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Salse mit Petersilie, Salbei und Birnen

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9.4/10
Zubereitungszeit15 Min.Portionen4-6 PersonenBuchReichenauer Kochbuch (~1450)

Mach eine von mehreren Salsen so: nimm Petersilie, Salbei und Roggenbrot, dazu Eigelb und Birnenkuchen (Birnenzelten). Stoße alles fein, hebe es mit Essig auf und streiche es durch ein Tuch.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
peterlin Petersilie - - -
salbinen Salbei - - -
ruggin brott Roggenbrot - - -
ayer toter Eigelb - - -
bymen zelten Birnenzelten (Birnenfladen) - Wochenmarkt, Hofladen (Birnen-/Früchtebrot); Lebkuchen als Ersatz geriebener Lebkuchen oder Hutzelbrot/Früchtebrot
essich Essig - - -

Welches Gericht ist das? Die reichste Sauce des kleinen Salse-Blocks: eine grüne, süß-saure Kräuter-Salse mit Eigelb und Birnenzelten - ein früher Verwandter der grünen Sauce / Salsa verde, hier aber mit Frucht-Süße und Eigelb-Bindung. Zu Gebratenem. Vgl. die schlichtere Block-Variante ka1-086 (nur Petersilie und Roggenbrot).

Technik: Petersilie, Salbei, Roggenbrot, Eigelb und Birnenzelten im Mörser fein stoßen, mit Essig verrühren und durch ein Tuch streichen. Brot, Eigelb und das geriebene Birnen-Backwerk binden zugleich, die Birnen-Süße steht gegen die Essig-Säure (süß-sauer), die Kräuter geben Farbe und Würze.

Aufkochen. Erst durch kurzes Aufkochen wird aus der gestoßenen, durchgezogenen Mischung eine Salse: Beim Erhitzen verkleistert die Stärke im Brot und bindet die Tunke. Kalt bliebe eine dünne, trübe Flüssigkeit. Der Text sagt das nicht eigens, es ist vorausgesetzt.

Praxis: Birnenzelten sind ein flaches, gewürztes Birnen-Backwerk (Birnenfladen, in der Funktion wie Lebkuchen), das fein gerieben als Binder und Süßungsträger dient - nicht zu verwechseln mit getrockneten Birnenscheiben. Ersatzweise einen kleinen Lebkuchen oder ein Stück Hutzelbrot/Früchtebrot reiben. Eine Handvoll Petersilie mit ein paar Salbeiblättern, etwas eingeweichtem Roggenbrot, 1-2 Eigelb und 1-2 EL geriebenem Birnenzelten (oder Lebkuchen) fein mörsern, mit Essig zu einer glatten Sauce verrühren, durch ein Sieb streichen und kurz aufkochen, bis die Salse bindet. Gehört zum Salse-Block der Handschrift (vgl. ka1-086, m384-004, m384-006).

Was sind ‚Birnenzelten‘?

Birnenzelten sind ein flaches, gewürztes Birnen-Backwerk (zelten = Fladen / flacher Kuchen), verwandt mit dem Lebzelten (Lebkuchen) - Ehlert übersetzt ‚Birnenkuchen'. Sie wurden fein gerieben als Süßungsmittel und Bindemittel in Saucen verwendet. Es sind keine getrockneten Birnenscheiben. Ersatzweise reibst du einen kleinen Lebkuchen oder ein Stück Hutzelbrot/Früchtebrot.

Heißt ‚peterli selbin‘ ‚Petersilie selbst‘?

Nein - selbin ist hier Salbei, ein zweites Kraut. Das zeigt der unmittelbare Block-Zwilling ka1-088, wo dasselbe Wort ebenfalls als salbinen (= Salbei) in einer gleichartigen Kräuter-Aufzählung steht. Die Salse enthält also Petersilie und Salbei.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, gut geeignet. Die Zutaten sind robust, und die Zubereitung im Mörser oder mit einem Blender ist schnell erledigt. Lediglich die Eigelbe brauchen eine Kühlkette, lassen sich aber frisch am Markttag besorgen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland - Reichenau/Bodensee). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).

