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.