Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450
Für ein welsches Kraut zerbrich luieschen, jungen Mangold oder Kohlkraut zwischen den Händen und siede es dann in Fleischbrühe.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| luieschen | luieschen (ungeklärt) | - | - | - |
| jungen mangolt | junger Mangold (optional) | - | Supermarkt, Wochenmarkt | - |
| kol krut | Kohl (optional) | - | Supermarkt, Wochenmarkt | - |
| flaisch supun | Fleischbrühe | - | Supermarkt, Metzger | Gemüsebrühe für eine vegetarische Variante |
Welches Gericht ist das? Ein schlichtes, in Fleischbrühe gegartes Blattgemüse - der Vorfahr heutiger gedünsteter Mangold- oder Kohlgerichte in Brühe. Dasselbe Verfahren, Kohl mit den Händen brechen und sieden, beschreibt Maestro Martino in seinem Wirsing auf römische Art.
luieschen. Was mit dem Wort gemeint ist, ist nicht geklärt. Es steht gleichrangig neben jungem Mangold und Kohlkraut, wird also wie ein Blattgemüse behandelt.
Praxis. Jungen Mangold oder Kohlkraut mit den Händen in Stücke brechen und in Fleischbrühe weich sieden. Eine der einfachsten Zubereitungen des Buchs.
‚welsch‘ heißt italienisch oder romanisch. Ob ‚walsch krut‘ eine Kohlsorte meint (‚Welschkraut‘ ist ein späterer Name für den Wirsing) oder ein Gericht auf welsche Art, lässt der Text offen: Er nennt drei Blattgemüse, die wahlweise genommen werden.
Das ist nicht geklärt. Das Wort kommt im Buch nur an dieser Stelle vor, und keine bekannte Lesart passt zu einem Blattgemüse, das man mit der Hand bricht und in Brühe siedet.
Ja, hervorragend geeignet. Die Zubereitung ist sehr einfach und schnell am offenen Feuer möglich. Die benötigten Blattgemüse und Fleischbrühe sind robust und lassen sich gut transportieren oder frisch am Markttag erwerben.
Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland - Reichenau/Bodensee). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).
welsch heißt italienisch oder romanisch. Ob walsch krut eine Kohlsorte meint (Welschkraut ist ein späterer Name für den Wirsing) oder ein Gericht auf welsche Art, lässt der Text offen: Er nennt drei Blattgemüse, die wahlweise genommen werden.
Ein Wort, das im Buch nur hier vorkommt und nicht geklärt ist. Es steht gleichrangig neben jungem Mangold und Kohlkraut und wird wie diese mit der Hand gebrochen und in Brühe gesotten, meint also wohl ein Blattgemüse.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| kol krut | cabbage Q35051 |
| flaisch supun | meat stock Q67860017 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
walsch krut ain walsch krut
Gewählte Lesart: Die erste Nennung ‚walsch krut‘ wurde als Titel des Rezepts interpretiert, die zweite Nennung ‚ain walsch krut‘ als allgemeine Bezeichnung für die im Folgenden aufgeführten Blattgemüse-Optionen.
Andere mögliche Lesart:
luieschen
Gewählte Lesart: Ungeklärtes Blattgemüse, das wie Mangold und Kohlkraut gebrochen und in Brühe gesotten wird. Die Wörterbücher kennen liesche nur als Namen von Sumpfpflanzen (Riedgras, Schilf, Rohrkolben); eine Küchenverwendung dafür ist nicht belegt.
Andere mögliche Lesarten:
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Stand dieser Fassung: 28.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.