Saltz von fil saltzen mach also nim peterlin salbinen vnd ruggin brott ayer toter vnd bymen zelten vnd stoß es wol klain vnd heb es vff mit essich vnd zuchs durch
Saltz

Der Saucenname (Salse), keine Zutat: eine würzige, oft säuerliche Tunke zu Fleisch oder Fisch - nicht Speisesalz und nicht mit moderner Sülze zu verwechseln. Mehrere aufeinanderfolgende Rezepte tragen diese Rubrik (Salse-Block).

peterlin salbinen

Petersilie und Salbei - zwei Kräuter: peterlin = Petersilie, salbinen = Salbei, wie der Block-Zwilling ka1-088 zeigt, wo dasselbe Wort ebenfalls als salbinen = Salbei steht (die Münchner Parallelhandschrift m384-004 schreibt an der Stelle sälbin).

bymen zelten

‚Birnenzelten' (ka1: bymen zelten) ist ein flaches, gewürztes Birnen-Backwerk (zelten = Fladen / flacher Kuchen), das gerieben als Süßungsmittel und Bindemittel dient - verwandt mit dem Lebzelten (Lebkuchen). Die Münchner Parallelhandschrift schreibt ‚birnen czelten'; Ehlert übersetzt das als ‚Birnenkuchen'. Nicht getrocknete Birnenscheiben (Dörrobst).

stoß es wol klain / zuchs durch

Im Mörser fein stoßen und durch ein Tuch streichen - Standard für eine glatte, ‚höfische' Saucenkonsistenz.

von fil saltzen

Ka1 rahmt die Einleitung als ‚von vil Salsen, mach es so' - ein Hinweis, dass dieses Rezept zu einer größeren Reihe von Salse-Rezepten gehört, während die Münchner Parallelhandschrift m384-002 die schlichtere Wenn-Dann-Formel ‚Willst du Salse machen, so nimm' verwendet.

heb es vff

Die Münchner Parallelhandschrift schreibt hier ‚mer es' (mehre/reichere es mit Essig an) statt ‚heb es vff' (heb/rühr es mit Essig auf) - beide beschreiben das Anrühren mit Essig, unterscheiden sich aber im Verb.

Handschrift
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)
Folio
Fol. 118v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)
Entstehung
Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee), 1450
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

peterlinparsley Q25284
salbinencommon sage Q1111359
ruggin brottrye bread Q3893120
ayer toteryolk Q16336079
bymen zeltengingerbread for sauce Q1468150
essichvinegar Q41354

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartbymen zelten

Gewählte Lesart: ‚bymen zelten' = Birnenzelten, ein flaches gewürztes Birnen-Backwerk (zelten = Fladen / flacher Kuchen), gerieben als Binder und Süßungsträger. Die Münchner Parallelhandschrift schreibt ‚birnen czelten'; Ehlert übersetzt das als ‚Birnenkuchen'. Das Korpus-Glossar verzeichnet zelten/bimezelten als flaches (Gewürz-)Backwerk, verwandt mit dem Lebzelten (Lebkuchen).

Andere mögliche Lesart:

  • birnen czelten als getrocknete Birnenscheiben (Dörrobst). - Im Erstentwurf so gelesen, durch Ehlert 1999 (‚Birnenkuchen') und das Korpus-Glossar (zelten = Fladen / flacher Kuchen) widerlegt: gemeint ist ein gebackener Birnenfladen, kein rohes Dörrobst.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 118v, Sermones - Cod. Aug. pap. 125. [Reichenau], [15. Jahrh.]. Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Aug. pap. 125, https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:31-64893 / Public Domain Mark 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ka1 (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ka1-085
LagerkücheLagerküche
Im Mörser oder Blender schnell zubereitet. Frische Eigelbe sind der einzige Kühlengpass, können aber morgens am Markttag gekauft werden.
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Stand dieser Fassung: 28.09.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.