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Gebackene Krause Eier

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit10 Min.Portionen2 PersonenBuchReichenauer Kochbuch (~1450)

Für Krause Eier schlage die Eier am breiten, stumpfen Ende auf und klopfe sie sehr gut. Gib Pfeffer, Safran, gehackte Petersilie und Salbei hinzu. Röste es wie einen Kuchen. Lege es dann auf einen Rost und brate es so fertig.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
ayer Eier - - -
pfeffer Pfeffer - - Weißer Pfeffer für eine hellere Farbe
safran Safran - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
gehacketen peterlin gehackte Petersilie - - -
salb jn an Salbei - - -

Welches Gericht ist das? Krause Eier sind ein Vorläufer der Kräuterfrittata: eine kräftig geschlagene, gewürzte Eimasse wird zunächst angebraten, bis sie fest wird, und dann auf dem Rost über Glut fertig gegart. Die Schwesterhandschrift Cgm 384 (m384-081) überliefert dasselbe Rezept nahezu wortgleich.

Salbei statt Salz. Wir lesen die Stelle "salb jn an" als Salbei, nicht als Verb "salzen". An genau dieser Stelle - zwischen der gehackten Petersilie und dem Röstschritt - hat m384-081 das Wort "salbin", zwei weitere Zeugen (mon-018, rfk-047) haben verwandte Formen. Die Würzung besteht damit aus Pfeffer, Safran, Petersilie und Salbei, ohne eigenes Wort für Salz.

Praxis. Schlage die Eier kräftig auf, damit eine homogene, luftige Masse entsteht. Brate sie zuerst in der Pfanne an, bis sie fest wird - wie bei einem flachen Fladen oder dicken Omelett -, und gare sie danach auf dem Rost über Glut fertig. Der zweite Garschritt über offener Glut liefert Röstaromen, die die Pfanne allein nicht gibt.

Was sind 'Krause Eier'?

Krause Eier (mhd. 'krosayer') sind ein Gericht aus geschlagenen Eiern, das beim Braten eine krümelige oder geronnene Textur erhält, ähnlich einem Rührei oder einem dicken Eierkuchen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, Goldstandard. Die Zutaten sind robust und die Zubereitung erfordert nur eine Pfanne und einen Rost über offenem Feuer, was es ideal für die Lagerküche macht.

Was bedeutet 'grossen spitz' im Rezept?

'Grossen spitz' bezeichnet das breite, stumpfe Ende des Eies (mit der Luftkammer), an dem es traditionell aufgeschlagen wird - nicht das spitze Ende.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland - Reichenau/Bodensee). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).

baches von krosayer Zuo krosayer schlach ayer zuo dem grossen spitz vnd klopf die gar wol tuo pfeffer vnd safran vnd gehacketen peterlin vnd salb jn an vnd rosch jn ainer kuochen vnd stoß es vff ainem rost vnd bratzs also
krosayer

‚Krause Eier‘ - ein Gericht aus geschlagenen Eiern, das beim Braten eine krümelige oder geronnene Textur erhält, ähnlich einem Rührei oder einem dicken Eierkuchen.

grossen spitz

Das breite, stumpfe Ende des Eies, an dem die Luftkammer sitzt und an dem es aufgeschlagen wird - nicht das spitze Ende. So auch die Schwesterhandschrift Cgm 384 und das Rheinfränkische Kochbuch.

salb jn an

Salbei. Die Schwesterhandschrift Cgm 384 hat an derselben Stelle in der Zutatenkette (nach Petersilie, vor dem Röstschritt) das Wort ‚salbin‘.

kuochen

Im mittelalterlichen Kontext kann ‚Kuchen‘ auch einen flachen Fladen oder Eierkuchen bezeichnen, der in einer Pfanne oder auf einem Backblech zubereitet wird.

rost

Ein Grillrost, auf dem das Gericht über Glut fertig gebraten wird.

Handschrift
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)
Folio
Fol. 118r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)
Entstehung
Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee), 1450
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

ayerchicken egg Q15260613
pfefferpepper Q3143131
safransaffron Q25434
gehacketen peterlinparsley Q25284
salb jn ancommon sage Q1111359

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartsalb jn an

Gewählte Lesart: Wir lesen ‚salb jn an‘ als die Zutat Salbei.

Andere mögliche Lesart:

  • Das Verb ‚salzen‘ bzw. ‚würzen‘. - Wörtlich naheliegende Lesart innerhalb der Aufzählung von Würzschritten, aber ohne eigenständigen Textbeleg für Salz und ohne Stütze in den Parallelhandschriften.

Lesartgrossen spitz

Gewählte Lesart: Wir lesen ‚grossen spitz‘ als das breite, stumpfe Ende des Eies, gestützt durch die wortgleiche Stelle in der Schwesterhandschrift Cgm 384 und im Rheinfränkischen Kochbuch.

Andere mögliche Lesart:

  • Das spitze Ende des Eies. - Naheliegende wörtliche Lesart von ‚spitz‘, wird aber von beiden unabhängigen Parallelzeugen widersprochen, die dieselbe Wendung eigens als stumpfes Ende erklären.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 118r, Sermones - Cod. Aug. pap. 125. [Reichenau], [15. Jahrh.]. Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Aug. pap. 125, https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:31-64893 / Public Domain Mark 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ka1 (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ka1-081
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Stand dieser Fassung: 27.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.