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Fleisch abbrühen

Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 · Bairischer Sprachraum, Entstehungsort unbekannt (Datierung 1438/39-Mitte 15. Jh. über Hartliebs "Namenmantik", nach Honold); später im Besitz der Grafen Starhemberg von Riedegg (Oberösterreich) · 1450

RezeptSonstigesLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit15 Min.Portionen4-6 PersonenBuchBerlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 (~1450)

Wie man Fleisch im August zubereiten soll: So magst du allerlei Fleischstücke im August zubereiten. Wenn du es sieden willst, dann lass es gut aufwallen und gieße die Brühe ab. Gieße frisches Wasser wieder daran. Lass es sieden und serviere es.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
fleisch Fleisch - Metzger -
wasser Wasser - - -

Welches Gericht ist das? Kein eigenständiges Gericht, sondern eine Vorbereitungstechnik: Fleisch wird kräftig aufgekocht, die erste Brühe verworfen und durch frisches Wasser ersetzt, bevor es fertiggart. Die Methode ist bis heute gebräuchlich, um Schaum, Blut und kräftige Geschmackstoffe aus dem Fleisch zu ziehen, etwa vor dem Ansetzen einer klaren Brühe.

Zeitangabe im Titel. Titel und Text datieren die Anwendung ausdrücklich auf den August: Dasselbe Buch nennt an anderer Stelle (Rezept b4-093) denselben Begriff als saisonalen Hinweis, und die Parallelhandschrift zu diesem Rezept schreibt ihn an genau dieser Stelle ausgeschrieben als „in den augsten". Zweifaches Abkochen mit Wasserwechsel ergibt gerade in der Sommerhitze zusätzlich praktischen Sinn: eine Vorsichtsmaßnahme gegen raschen Verderb von Fleisch, lange vor jeder Kühlmöglichkeit.

Praxis. Fleisch nach Wahl (der Text nennt keine bestimmte Sorte) in kaltem Wasser aufsetzen, kräftig aufkochen lassen, das trübe erste Wasser abgießen, mit frischem Wasser aufgießen und weitergaren, bis es durch ist. Genaue Garzeit, Gewürz und Salz nennt der Text nicht - er endet mit dem Servieren; die Weiterverarbeitung bleibt offen.

Was bedeutet ‚Aewgsten‘ in diesem Rezept?

‚Aewgsten‘ bezeichnet den August bzw. die heiße Jahreszeit, nicht - wie man vermuten könnte - einen Reinigungsvorgang. Das Buch nennt denselben Begriff an anderer Stelle (Rezept b4-093) als saisonalen Hinweis, und die Parallelhandschrift zu diesem Rezept schreibt ihn an gleicher Stelle ausgeschrieben als ‚in den augsten‘. Zweifaches Abkochen mit Wasserwechsel ergibt im heißen Sommer zusätzlich praktischen Sinn: eine Vorsichtsmaßnahme gegen raschen Verderb von Fleisch, lange vor jeder Kühlmöglichkeit.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 (Mitte 15. Jh.). CoReMA-Handschrift B4 (Berlin, Staatsbibliothek, Ms. germ. qu. 1187): bairisches Kochbuch der Mitte des 15. Jahrhunderts, 112 Blatt Papier. Enthält u.a. ein Paar-Rezept für "grünen Met" und ein Grundrezept "Wie du mett solt machen" (Honig-Wasser-Ansatz mit Hopfen und Hefe-Nachgärung) - textlich eng verwandt mit W1 (Wien, Cod. 2897), das dieselben zwei Met-Rezepte fast wortgleich überliefert.

Wie man fleisch machen sol In den Aewgsten Also machtu machen allerlay hanndt fleisch In den Aewgsten wenn du es sieden wild so erwell es wol vnd gews die prue ab gews frisch wasser daran wider Lass es sieden vnd gib es hin
Aewgsten

Bezeichnet hier den August bzw. die heiße Jahreszeit (vgl. mhd. „augst" = Erntezeit/August), nicht einen Reinigungsvorgang. Dasselbe Buch nennt den Begriff an anderer Stelle (Rezept b4-093) als saisonalen Hinweis; die Parallelhandschrift zu diesem Rezept schreibt ihn an gleicher Stelle ausgeschrieben als „in den augsten".

erwell es wol

‚Erwellen‘ bedeutet hier, das Fleisch gut aufwallen oder aufkochen zu lassen.

hanndt fleisch

Wörtlich ‚Handfleisch‘, was sich auf handliche Fleischstücke oder Fleisch, das von Hand zubereitet wird, beziehen kann. Im Kontext des Rezepts ist es als ‚allerlei Fleischstücke‘ zu verstehen.

Handschrift
Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187
Folio
Fol. 109r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch)
Entstehung
Bairischer Sprachraum, Entstehungsort unbekannt (Datierung 1438/39-Mitte 15. Jh. über Hartliebs "Namenmantik", nach Honold); später im Besitz der Grafen Starhemberg von Riedegg (Oberösterreich), 1450
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

fleischmeat Q10990
wasserwater Q283

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartGarzeit im zweiten Wassergang

Gewählte Lesart: Der Text nennt für das zweite Sieden keine Zeit- oder Garzustandsangabe; ein Erfahrungswert wird vorausgesetzt.

Andere mögliche Lesart:

  • Praxis-Empfehlung: bis das Fleisch durchgegart bzw. weich ist. - Unproblematischere Lesart gegenüber einer möglichen ‚kurz aufkochen reicht‘-Deutung; der Text selbst gibt dafür keinen Anhaltspunkt.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 109r, Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz -, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), B4 (Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz -, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/b4-245
LagerkücheLagerküche
Nicht für die Lagerküche: Das ist eine Technik, kein Rezept - Fleisch im August erst aufwallen lassen, die Brühe abgießen und in frischem Wasser fertig sieden.
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Stand dieser Fassung: 24.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.