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Rebhuhn-Gallerte in Essig

Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 · Wien, vermutlich Augustiner-Chorherrenstift St. Dorothea (Besitzvermerke 15. Jh. auf Bl. 1r, 15r, 28v, 54v, 91v) · 1450

WildHauptspeise · WildLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit90 Min.Portionen2 PersonenBuchWien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 (~1450)

Ein weiteres Rezept:

Siede Rebhühner in Essig, bis sie an den Gelenken zerfallen. Mache daraus eine Gallerte und würze sie gut.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
rephuner Rebhuhn - ⚠ Rebhühner sind in Deutschland und der EU streng geschützt und dürfen nicht gehandelt werden. Bezug nur über spezialisierte Wildhändler mit Nachweis aus legaler Zucht außerhalb der EU, oder aus Jagd in Ländern mit legaler Bejagung (z.B. Frankreich, Spanien). Besser: Zucht-Wachteln oder Perlhuhn als Ersatz. Zucht-Wachteln oder Perlhuhn
esseich Essig - - -
gwurcz Gewürze - - Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken, Galgant

Welches Gericht ist das? Eine essigsaure, gewürzte Geflügelgallerte: Rebhühner werden in Essig weichgekocht, bis das Fleisch an den Gelenken zerfällt, dann wird die kollagenreiche Kochflüssigkeit zu einer Gallerte verarbeitet. Die nächsten lebenden Verwandten sind die deutsche Wild- oder Geflügelsülze und das französische en gelée - das Fleisch gart in essiggesäuerter Flüssigkeit, kühlt aus und geliert allein durch die eigene Kollagenkraft, ganz ohne zugesetzte Gelatine.

Das Wort "zulide" für den Garzustand ist nicht mit letzter Sicherheit zu lesen. Am wahrscheinlichsten beschreibt es, dass die Rebhühner in Essig so lange sieden, bis sie an den Gelenken auseinanderfallen - genau der Punkt, an dem das Kollagen aus Knochen und Haut vollständig gelöst ist und die Flüssigkeit von selbst geliert. Der textnahe Zwilling b4-168 überliefert dieselbe Stelle als "zuglide" und liest sie ebenso primär als "Zerfallen an den Gelenken"; eine schwächere Nebenlesart wäre "bis sie zart sind", die aber weniger Kollagenlösung und damit eine unsichere Gallerte liefert.

Praxis. Rebhühner (oder ersatzweise Wachteln bzw. Perlhuhn) in reichlich Essig langsam köcheln, bis das Fleisch mühelos von den Knochen und Gelenken löst - der Text nennt weder Verdünnung noch eine Garzeit, den Garpunkt also über die Konsistenz des Fleisches prüfen, nicht über die Uhr. Ob vor oder nach dem Erkalten gewürzt wird, sagt der Text nicht, beides ist möglich. Ob die Brühe vor dem Erkalten abgeseiht wird, bleibt ebenfalls offen; für eine klare Gallerte ist es heute üblich. Die gewürzte Flüssigkeit mit dem Fleisch mehrere Stunden bis über Nacht kühl stellen (im Kühlschrank), bis sie fest wird.

Wo bekomme ich Rebhuhn?

Rebhühner sind in Deutschland und der EU streng geschützt und dürfen nicht gehandelt werden. Sie können über spezialisierte Wildhändler aus legaler Zucht außerhalb der EU oder aus Jagd in Ländern mit legaler Bejagung (z.B. Frankreich, Spanien) bezogen werden. Eine ethisch unbedenkliche Alternative sind Zucht-Wachteln oder Perlhuhn.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Nein. Eine Gallerte ist im Lager nicht praktikabel, da sie bei sommerlichen Temperaturen nicht zuverlässig fest bleibt und schnell verdirbt. Die Zubereitung erfordert zudem eine kontrollierte Kühlung zum Gelieren.

Was ist eine Gallerte?

Eine Gallerte (oder Sülze) ist ein Gericht, bei dem Fleisch, Fisch oder Gemüse in einer gelierten Brühe oder einem Sud konserviert wird. Die Gelierung erfolgt durch kollagenreiche Zutaten (z.B. Knochen, Fischblase) oder durch Zugabe von Gelatine.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 (Mitte 15. Jh. - Teil I). CoReMA-Handschrift W1 (Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897): dreiteilige Sammelhandschrift, Teil I (Kochrezepte, Bl. 1r-53v) aus der Mitte des 15. Jh., Teil III älter (Mitte 14. Jh.). Textlicher Zwilling von B4 (Berlin, Ms. germ. qu. 1187) - beide überliefern u.a. dasselbe "grün Met"-Rezeptpaar fast wortgleich.

Ein anders SEwd rephuner in esseich als zulide vnd mach ain galraid douon vnd gwurcz sy wol
galraid

Eine Gallerte (oder Sülze) ist ein Gericht, bei dem Fleisch, Fisch oder Gemüse in einer gelierten Brühe oder einem Sud konserviert wird. Die Gelierung erfolgt durch kollagenreiche Zutaten (z.B. Knochen, Fischblase) oder durch Zugabe von Gelatine.

rephuner

Das Rebhuhn war im Mittelalter ein beliebtes Wildgeflügel. Heute ist es in Deutschland und der EU streng geschützt und darf nicht gehandelt werden. Als Ersatz eignen sich Zucht-Wachteln oder Perlhuhn. Die Schreibung mit einfachem p statt b zeigt den bairischen p/b-Wechsel.

gwurcz

Im Mittelalter waren Gewürze wie Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken und Galgant sehr beliebt und wurden oft großzügig verwendet, um den Status des Gastgebers zu zeigen.

Handschrift
Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897
Folio
Fol. 019v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch)
Entstehung
Wien, vermutlich Augustiner-Chorherrenstift St. Dorothea (Besitzvermerke 15. Jh. auf Bl. 1r, 15r, 28v, 54v, 91v), 1450
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

rephunerpartridge Q26106
esseichvinegar Q41354
gwurczspice Q42527

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartals zulide

Gewählte Lesart: bis sie an den Gelenken zerfallen

Andere mögliche Lesart:

  • bis sie zart sind - Von linde/gelinde (weich, zart) abgeleitet - ein eigenständiger mittelhochdeutscher Beleg, orthographisch aber schwächer (fehlendes n gegenüber linde) als die Ableitung von gelide/Glied. Der textnahe Zwilling b4-168 liest dieselbe Stelle als 'zuglide' und stuft diese Lesart ebenfalls nur als dritte, schwächste Alternative ein.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 019v, Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), W1 (Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/w1-171
LagerkücheLagerküche
Sülze/Gallerte ist im Lager nicht praktikabel, da sie bei sommerlichen Temperaturen nicht zuverlässig fest bleibt und schnell verdirbt. Rebhuhn ist zudem ein geschützter Wildvogel.
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Stand dieser Fassung: 18.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.