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Welsches Kraut

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit15 Min.Portionen2-4 PersonenBuchReichenauer Kochbuch (~1450)

Für ein welsches Kraut zerbrich luieschen, jungen Mangold oder Kohlkraut zwischen den Händen und siede es dann in Fleischbrühe.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
luieschen luieschen (ungeklärt) - - -
jungen mangolt junger Mangold (optional) - Supermarkt, Wochenmarkt -
kol krut Kohl (optional) - Supermarkt, Wochenmarkt -
flaisch supun Fleischbrühe - Supermarkt, Metzger Gemüsebrühe für eine vegetarische Variante

Welches Gericht ist das? Ein schlichtes, in Fleischbrühe gegartes Blattgemüse - der Vorfahr heutiger gedünsteter Mangold- oder Kohlgerichte in Brühe. Dasselbe Verfahren, Kohl mit den Händen brechen und sieden, beschreibt Maestro Martino in seinem Wirsing auf römische Art.

luieschen. Was mit dem Wort gemeint ist, ist nicht geklärt. Es steht gleichrangig neben jungem Mangold und Kohlkraut, wird also wie ein Blattgemüse behandelt.

Praxis. Jungen Mangold oder Kohlkraut mit den Händen in Stücke brechen und in Fleischbrühe weich sieden. Eine der einfachsten Zubereitungen des Buchs.

Was bedeutet ‚walsch krut‘?

‚welsch‘ heißt italienisch oder romanisch. Ob ‚walsch krut‘ eine Kohlsorte meint (‚Welschkraut‘ ist ein späterer Name für den Wirsing) oder ein Gericht auf welsche Art, lässt der Text offen: Er nennt drei Blattgemüse, die wahlweise genommen werden.

Was ist ‚luieschen‘?

Das ist nicht geklärt. Das Wort kommt im Buch nur an dieser Stelle vor, und keine bekannte Lesart passt zu einem Blattgemüse, das man mit der Hand bricht und in Brühe siedet.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Ja, hervorragend geeignet. Die Zubereitung ist sehr einfach und schnell am offenen Feuer möglich. Die benötigten Blattgemüse und Fleischbrühe sind robust und lassen sich gut transportieren oder frisch am Markttag erwerben.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland - Reichenau/Bodensee). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).

walsch krut ain walsch krut brich luieschen oder jungen mangolt der kol krut zwisch den henden vnd sud daz jn flaisch supun
walsch krut

welsch heißt italienisch oder romanisch. Ob walsch krut eine Kohlsorte meint (Welschkraut ist ein späterer Name für den Wirsing) oder ein Gericht auf welsche Art, lässt der Text offen: Er nennt drei Blattgemüse, die wahlweise genommen werden.

luieschen

Ein Wort, das im Buch nur hier vorkommt und nicht geklärt ist. Es steht gleichrangig neben jungem Mangold und Kohlkraut und wird wie diese mit der Hand gebrochen und in Brühe gesotten, meint also wohl ein Blattgemüse.

Handschrift
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)
Folio
Fol. 119v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)
Entstehung
Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee), 1450
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

kol krutcabbage Q35051
flaisch supunmeat stock Q67860017

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartwalsch krut ain walsch krut

Gewählte Lesart: Die erste Nennung ‚walsch krut‘ wurde als Titel des Rezepts interpretiert, die zweite Nennung ‚ain walsch krut‘ als allgemeine Bezeichnung für die im Folgenden aufgeführten Blattgemüse-Optionen.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Wiederholung könnte ein Schreiberfehler sein oder eine stilistische Betonung. - In mittelalterlichen Handschriften sind Wiederholungen oder Dittographien nicht ungewöhnlich. Die gewählte Lesart trennt den Titel von der Zutateneinführung.

Lesartluieschen

Gewählte Lesart: Ungeklärtes Blattgemüse, das wie Mangold und Kohlkraut gebrochen und in Brühe gesotten wird. Die Wörterbücher kennen liesche nur als Namen von Sumpfpflanzen (Riedgras, Schilf, Rohrkolben); eine Küchenverwendung dafür ist nicht belegt.

Andere mögliche Lesarten:

  • Wirsing - Über den Titel: walsch krut lässt sich als Wirsing lesen, dann wäre die erste Zutat der Wirsing selbst. Für das Wort luieschen gibt es dafür keinen Beleg, und Wirsing/wersich ist in deutschen Quellen erst ab dem 16. Jahrhundert belegt (DWB: Seutter 1588).
  • Liebstöckel - So führt es ein Zutatenregister zu dieser Stelle. Dagegen spricht, dass Liebstöckel ein Würzkraut ist und nicht in der Menge eines Blattgemüses gebrochen und gesotten wird.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 119v, Sermones - Cod. Aug. pap. 125. [Reichenau], [15. Jahrh.]. Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Aug. pap. 125, https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:31-64893 / Public Domain Mark 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ka1 (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ka1-102
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Goldstandard: In 20-30 Minuten am Feuer zubereitet. Die Zutaten sind robust und lassen sich gut transportieren oder frisch am Markttag erwerben.
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Stand dieser Fassung: 28.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.