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Goldene gebackene Schnitten

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit15 Min.Portionen2-4 PersonenBuchReichenauer Kochbuch (~1450)

Goldene Schnitten mit Eigelb: Nimm viele Eigelb und Salz. Schlage die Mischung und ziehe Brotscheiben hindurch. Backe die Schnitten und streue Zucker darauf. Das ist sehr bekömmlich.

Goldenes Brot mit ganzen Eiern und Safran: Für goldenes Brot nimm nur ganze Eier und Safran, und salze die Mischung zunächst nicht. Klopfe es untereinander und ziehe Brotscheiben hindurch. Gib danach Salz dazu.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
schnitten Brot, in Scheiben - - Weißbrot oder Brioche
vil ayer totter viele Eigelb - - -
salcz Salz - - -
zucker Zucker - - -
ital ayer ganze Eier - - -
safran Safran - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -

Welches Gericht ist das? Getränktes und gebackenes Weißbrot in Eimasse - der direkte Vorläufer der heutigen Armen Ritter beziehungsweise des French Toast. Die Handschrift nennt es selbst so: "guldin bachen schnitten", goldene gebackene Schnitten. Zwei Varianten stehen nebeneinander.

Die erste Variante bindet die Tunke mit Eigelb: Eigelb und Salz werden verschlagen, die Brotscheiben darin gezogen, gebacken und zum Schluss mit Zucker bestreut. Die zweite Variante nimmt statt Eigelb ganze Eier und färbt stattdessen mit Safran golden - der Text sagt das ausdrücklich mit "ital ayer" (nur/bloß ganze Eier, ohne Trennung). Bei dieser Variante wird zunächst ohne Salz verschlagen und das Salz erst nach dem Durchziehen der Schnitten zugegeben; warum die Reihenfolge so gewählt ist, sagt der Text nicht.

Ein enger Verwandter aus dem Rheinfränkischen Kochbuch (rfk-043) beschreibt dieselbe Technik in fast identischer Wortfolge und stützt, dass es sich um ein damals verbreitetes Grundrezept handelt.

Praxis. Eigelb beziehungsweise ganze Eier verschlagen, Weißbrotscheiben (ersatzweise Brioche) darin ziehen, in Fett in der Pfanne backen. Bei der Safran-Variante das Salz erst nach dem Backen der ersten Schnitten in die restliche Ei-Masse geben, wie es der Text vorsieht. Mit Zucker bestreut servieren.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, Goldstandard. Die Zutaten sind robust und gut lagerbar, und die Zubereitung ist mit einfachen Mitteln (Pfanne, Feuer oder Kocher) schnell erledigt. Ideal für ein süßes Frühstück oder eine Zwischenmahlzeit im Lager.

Was sind ‚Goldene Schnitten‘?

‚Goldene Schnitten‘ sind ein mittelalterliches Gericht, das dem heutigen French Toast oder Arme-Leute-Essen ähnelt. Brotscheiben werden in einer Eimischung getränkt und dann gebacken oder gebraten, oft mit Zucker oder Honig gesüßt. Sie waren eine beliebte Möglichkeit, altes Brot zu verwerten.

Warum wird das Gericht als ‚gesund‘ bezeichnet?

Im Mittelalter bezog sich ‚gesund‘ oft auf die Bekömmlichkeit und Nährhaftigkeit einer Speise. Ein Gericht galt als ‚gesund‘, wenn es leicht verdaulich war, Energie spendete und die Säfte des Körpers im Gleichgewicht hielt. Es ist nicht im modernen Sinne einer medizinischen Empfehlung zu verstehen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland - Reichenau/Bodensee). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).

guldin bachen schnitten Guldin schnitten nem vil ayer totter vnd salcz schlachs vnd zuch schnitta dar durch vnd bachs vnd stroe zucker dar vf daz ist gar gesund Zuo gold brott nim ital ayer vnd safran vnd nit gesaltzen vnd klopfz vnder ain ander vnd zuch schnitta dar durch vnd gib dar zuo salcz
gesund

Im mittelalterlichen Kontext bedeutet ‚gesund‘ oft ‚bekömmlich‘ oder ‚nahrhaft‘, nicht nur ‚frei von Krankheit‘ im modernen Sinne.

ital ayer

‚Ital‘ bedeutet hier ‚nur‘ oder ‚bloß‘, was darauf hindeutet, dass ganze Eier verwendet werden sollen, im Gegensatz zu den Eigelb der ersten Variante.

schnitten

Hier sind Brotscheiben gemeint, die in der Eimischung getränkt und dann gebacken werden, ähnlich dem modernen Arme-Leute-Essen oder French Toast.

Handschrift
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)
Folio
Fol. 117v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)
Entstehung
Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee), 1450
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

vil ayer totteryolk Q16336079
salcztable salt Q11254
zuckerunrefined cane sugar Q57656231
ital ayerchicken egg Q15260613
safransaffron Q25434

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartschnitten

Gewählte Lesart: Brotscheiben. Dies ist die gängige Interpretation für ‚Goldene Schnitten‘-Rezepte, die eine Art French Toast beschreiben.

Andere mögliche Lesart:

  • Teigschnitten - Obwohl ‚Schnitten‘ auch Teigstücke bedeuten kann, ist die Zubereitung (in Eimischung ziehen und backen) für Brotscheiben typischer.

Lesartital ayer

Gewählte Lesart: Ganze Eier. ‚Ital‘ bedeutet ‚nur‘ oder ‚bloß‘, was hier als Abgrenzung zu den Eigelb der ersten Variante zu verstehen ist.

Andere mögliche Lesart:

  • Reine Eier (z.B. nur Eiweiß oder nur Eigelb) - Diese Lesart ist weniger plausibel, da die erste Variante bereits Eigelb spezifiziert und ‚ital‘ in diesem Kontext eher ‚nur ganze Eier‘ bedeutet.

Lesartnit gesaltzen

Gewählte Lesart: Die Eimischung ist zunächst ungesalzen. Da im selben Rezept später Salz hinzugefügt wird, bezieht sich die Anweisung auf die anfängliche Zubereitung der Eimischung.

Andere mögliche Lesart:

  • Das Brot ist ungesalzen - Obwohl Brot gesalzen sein kann, ist es unwahrscheinlicher, dass sich die Anweisung auf das Brot bezieht, da die Salzzugabe später explizit für die Eimischung erfolgt.

Lesartgesund

Gewählte Lesart: Bekömmlich/nahrhaft. Im mittelalterlichen Kontext bezieht sich ‚gesund‘ oft auf die Verdaulichkeit und den Nährwert einer Speise.

Andere mögliche Lesart:

  • Gesund im modernen Sinne - Die moderne medizinische Bedeutung von ‚gesund‘ ist für das 15. Jahrhundert anachronistisch. Die humorale Pathologie der Zeit hatte eine andere Vorstellung von Gesundheit und Ernährung.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 117v, Sermones - Cod. Aug. pap. 125. [Reichenau], [15. Jahrh.]. Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Aug. pap. 125, https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:31-64893 / Public Domain Mark 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ka1 (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ka1-079
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Goldstandard: Einfache Zutaten, die gut lagerbar sind, und eine schnelle Zubereitung am offenen Feuer oder auf einem Kocher. Ideal für ein süßes Frühstück oder eine Zwischenmahlzeit.
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Stand dieser Fassung: 27.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.