Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Warm gekochtes Rindfleisch ist auch nicht schlecht.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Rindtfleisch | Rindfleisch | - | Metzger, Supermarkt | - |
Welches Gericht ist das? Kein ausgeführtes Rezept, sondern eine Ein-Satz-Notiz im Kapitel „Vom Ochsen“: Rindfleisch, in Wasser gesotten und warm aufgetragen, sei „auch nicht boͤß“. Belegt ist damit nur das Sieden, also das Garen in Wasser oder Brühe, und dass das Fleisch warm gegessen wird.
Warm, nicht aufgewärmt. „Warm gesotten“ beschreibt, wie das Fleisch auf den Tisch kommt, als Gegenstück zur folgenden Nummer 55, dem kalten Rindfleisch „im Saltz“. Von vorgekochtem Fleisch, das wieder erwärmt wird, steht nichts da.
Was fehlt. Welches Stück, wie lange, ob gesalzen, mit welcher Brühe oder Beilage: Das lässt Rumpolt offen, und hier wird nichts davon ergänzt. Die Nachbarnummern mit Brühe oder Salz lassen sich nicht auf diesen Satz übertragen.
Praxis. Wer es nachkochen will, siedet ein Stück Rindfleisch in Wasser gar und trägt es warm auf. Alles Weitere ist eigene Entscheidung, nicht Rumpolts Vorgabe.
Rumpolt gibt hier keine Zubereitung, sondern nur den Hinweis, dass warm gekochtes Rindfleisch auch nicht schlecht sei. Solche knappen Einträge zählt er in die 83 Speisen seines Ochsenkapitels mit; die folgende Nummer 55 nennt das kalte Gegenstück „im Saltz“.
Nein: Der Text enthält keine Garanleitung, weder Stück noch Garzeit noch Würzung. Gekochtes Rindfleisch lässt sich am Feuer zubereiten, aber dafür liefert dieser Satz keine Vorgabe.
Es ist eine Verneinung des Gegenteils und bedeutet „auch nicht schlecht“. Rumpolt empfiehlt damit zurückhaltend, er lobt nicht. Dieselbe Formel steht bei den geräucherten Ochsenzungen (Nummer 10) und den weißen Rindfleischknödeln (Nummer 65).
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Verneinung des Gegenteils: „nicht schlecht“, also brauchbar, ordentlich. Böse heißt im älteren Deutsch auch schlicht schlecht oder minderwertig. Die Wendung ist bewusst zurückhaltend und nicht als Lob wie „köstlich“ zu lesen.
Partizip zu sieden: in Wasser oder Brühe gekocht. Das Wort sagt nichts über ein vorheriges Kochen oder späteres Aufwärmen.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Rindtfleisch | beef Q192628 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
nicht boͤß
Gewählte Lesart: „auch nicht schlecht“: Litotes, die Verneinung des Gegenteils. Böse trägt im Mittel- und Frühneuhochdeutschen die Bedeutung schlecht, minderwertig; Rumpolt benutzt dieselbe Formel auch bei Nummer 10 und 65.
Andere mögliche Lesart:
Warm gesotten
Gewählte Lesart: Gekochtes Rindfleisch, warm aufgetragen; „warm“ bezeichnet die Serviertemperatur, als Gegenstück zu Nummer 55 „Kalt abgesotten Rindtfleisch im Saltz“.
Andere mögliche Lesart:
Stück, Garzeit, Salz, Brühe, Beilage
Gewählte Lesart: Nicht genannt und nicht ergänzt. Die Nachbarnummern zeigen Sieden in Brühe (Nummer 53) bzw. Fleisch im Salz (Nummer 55), sagen aber nichts über diesen Satz.
Andere mögliche Lesarten:
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Stand dieser Fassung: 29.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.