Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a · Entstehungsort unbekannt (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a) · 1389
Willst du einen „petterstroeczel“ (Patenstriezel) an einem Spieß braten, so stecke ihn auf den Spieß und lege ihn zum Feuer. Wende ihn unaufhörlich um und bestreue ihn ringsum mit Mehl. Mach ihn nicht zu heiß.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| petterstroeczel | Patenstriezel | - | Bäcker (längliches Feinmehlbrot/Stolle) | - |
| mele | Mehl | - | - | - |
Welches Gericht ist das?
Ein „petterstroeczel“ wird auf einen Spieß gesteckt, ans Feuer gelegt, ständig gewendet, ringsum mit Mehl bestreut und nicht zu heiß gebraten. Das Wort setzt sich aus zwei gut belegten Teilen zusammen: „petter“ ist mitteldeutsch der Taufpate (Mittelniederdeutsches Wörterbuch „petter“, Frühneuhochdeutsches Wörterbuch „pfetter“), „strützel“ ein längliches Brot aus feinem Mehl (Lexer; ein Breslauer Vokabular schreibt „strotzel“). Gemeint ist also ein Paten- oder Taufstriezel. Für Petersilie steht „petter“ hier nicht - die Handschrift schreibt Petersilie sechsmal, immer mit einfachem t („petersilgen“, „petersilien“, „petrisilgen“).
Was am Spieß steckt, bleibt offen. Der Text nennt keinen Teig und außer Mehl keine Zutat. Ob ein roher Teigling am Spieß gebacken oder ein fertiger Striezel geröstet wird, sagt er nicht, und ebenso wenig, wozu das Mehl dient. Die nächste Parallele im Korpus, ka2-049, steckt eine Masse aus Semmelbrot und zwölf Eiern an den Spieß und bestreut sie bei jedem Wenden mit Mehl - dort ist das Brot schon gebacken. Einen Baum- oder Spießkuchen beschreibt der Text nicht: Der Striezel wird aufgesteckt, nicht um eine Walze gewickelt oder in Schichten aufgetragen.
Praxis. Wer es nachstellen will, muss die Lücke selbst füllen und sollte das als eigene Annahme behandeln. Am nächsten an ka2-049 liegt ein fertig gebackener, fester Hefezopf aus Weizenmehl, der längs auf den Spieß gesteckt, bei mäßiger Glut ständig gedreht und dabei mit Mehl bestreut wird.
Ein Paten- oder Taufstriezel: „petter“ ist mitteldeutsch der Taufpate, „strützel“ ein längliches Brot aus feinem Mehl. Die Wortteile sind gut belegt, das zusammengesetzte Wort selbst kennen wir nur aus dieser Handschrift. Wie der Striezel aussah und zu welchem Anlass er gebacken wurde, sagt der Text nicht. Heute schenken Paten in Teilen Österreichs ihren Patenkindern zu Allerheiligen einen Striezel - eine ununterbrochene Linie bis 1389 ist damit aber nicht belegt.
Das lässt sich nicht sagen, solange offen ist, was am Spieß steckt. Ist es ein fertig gebackener Striezel, wäre das Rösten am Feuer einfach; ist es roher Teig, braucht man einen Teig, den der Text nicht beschreibt.
Das sagt der Text nicht. Dieselbe Handgriff-Folge - aufspießen, drehen, bei jedem Wenden mit Mehl bestreuen - steht auch in ka2-049, dort bei einer Masse aus Semmelbrot und Eiern. Eine Begründung gibt keines der beiden Rezepte.
Dieses Rezept stammt aus dem Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a. CoReMA-Handschrift N2 (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Hs 3227a), datiert um 1389: die berühmte Sammelhandschrift mit der ältesten erhaltenen Auslegung von Johannes Liechtenauers Fechtlehre (früher, inzwischen korrigiert, "Döbringer Fechtbuch" genannt) - hier nicht wegen des Fechttraktats, sondern wegen der darin enthaltenen Kochrezepte interessant, darunter ein Met-Rezept im Verhältnis drei Teile Wasser zu einem Teil Honig, mit Hopfengabe und einer separaten roten Farbzugabe.
„petter“ + „strützel“ = Patenstriezel. „petter“ ist mitteldeutsch der Taufpate (MNWB, FWB „pfetter“), „strützel“ ein längliches Brot aus feinem Mehl (Lexer). Das zusammengesetzte Wort ist nur hier belegt, die Gestalt des Gebäcks nicht überliefert.
Mittelhochdeutsch für „ringsherum“/„allenthalben“. Dieselbe Wendung erscheint im selben Rezeptbüchlein bei n2-002 (Fol. 109r: „loeze das fleisch ab vmmevndvem bis an dy flögel“) eindeutig räumlich verwendet - das stützt diese Lesart gegen Ehlerts Alternative „verumtamen“.
Mittelhochdeutsch für „eifrig, ohne zu säumen“ (BMZ), hier verstärkend im Sinn von „unaufhörlich“ - passt zum ständigen Wenden am Spieß.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| mele | flour Q36465 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
petterstroeczel
Gewählte Lesart: Patenstriezel: „petter“ = mitteldeutsch Taufpate (MNWB „petter“, FWB „pfetter“, BMZ „pfetterich“), „stroeczel“ = strützel/strotzel, längliches Feinmehlbrot (Lexer, Voc. Vrat. „strotzel“). Die Handschrift schreibt Petersilie durchweg mit einfachem t (petersilgen, petersilien, petrisilgen) und unterscheidet damit.
Andere mögliche Lesarten:
vmevndvme
Gewählte Lesart: Wir übersetzen „vmevndvme“ als „ringsherum“ bzw. „allenthalben“, was die Art und Weise der Mehlbestreuung beschreibt.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 27.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.