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Hecht mit Speckgrieben und Schmalz

Das Kochbuch der Philippine Welser · Augsburg / Tirol · 1543

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit25 Min.Portionen2 PersonenBuchDas Kochbuch der Philippine Welser (~1543)

Wenn der Hecht halb gar gesotten ist, dann nimm ein halbes Pfund Speck, der fein klein gewürfelt geschnitten ist. Röste ihn auf einer Glut, sodass er schön braun wird. Dann schütte ihn mit den Grieben und dem Schmalz über den Fisch. Lass alles gut miteinander sieden. Richte den Fisch auf einer flachen Schüssel an und gib die Grieben oben darauf und ein wenig Brühe.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
ain hecht Hecht - Fischhändler, Wochenmarkt -
ain halb pfundt speck Speck 250 g Metzger, Supermarkt -
glauben Grieben - - -
schmaltz Schmalz - - -
ain wenig brye Brühe - Supermarkt -

Welches Gericht ist das?

Vorgekochter Hecht, übergossen mit auf Glut geröstetem, ausgelassenem Speck samt Grieben und Schmalz, kurz gemeinsam durchgezogen und mit wenig Brühe angerichtet. Vergleichbar mit heutigen Zubereitungen von Süßwasserfisch mit ausgelassenem Speck und Grieben, bei denen das heiße Fett dem mageren Fisch Röstaroma und Fett zuführt, das ihm sonst fehlt.

Die Zweiphasen-Technik.

Der Hecht wird zunächst in Wasser oder Sud halb gar vorgekocht und erst danach im heißen Speck-Schmalz-Gemisch fertiggegart. Diese Reihenfolge verhindert, dass der empfindliche Süßwasserfisch zu lange im heißen Fett liegt und zerfällt, während er gleichzeitig das Röstaroma des Specks aufnimmt.

Praxis.

Hecht in leicht gesalzenem Wasser oder Sud halb gar ziehen lassen. Parallel 250 g Speck fein würfeln und auf Glut oder in der Pfanne rösten, bis er braun ist und sich Grieben und Schmalz absetzen. Das heiße Speck-Schmalz-Gemisch über den vorgegarten Fisch geben und beides wenige Minuten gemeinsam ziehen lassen, bis der Fisch durchgegart ist - länger sollte es nicht sein, sonst zerfällt der magere Fisch. Auf einer flachen Schüssel anrichten, die Grieben obenauf, mit wenig Brühe beträufeln.

Was bedeutet 'gewirflet' im Rezept?

Das Wort 'gewirflet' ist eine frühneuhochdeutsche Form von 'gewürfelt'. Es beschreibt die Schnittform des Specks, der in kleine Würfel geschnitten werden soll.

Was sind 'Grieben' und 'Schmalz'?

Grieben sind die knusprigen, festen Rückstände, die beim Auslassen von Speck oder anderem tierischen Fett übrig bleiben. Schmalz ist das dabei flüssig gewordene Fett. Beide werden hier aus dem Speck gewonnen und zusammen mit dem Fisch serviert.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, mit einer Einschränkung: Frischer Hecht braucht eine Kühlkette und sollte am Markttag gekauft und zügig verarbeitet werden. Der Hecht wird vorgekocht, der Speck lässt sich vor Ort schnell auslassen und rösten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Kochbuch der Philippine Welser“ (Augsburg / Tirol). Hausbuch aus dem Augsburger Welser-Patriziat, benannt nach Philippine Welser (1527-1580), der späteren Gemahlin Erzherzog Ferdinands II. Geschrieben haben es drei Hände; Gerold Hayer hält es für wahrscheinlich, dass die Mutter Anna Welser der heiratsfähigen Tochter ein Buch mit Familien- und Hausrezepten mitgeben wollte. Ein Datum trägt die Handschrift nicht, das Wasserzeichen weist nach Augsburg 1543/44. Mit nur 41 Fleischgerichten unter 245 Rezepten (Zählung Gerold Hayers) ist die Sammlung beinahe eine Spezialsammlung für Fastenspeisen - und das älteste der vier Augsburger Kochbücher dieses Bestands, neun Jahre vor Sabina Welserin.

ain hecht jm speck zu machen wan der hecht halb gesotten ist so nim ain halb pfundt speck der fein klain gewirflet geschniten ist vnd rest jn auf ainer glout das er fein broun wertt den schit jn yber den fisch mit glauben vnd schmaltz las wol an ain ander syeden richt jn auf ain flachen schisel an vnd dau die greuben oben dar auf vnd ain wenig brye
gesotten

Gekocht, gegart. Der Fisch wird hier vorgekocht.

pfundt

Ein Pfund entsprach im Mittelalter regional unterschiedlichen Gewichten, hier ca. 500 g. Ein halbes Pfund sind somit etwa 250 g.

glout

Glut, die heiße Asche eines Feuers, über der gebraten oder geröstet wird.

greuben

Grieben, die knusprigen Rückstände vom Auslassen von Speck oder anderem tierischen Fett.

schmaltz

Schmalz, ausgelassenes tierisches Fett, hier vom Speck.

brye

Brühe, hier eine einfache Fleisch- oder Gemüsebrühe.

Handschrift
Das Kochbuch der Philippine Welser
Folio
Fol. 094r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (ostschwäbisch-augsburgisch, Nachträge mit tirolisch-bairischen Zügen, Mitte 16. Jh.)
Entstehung
Augsburg / Tirol, 1543

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

ain hechtnorthern pike Q83363026
ain halb pfundt speckbacon Q11106
schmaltzfat, unspecified Q2789594 · Q1423543 · Q427457
ain wenig bryestock Q3075310

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartglauben

Gewählte Lesart: Grieben. Im Kontext des Auslassens von Speck sind 'Grieben' die knusprigen Rückstände des Fettes.

Andere mögliche Lesart:

  • Glaube (im religiösen Sinne). - Das Wort 'glauben' ist im Frühneuhochdeutschen ein Homograph. Im Kontext des Auslassens von Speck ist die Lesart 'Grieben' kulinarisch eindeutig, während 'Glaube' hier keinen Sinn ergeben würde. Das Rezept selbst verwendet an anderer Stelle die Schreibung 'greuben' für dasselbe Wort.

Lesartlas wol an ain ander syeden

Gewählte Lesart: Kurzes, kräftiges Aufwallen, bis der Fisch durchgegart ist.

Andere mögliche Lesart:

  • Längeres gemeinsames Köcheln. - 'wol sieden' nennt keine Dauer. Der Wortlaut lässt offen, ob ein kurzes Aufwallen oder ein längeres Köcheln gemeint ist; beide Lesarten sind mit dem Text vereinbar.

Originalwerk (~1543) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 094r - Digitale Rekonstruktion: Originalschriftbild aus der Faksimile-Ausgabe (Edition Leipzig 1983), übertragen auf einen Hintergrund, der dem Originaleinband entspricht. Handschrift: Schloß Ambras bei Innsbruck, PA 1473 (Kunsthistorisches Museum Wien)
Transkription
Eigene Segmentierung der Faksimile-Ausgabe Edition Leipzig 1983 (Transkription Gerold Hayer) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/phw-179
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Der Hecht wird vorgekocht, der Speck lässt sich vor Ort schnell auslassen und rösten. Begrenzend ist der frische Hecht, der eine Kühlkette braucht - am Markttag kaufen und zügig verarbeiten.
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Stand dieser Fassung: 25.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.