Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Saure Weinbeeren-Knoblauch-Speck-Salbei-Sauce

Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 · Wien, vermutlich Augustiner-Chorherrenstift St. Dorothea (Besitzvermerke 15. Jh. auf Bl. 1r, 15r, 28v, 54v, 91v) · 1450

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9.3/10
Zubereitungszeit20 Min.Portionen2-4 PersonenBuchWien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 (~1450)

Eine weitere Sauce:

Nimm saure Weinbeeren und gib Salbei, zwei Knoblauchköpfe und Speck dazu. Stoße alles zusammen und drücke es aus. Serviere es als Sauce.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
saur weinper Saure Weinbeeren - Wochenmarkt (saisonal), Online-Handel (Verjus) Verjus
saluay Salbei - - -
ij knouloach haupt Knoblauchköpfe 2 - -
spekch Speck - Metzger -

Welches Gericht ist das? Eine rohe, ungekochte Stoßsauce aus sauren Weinbeeren, Salbei, Knoblauch und Speck - im Mörser zerstoßen und durch ein Tuch ausgepresst. Strukturell verwandt mit den bis heute in Mittelitalien (Toskana, Umbrien) gebräuchlichen agresto-Saucen aus unreifen Trauben und Kräutern - eine Parallele im Grundprinzip, kein Beleg für einen direkten Überlieferungsweg. Nahezu wortgleich im Zwilling b4-263 überliefert; im Buch von guter Speise als eigenständige, textlich sehr nahe Fassung erhalten (bgs-034).

Welcher Speck? Der Text nennt nur spekch, ohne Angabe, ob gepökelt/geräuchert oder frisch. Für die Praxis empfiehlt sich gepökelter oder geräucherter Speck, der roh verzehrbar ist. Frischer, ungeräucherter Schweinespeck ist historisch ebenso möglich, wird hier aber wegen des realen Risikos beim rohen Verzehr frischen Schweinefleischs nicht als Praxisweg empfohlen.

Praxis. Für 2-4 Personen als Beigabe: saure Weinbeeren (ersatzweise Verjus) mit einer Handvoll Salbeiblättern, zwei ganzen Knoblauchköpfen und einem Stück gepökeltem oder geräuchertem Speck im Mörser zu einer groben Paste stoßen. Durch ein Tuch auspressen. Kühl als kräftige, sehr scharfe Sauce zu gebratenem oder gekochtem Fleisch reichen - der Text nennt keine Mengen, daher sparsam dosieren.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, gut geeignet. Die Zubereitung ist einfach und schnell mit einem Mörser möglich. Lediglich der Speck benötigt eine Kühlkette, die aber im Lager gut zu handhaben ist.

Was sind 'Saure Weinbeeren' und wo bekomme ich sie?

Saure Weinbeeren sind unreife Trauben. Ihr Saft, bekannt als Verjus, war im Mittelalter ein gängiges Säuerungsmittel. Frische saure Weinbeeren sind saisonal auf Wochenmärkten oder in gut sortierten Feinkostläden erhältlich. Alternativ kannst du Verjus im Online-Handel oder in manchen Supermärkten kaufen.

Brauche ich einen Mörser und Stößel für dieses Rezept?

Ja, das Rezept verlangt das 'Zusammenstoßen' der Zutaten, was traditionell in einem Mörser geschieht. Ein großer Mörser ist ideal, um die Zutaten zu einer feinen Paste zu verarbeiten. Alternativ kann eine Küchenmaschine verwendet werden, um die Zutaten zu zerkleinern, bevor sie ausgepresst werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 (Mitte 15. Jh. - Teil I). CoReMA-Handschrift W1 (Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897): dreiteilige Sammelhandschrift, Teil I (Kochrezepte, Bl. 1r-53v) aus der Mitte des 15. Jh., Teil III älter (Mitte 14. Jh.). Textlicher Zwilling von B4 (Berlin, Ms. germ. qu. 1187) - beide überliefern u.a. dasselbe "grün Met"-Rezeptpaar fast wortgleich.

Aber ein salsen NIm saur weinper vnd tu darczu saluay vnd ij knouloach haupt vnd spekch vnd stosz zusamen vnd trukch es aus vnd gibs fur ein salssen
salssen

Eine Sauce oder Würze.

saur weinper

Saure Weinbeeren, also frische, unreife Trauben - dieselben, aus deren Saft Verjus gepresst wird. Nicht zu verwechseln mit den „welschen Weinbeeren" anderer Rezepte, die Rosinen meinen: Das „sauer" und das Auspressen zeigen hier frische Beeren an. Das Buch von guter Speise hat an derselben Stelle „sure winber" (bgs-034).

saluay

Salbei, ein aromatisches Kraut, das in der mittelalterlichen Küche häufig verwendet wurde.

knouloach haupt

Ein Knoblauchkopf.

spekch

Speck, hier vermutlich geräucherter oder gesalzener Schweinebauch.

stosz zusamen

Stoße die Zutaten in einem Mörser zu einer Paste.

trukch es aus

Drücke die gestampfte Masse durch ein Tuch oder Sieb, um den Saft oder die flüssige Würze zu gewinnen.

Handschrift
Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897
Folio
Fol. 029v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch)
Entstehung
Wien, vermutlich Augustiner-Chorherrenstift St. Dorothea (Besitzvermerke 15. Jh. auf Bl. 1r, 15r, 28v, 54v, 91v), 1450
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

saluaycommon sage Q1111359
ij knouloach hauptgarlic Q21546392
spekchbacon Q11106

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartspekch

Gewählte Lesart: Gepökelter oder geräucherter Speck - küchenüblich und roh verzehrbar. Der Text nennt nur 'spekch', ohne die Art zu spezifizieren; 'Speck' bezeichnete im Spätmittelalter aber ganz überwiegend das gepökelte/geräucherte Fett.

Andere mögliche Lesart:

  • Frischer, ungeräucherter Schweinespeck. - Vom Text weder ausgeschlossen noch belegt. Roher Verzehr von frischem Schweinefleisch ist ein reales Sicherheitsrisiko (Trichinen); diese Lesart wird deshalb nicht als Praxisempfehlung übernommen, sondern nur als historisch mögliche Alternative dokumentiert.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 029v, Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), W1 - CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/w1-265
LagerkücheLagerküche
Gut machbar: rohe Zutaten, kein Feuer nötig. Im Mörser stoßen und durch ein Tuch auspressen, in unter 20 Minuten fertig. Die Sauce frisch stoßen und zeitnah servieren; der Speck braucht bis dahin eine Kühlkette.
Alle Rezepte aus Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.

Stand dieser Fassung: 26.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.