Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450
Für Krause Eier schlage die Eier am breiten, stumpfen Ende auf und klopfe sie sehr gut. Gib Pfeffer, Safran, gehackte Petersilie und Salbei hinzu. Röste es wie einen Kuchen. Lege es dann auf einen Rost und brate es so fertig.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ayer | Eier | - | - | - |
| pfeffer | Pfeffer | - | - | Weißer Pfeffer für eine hellere Farbe |
| safran | Safran | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | - |
| gehacketen peterlin | gehackte Petersilie | - | - | - |
| salb jn an | Salbei | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Krause Eier sind ein Vorläufer der Kräuterfrittata: eine kräftig geschlagene, gewürzte Eimasse wird zunächst angebraten, bis sie fest wird, und dann auf dem Rost über Glut fertig gegart. Die Schwesterhandschrift Cgm 384 (m384-081) überliefert dasselbe Rezept nahezu wortgleich.
Salbei statt Salz. Wir lesen die Stelle "salb jn an" als Salbei, nicht als Verb "salzen". An genau dieser Stelle - zwischen der gehackten Petersilie und dem Röstschritt - hat m384-081 das Wort "salbin", zwei weitere Zeugen (mon-018, rfk-047) haben verwandte Formen. Die Würzung besteht damit aus Pfeffer, Safran, Petersilie und Salbei, ohne eigenes Wort für Salz.
Praxis. Schlage die Eier kräftig auf, damit eine homogene, luftige Masse entsteht. Brate sie zuerst in der Pfanne an, bis sie fest wird - wie bei einem flachen Fladen oder dicken Omelett -, und gare sie danach auf dem Rost über Glut fertig. Der zweite Garschritt über offener Glut liefert Röstaromen, die die Pfanne allein nicht gibt.
Krause Eier (mhd. 'krosayer') sind ein Gericht aus geschlagenen Eiern, das beim Braten eine krümelige oder geronnene Textur erhält, ähnlich einem Rührei oder einem dicken Eierkuchen.
Ja, Goldstandard. Die Zutaten sind robust und die Zubereitung erfordert nur eine Pfanne und einen Rost über offenem Feuer, was es ideal für die Lagerküche macht.
'Grossen spitz' bezeichnet das breite, stumpfe Ende des Eies (mit der Luftkammer), an dem es traditionell aufgeschlagen wird - nicht das spitze Ende.
Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland - Reichenau/Bodensee). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).
‚Krause Eier‘ - ein Gericht aus geschlagenen Eiern, das beim Braten eine krümelige oder geronnene Textur erhält, ähnlich einem Rührei oder einem dicken Eierkuchen.
Das breite, stumpfe Ende des Eies, an dem die Luftkammer sitzt und an dem es aufgeschlagen wird - nicht das spitze Ende. So auch die Schwesterhandschrift Cgm 384 und das Rheinfränkische Kochbuch.
Salbei. Die Schwesterhandschrift Cgm 384 hat an derselben Stelle in der Zutatenkette (nach Petersilie, vor dem Röstschritt) das Wort ‚salbin‘.
Im mittelalterlichen Kontext kann ‚Kuchen‘ auch einen flachen Fladen oder Eierkuchen bezeichnen, der in einer Pfanne oder auf einem Backblech zubereitet wird.
Ein Grillrost, auf dem das Gericht über Glut fertig gebraten wird.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| ayer | chicken egg Q15260613 |
| pfeffer | pepper Q3143131 |
| safran | saffron Q25434 |
| gehacketen peterlin | parsley Q25284 |
| salb jn an | common sage Q1111359 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
salb jn an
Gewählte Lesart: Wir lesen ‚salb jn an‘ als die Zutat Salbei.
Andere mögliche Lesart:
Gewählte Lesart: Wir lesen ‚grossen spitz‘ als das breite, stumpfe Ende des Eies, gestützt durch die wortgleiche Stelle in der Schwesterhandschrift Cgm 384 und im Rheinfränkischen Kochbuch.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 27.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.