Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Salse mit Petersilie und Roggenbrot

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit10 Min.Portionen1 Schälchen Sauce (für 4-6 Personen)BuchReichenauer Kochbuch (~1450)

Ebenso: Petersilie und Roggenbrot gestoßen und mit Essig durchgezogen. Diese Salse ist gut zu einem Braten.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
peterlin Petersilie - - -
ruggin brott Roggenbrot - - -
essich Essig - - -

Welches Gericht ist das? Die schlanke Grund-Salse des Blocks: eine grüne Kräuter-Salse aus Petersilie und Roggenbrot, mit Essig passiert - ein direkter Vorfahr der grünen Sauce / Salsa verde. Auf genau dieses Verfahren verweist das folgende Rezept ka1-088 mit ‚als vor geschriben ist'.

Technik: Petersilie und Roggenbrot im Mörser fein stoßen und mit Essig durch ein Tuch passieren. Das Brot bindet (das mittelalterliche Bindemittel schlechthin), der Essig macht die Sauce frisch-sauer - laut Text ‚guot zuo ains schlop bratten', also gut zu einem Braten.

Aufkochen. Erst durch kurzes Aufkochen wird aus der gestoßenen, durchgezogenen Mischung eine Salse: Beim Erhitzen verkleistert die Stärke im Brot und bindet die Tunke. Kalt bliebe eine dünne, trübe Flüssigkeit. Der Text sagt das nicht eigens, es ist vorausgesetzt.

Praxis: Eine Handvoll Petersilie mit etwas eingeweichtem Roggenbrot mörsern, mit Essig zu einer streichfähigen grünen Sauce verrühren, durch ein Sieb streichen und kurz aufkochen, bis die Salse bindet. Die Basis-Variante des Salse-Blocks - reicher wird sie mit Eigelb und Birnen (ka1-085), als Kräuter-Variante mit Zwiebeln/Salbei (ka1-088).

Was ist eine 'Salse'?

Im mittelalterlichen Kontext, besonders in süddeutschen Kochbüchern wie Cgm 384, ist eine Salse (oder ‚Saltz') eine würzige, oft säuerliche oder süß-saure Sauce, die als Beilage zu Fleisch- oder Fischgerichten serviert wird. Sie ergänzt und verfeinert den Geschmack des Hauptgerichts.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, ein Goldstandard für die Lagerküche. Es braucht nur robuste Zutaten ohne Kühlung, und die Zubereitung ist mit Mörser und Sieb in wenigen Minuten erledigt.

Was bedeutet 'gestossen und durch gezogen'?

‚Gestossen' heißt, Petersilie und Roggenbrot im Mörser fein zu zerstampfen; ‚durch gezogen' beschreibt das anschließende Passieren der Masse durch ein feines Tuch oder Sieb, um eine glatte Sauce zu erhalten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland - Reichenau/Bodensee). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).

Saltz Och mit peterlin vnd mit ruggin brott gestossen vnd durch gezogen mit essich die saltz ist guot zuo ains schlop bratten
Saltz / saltz

Der Saucenname (Salse): eine würzige, oft säuerliche Tunke zu Fleisch oder Fisch - nicht Speisesalz und nicht im Sinne einer Sülze oder Gallerte.

gestossen

‚Gestoßen'/zerstampft, typischerweise im Mörser, um eine feine Paste zu erhalten.

durch gezogen

‚Durchgezogen' = das Passieren der Masse durch ein Tuch oder Sieb für eine feine, glatte Konsistenz.

guot zuo ains schlop bratten

‚Gut zu einem Braten' - die Salse ist als säuerliche Begleitsauce zu gebratenem Fleisch gedacht (die Säure kontert das Fett).

ains schlop bratten

Die Münchner Parallelhandschrift (m384-003) schreibt an dieser Stelle nur ‚aim brautten' (‚einem Braten'); was das zusätzliche Wort ‚schlop' im Reichenauer Kochbuch genau bezeichnet, ist unklar.

Handschrift
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)
Folio
Fol. 118v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)
Entstehung
Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee), 1450
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

peterlinparsley Q25284
ruggin brottrye bread Q3893120
essichvinegar Q41354

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 118v, Sermones - Cod. Aug. pap. 125. [Reichenau], [15. Jahrh.]. Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Aug. pap. 125, https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:31-64893 / Public Domain Mark 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ka1 (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ka1-086
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Goldstandard: Robuste Zutaten, einfache Zubereitung in wenigen Minuten. Ideal für die Lagerküche.
Alle Rezepte aus Reichenauer Kochbuch Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.

Stand dieser Fassung: 28.09.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.