Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450
Goldene Schnitten mit Eigelb: Nimm viele Eigelb und Salz. Schlage die Mischung und ziehe Brotscheiben hindurch. Backe die Schnitten und streue Zucker darauf. Das ist sehr bekömmlich.
Goldenes Brot mit ganzen Eiern und Safran: Für goldenes Brot nimm nur ganze Eier und Safran, und salze die Mischung zunächst nicht. Klopfe es untereinander und ziehe Brotscheiben hindurch. Gib danach Salz dazu.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| schnitten | Brot, in Scheiben | - | - | Weißbrot oder Brioche |
| vil ayer totter | viele Eigelb | - | - | - |
| salcz | Salz | - | - | - |
| zucker | Zucker | - | - | - |
| ital ayer | ganze Eier | - | - | - |
| safran | Safran | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
Welches Gericht ist das? Getränktes und gebackenes Weißbrot in Eimasse - der direkte Vorläufer der heutigen Armen Ritter beziehungsweise des French Toast. Die Handschrift nennt es selbst so: "guldin bachen schnitten", goldene gebackene Schnitten. Zwei Varianten stehen nebeneinander.
Die erste Variante bindet die Tunke mit Eigelb: Eigelb und Salz werden verschlagen, die Brotscheiben darin gezogen, gebacken und zum Schluss mit Zucker bestreut. Die zweite Variante nimmt statt Eigelb ganze Eier und färbt stattdessen mit Safran golden - der Text sagt das ausdrücklich mit "ital ayer" (nur/bloß ganze Eier, ohne Trennung). Bei dieser Variante wird zunächst ohne Salz verschlagen und das Salz erst nach dem Durchziehen der Schnitten zugegeben; warum die Reihenfolge so gewählt ist, sagt der Text nicht.
Ein enger Verwandter aus dem Rheinfränkischen Kochbuch (rfk-043) beschreibt dieselbe Technik in fast identischer Wortfolge und stützt, dass es sich um ein damals verbreitetes Grundrezept handelt.
Praxis. Eigelb beziehungsweise ganze Eier verschlagen, Weißbrotscheiben (ersatzweise Brioche) darin ziehen, in Fett in der Pfanne backen. Bei der Safran-Variante das Salz erst nach dem Backen der ersten Schnitten in die restliche Ei-Masse geben, wie es der Text vorsieht. Mit Zucker bestreut servieren.
Ja, Goldstandard. Die Zutaten sind robust und gut lagerbar, und die Zubereitung ist mit einfachen Mitteln (Pfanne, Feuer oder Kocher) schnell erledigt. Ideal für ein süßes Frühstück oder eine Zwischenmahlzeit im Lager.
‚Goldene Schnitten‘ sind ein mittelalterliches Gericht, das dem heutigen French Toast oder Arme-Leute-Essen ähnelt. Brotscheiben werden in einer Eimischung getränkt und dann gebacken oder gebraten, oft mit Zucker oder Honig gesüßt. Sie waren eine beliebte Möglichkeit, altes Brot zu verwerten.
Im Mittelalter bezog sich ‚gesund‘ oft auf die Bekömmlichkeit und Nährhaftigkeit einer Speise. Ein Gericht galt als ‚gesund‘, wenn es leicht verdaulich war, Energie spendete und die Säfte des Körpers im Gleichgewicht hielt. Es ist nicht im modernen Sinne einer medizinischen Empfehlung zu verstehen.
Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland - Reichenau/Bodensee). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).
Im mittelalterlichen Kontext bedeutet ‚gesund‘ oft ‚bekömmlich‘ oder ‚nahrhaft‘, nicht nur ‚frei von Krankheit‘ im modernen Sinne.
‚Ital‘ bedeutet hier ‚nur‘ oder ‚bloß‘, was darauf hindeutet, dass ganze Eier verwendet werden sollen, im Gegensatz zu den Eigelb der ersten Variante.
Hier sind Brotscheiben gemeint, die in der Eimischung getränkt und dann gebacken werden, ähnlich dem modernen Arme-Leute-Essen oder French Toast.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| vil ayer totter | yolk Q16336079 |
| salcz | table salt Q11254 |
| zucker | unrefined cane sugar Q57656231 |
| ital ayer | chicken egg Q15260613 |
| safran | saffron Q25434 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
schnitten
Gewählte Lesart: Brotscheiben. Dies ist die gängige Interpretation für ‚Goldene Schnitten‘-Rezepte, die eine Art French Toast beschreiben.
Andere mögliche Lesart:
ital ayer
Gewählte Lesart: Ganze Eier. ‚Ital‘ bedeutet ‚nur‘ oder ‚bloß‘, was hier als Abgrenzung zu den Eigelb der ersten Variante zu verstehen ist.
Andere mögliche Lesart:
nit gesaltzen
Gewählte Lesart: Die Eimischung ist zunächst ungesalzen. Da im selben Rezept später Salz hinzugefügt wird, bezieht sich die Anweisung auf die anfängliche Zubereitung der Eimischung.
Andere mögliche Lesart:
gesund
Gewählte Lesart: Bekömmlich/nahrhaft. Im mittelalterlichen Kontext bezieht sich ‚gesund‘ oft auf die Verdaulichkeit und den Nährwert einer Speise.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 27.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.