Das Kochbuch der Philippine Welser · Augsburg / Tirol · 1543
Nimm den Lachs und wässere ihn gut. Schneide ihn dann zu kleinen, dünnen Schnitzeln und würze ihn gut mit allerlei Gewürz. Mache eine gute Brühe darüber mit Butter, süßem Wein und Weinbeeren. Schließe die Pastete und backe sie.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| den lax | Lachs | - | gut sortierter Supermarkt, Fischhändler | - |
| allerlay gewirtz | allerlei Gewürz | - | - | Pfeffer, Ingwer, Zimt |
| buder | Butter | - | - | - |
| syesen wein | süßer Wein | - | - | Muskateller oder ein anderer Süßwein |
| wein berla | Weinbeeren | - | - | Rosinen |
Welches Gericht ist das? Lachs, in dünne Schnitzel geschnitten, in einer Teighülle gebacken - mit einer Füllung aus Butter, süßem Wein und Weinbeeren. Eine süß-würzige Fischpastete, wie sie in den festlichen und fastentauglichen Küchen des 16. Jahrhunderts verbreitet war. Ein fast wortgleiches Rezept im Wolfenbütteler Kunst- und Arzneibuch (Lachs, Weinbeeren, Butter, Wein, gebacken) bestätigt unabhängig, dass es sich um eine feste Gerichtsfamilie handelt, nicht um eine Einzelidee. Ein modernes Gegenstück ist am ehesten eine in Teig gebackene Fischpastete mit süß-würziger Wein-Rosinen-Note - die Süße in einer herzhaften Fischfüllung ist heute ungewöhnlich, im 16. Jahrhundert aber üblich.
Wein berla: Das Rezept nennt 'wein berla' als eine der Füllzutaten. Im ganzen Buch ist damit durchgängig 'Weinbeeren' gemeint, ersatzweise Rosinen. An einer anderen Stelle des Buches trennt der Text jedoch 'wein berla' von 'resinla' (Rosinen) im selben Satz - ob es sich um zwei verschiedene Zutaten oder um Varianten desselben Produkts handelt, lässt sich aus dem Text allein nicht klären.
Frischer oder gesalzener Lachs: Der Text sagt nicht ausdrücklich, ob frischer oder gesalzener Lachs gemeint ist. Das Wässern vor der Verarbeitung war historisch typischerweise das Entsalzen von haltbar gemachtem Fisch - hier lässt sich beides vertreten, und keine der beiden Lesarten ändert etwas an Zubereitung oder Einstufung dieses Rezepts.
Praxis. Lachs kurz wässern beziehungsweise abspülen, in dünne Schnitzel schneiden und mit einer Gewürzmischung würzen. Butter, süßen Wein und Weinbeeren zu einer Brühe verrühren und über den Fisch geben. Die Pastete verschließen und in einem moderaten Ofen (etwa 180-200°C) backen, bis die Hülle gebräunt und der Fisch durchgegart ist - Zeit und Temperatur nennt der Text nicht, am Gargrad der Fischschnitzel orientieren.
Frischen Lachs erhältst du in jedem gut sortierten Supermarkt oder beim Fischhändler deines Vertrauens.
Eingeschränkt. Eine Pastete braucht einen Backofen mit kontrollierter Temperatur, der im Lager selten verfügbar ist, und frischer Lachs benötigt eine durchgehende Kühlkette.
'Allerlay gewirtz' ist eine allgemeine Bezeichnung für eine Gewürzmischung. An vergleichbarer Stelle im Buch wird dafür Pfeffer, Ingwer und Zimt verwendet. Du kannst eine eigene Mischung nach Geschmack zusammenstellen.
Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Philippine Welser“ (Augsburg / Tirol). Hausbuch aus dem Augsburger Welser-Patriziat, benannt nach Philippine Welser (1527-1580), der späteren Gemahlin Erzherzog Ferdinands II. Geschrieben haben es drei Hände; Gerold Hayer hält es für wahrscheinlich, dass die Mutter Anna Welser der heiratsfähigen Tochter ein Buch mit Familien- und Hausrezepten mitgeben wollte. Ein Datum trägt die Handschrift nicht, das Wasserzeichen weist nach Augsburg 1543/44. Mit nur 41 Fleischgerichten unter 245 Rezepten (Zählung Gerold Hayers) ist die Sammlung beinahe eine Spezialsammlung für Fastenspeisen - und das älteste der vier Augsburger Kochbücher dieses Bestands, neun Jahre vor Sabina Welserin.
Eine Pastete ist ein Gericht, bei dem eine Füllung (hier Lachs) in einem Teigmantel gebacken wird.
Das Wässern von Fisch war im Mittelalter üblich, um ihn zu reinigen oder überschüssiges Salz zu entfernen, besonders bei gesalzenem Fisch.
Eine allgemeine Bezeichnung für eine Gewürzmischung, die im Buch an vergleichbarer Stelle (Krebs-Pastete mit süßem Wein) mit Pfeffer, Ingwer und Zimt aufgelöst wird.
Im Buch durchgängig als Weinbeeren gelesen, alternativ Rosinen. An anderer Stelle unterscheidet der Text 'wein berla' von 'resinla' (Rosinen) im selben Satz - ob beide Wörter hier dasselbe meinen, bleibt offen.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| den lax | salmon Q83363028 |
| allerlay gewirtz | spice Q42527 |
| buder | butter Q34172 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
gwirtz / gewirtz
Gewählte Lesart: Das erste 'gwirtz' wurde als Verb 'würze' (Imperativ) und das zweite 'gewirtz' als Substantiv 'Gewürz' übersetzt. Dies ist eine gängige Konstruktion in frühneuhochdeutschen Kochtexten.
wein berla
Gewählte Lesart: 'Wein berla' wurde als 'Weinbeeren' (kleine, getrocknete Weintrauben) übersetzt - so auch durchgängig an den übrigen Buchstellen.
Andere mögliche Lesarten:
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Stand dieser Fassung: 25.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.