Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Elsässer Knoblauch-Salse

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit10 Min.Portionen2-4 PersonenBuchReichenauer Kochbuch (~1450)

Mache eine Salse aus Knoblauch. Stoße dafür älteren Knoblauch mit Weißbrot und Essig. Dies nennt man Elsässer Knoblauch.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
alltem knobloch Älterer Knoblauch - - Frischer Knoblauch, wenn älterer nicht verfügbar ist
wissem brot Weißbrot - - -
essich Essig - - -

Welches Gericht ist das? Eine im Mörser zerstoßene Paste aus älterem Knoblauch, Weißbrot und Essig - im Text selbst „Elsässer Knoblauch“ genannt. Die Textur erinnert an lebende Verwandte wie die griechische Skordalia oder an heutige Knoblauch-Brot-Aufstriche im elsässisch-badischen Raum.

„Saltz“ steht hier für eine Salse, nicht für Speisesalz - die Zusammensetzung aus Knoblauch, Brot und Essig macht das eindeutig, ganz ohne Kochschritt.

Aufkochen. Erst durch kurzes Aufkochen wird aus der gestoßenen, durchgezogenen Mischung eine Salse: Beim Erhitzen verkleistert die Stärke im Brot und bindet die Tunke. Kalt bliebe eine dünne, trübe Flüssigkeit. Der Text sagt das nicht eigens, es ist vorausgesetzt.

Praxis. Älteren, also kräftiger ausgereiften Knoblauch mit Weißbrot und Essig im Mörser zu einer streichfähigen Paste zerstoßen und kurz aufkochen, bis die Salse bindet. Das Weißbrot bindet, der Essig würzt und macht haltbar. Mengenverhältnisse nennt der Text nicht - nach Geschmack dosieren.

Was ist eine Salse?

Eine Salse ist eine würzige Tunke oder Sauce, die im Mittelalter oft zu Fleisch, Fisch oder Gemüse gereicht wurde. Sie dient als Geschmacksgeber.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, Goldstandard. Die Zubereitung ist sehr schnell und erfordert nur einfache Utensilien wie einen Mörser. Alle Zutaten sind robust und benötigen keine Kühlung.

Was bedeutet 'älterer Knoblauch'?

‚Älterer Knoblauch‘ kann Knoblauch bezeichnen, der bereits länger gelagert wurde und dadurch einen intensiveren, oft schärferen Geschmack entwickelt hat. Alternativ kann auch frischer Knoblauch verwendet werden, der dann eventuell etwas milder schmeckt.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland - Reichenau/Bodensee). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).

Saltz von knobloch von alltem knobloch mach ain saltz gestossen mit wissem brot vnd essich daz haisset ain elsasser knobloch
Saltz

Im Mittelalter bezeichnete ‚Saltz‘ oft eine würzige Tunke oder Salse, nicht nur Speisesalz.

gestossen

Zutaten wurden im Mörser zerstoßen, um eine feine Paste oder Emulsion zu erhalten.

Handschrift
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)
Folio
Fol. 118v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)
Entstehung
Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee), 1450
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

wissem brotwhite bread Q1501889
essichvinegar Q41354

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartSaltz

Gewählte Lesart: Die Lesart ‚Salse‘ (würzige Tunke) wurde gewählt.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Lesart ‚Salz‘ (Speisesalz) wäre eine Alternative. - Der Kontext ‚mach ain saltz‘ und die Kombination der Zutaten (Knoblauch, Brot, Essig) sprechen stark für eine Sauce und nicht für reines Speisesalz. Die historische Verwendung von ‚Saltz‘ als Salse ist gut belegt.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 118v, Sermones - Cod. Aug. pap. 125. [Reichenau], [15. Jahrh.]. Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Aug. pap. 125, https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:31-64893 / Public Domain Mark 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ka1 (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ka1-087
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Im Mörser schnell zubereitet, robuste Zutaten ohne Kühlbedarf. Ideal für die Lagerküche.
Alle Rezepte aus Reichenauer Kochbuch Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.

Stand dieser Fassung: 28.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.