Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450
Ebenso: Petersilie und Roggenbrot gestoßen und mit Essig durchgezogen. Diese Salse ist gut zu einem Braten.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| peterlin | Petersilie | - | - | - |
| ruggin brott | Roggenbrot | - | - | - |
| essich | Essig | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Die schlanke Grund-Salse des Blocks: eine grüne Kräuter-Salse aus Petersilie und Roggenbrot, mit Essig passiert - ein direkter Vorfahr der grünen Sauce / Salsa verde. Auf genau dieses Verfahren verweist das folgende Rezept ka1-088 mit ‚als vor geschriben ist'.
Technik: Petersilie und Roggenbrot im Mörser fein stoßen und mit Essig durch ein Tuch passieren. Das Brot bindet (das mittelalterliche Bindemittel schlechthin), der Essig macht die Sauce frisch-sauer - laut Text ‚guot zuo ains schlop bratten', also gut zu einem Braten.
Aufkochen. Erst durch kurzes Aufkochen wird aus der gestoßenen, durchgezogenen Mischung eine Salse: Beim Erhitzen verkleistert die Stärke im Brot und bindet die Tunke. Kalt bliebe eine dünne, trübe Flüssigkeit. Der Text sagt das nicht eigens, es ist vorausgesetzt.
Praxis: Eine Handvoll Petersilie mit etwas eingeweichtem Roggenbrot mörsern, mit Essig zu einer streichfähigen grünen Sauce verrühren, durch ein Sieb streichen und kurz aufkochen, bis die Salse bindet. Die Basis-Variante des Salse-Blocks - reicher wird sie mit Eigelb und Birnen (ka1-085), als Kräuter-Variante mit Zwiebeln/Salbei (ka1-088).
Im mittelalterlichen Kontext, besonders in süddeutschen Kochbüchern wie Cgm 384, ist eine Salse (oder ‚Saltz') eine würzige, oft säuerliche oder süß-saure Sauce, die als Beilage zu Fleisch- oder Fischgerichten serviert wird. Sie ergänzt und verfeinert den Geschmack des Hauptgerichts.
Ja, ein Goldstandard für die Lagerküche. Es braucht nur robuste Zutaten ohne Kühlung, und die Zubereitung ist mit Mörser und Sieb in wenigen Minuten erledigt.
‚Gestossen' heißt, Petersilie und Roggenbrot im Mörser fein zu zerstampfen; ‚durch gezogen' beschreibt das anschließende Passieren der Masse durch ein feines Tuch oder Sieb, um eine glatte Sauce zu erhalten.
Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland - Reichenau/Bodensee). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).
Der Saucenname (Salse): eine würzige, oft säuerliche Tunke zu Fleisch oder Fisch - nicht Speisesalz und nicht im Sinne einer Sülze oder Gallerte.
‚Gestoßen'/zerstampft, typischerweise im Mörser, um eine feine Paste zu erhalten.
‚Durchgezogen' = das Passieren der Masse durch ein Tuch oder Sieb für eine feine, glatte Konsistenz.
‚Gut zu einem Braten' - die Salse ist als säuerliche Begleitsauce zu gebratenem Fleisch gedacht (die Säure kontert das Fett).
Die Münchner Parallelhandschrift (m384-003) schreibt an dieser Stelle nur ‚aim brautten' (‚einem Braten'); was das zusätzliche Wort ‚schlop' im Reichenauer Kochbuch genau bezeichnet, ist unklar.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| peterlin | parsley Q25284 |
| ruggin brott | rye bread Q3893120 |
| essich | vinegar Q41354 |
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 28.09.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.