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Ziegenfleisch in Pfeffersauce

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581

LesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchEin new Kochbuch (~1581)

Ziegenfleisch in einer Pfeffersauce ist ebenfalls nicht schlecht.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Geißfleisch Ziegenfleisch (vom jungen Tier, laut Kapitelüberschrift) - Metzger, Ziegenhof -

Welches Gericht ist das? Kein ausgeführtes Rezept, sondern ein Kurzeintrag im Ziegenkapitel: Fleisch von der jungen Ziege, in einem Pfeffer zubereitet, sei „auch nicht boͤß“. Belegt ist nur die Gerichtsart, eine gebundene, gepfefferte Sauce, in der das Fleisch aufgetragen wird.

Welcher Pfeffer? Rumpolt nennt hier weder Bindung noch Würze. Wie er einen Pfeffer an anderer Stelle macht, zeigt die Ochsenzunge (Nr. 18): Hühnerblut, Essig und kalte Rindfleischbrühe mit Zwiebeln, Äpfeln und Brot, gesotten und durch ein Tuch gestrichen. Das ist ein Beleg aus einem anderen Kapitel, keine Vorgabe für dieses Ziegenfleisch.

Was fehlt. Welches Stück, ob gesotten oder gebraten, wie lange, welche Würze: Das lässt Rumpolt offen, und hier wird nichts davon ergänzt.

Praxis. Wer es nachkochen will, gart Ziegenfleisch nach eigenem Ermessen und richtet es in einer gebundenen, gepfefferten Sauce an; Nr. 18 kann dafür als Muster dienen. Alles Weitere ist eigene Entscheidung, nicht Rumpolts Vorgabe.

Was ist mit „Pfeffer“ gemeint?

Bei Rumpolt meint „in einem Pfeffer“ ein Gericht: eine gebundene, gepfefferte Sauce. Wie er einen solchen Pfeffer an anderer Stelle macht, zeigt die Ochsenzunge (Nr. 18) mit Hühnerblut, Essig und Brühe, durch ein Tuch gestrichen. Für das Ziegenfleisch nennt er an dieser Stelle keine Zutaten.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Nein: Der Satz enthält keine Zubereitung, weder Fleischstück noch Garart noch Würzung. Dazu kommt, dass frisches Ziegenfleisch eine Kühlkette braucht.

Warum ist das Rezept so kurz?

Rumpolt zählt im Ziegenkapitel neben ausgeführten Rezepten auch Kurzeinträge mit, die nur eine Zubereitungsart nennen. Dieselbe Formel „ist auch nicht boͤß“ steht zum Beispiel beim warm gesottenen Rindfleisch im Ochsenkapitel (Nr. 54). Ob er die Zubereitung als bekannt voraussetzte, sagt er nicht.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.

27. Geißfleisch in einem Pfeffer ist auch nicht boͤß.
Pfeffer

Hier ein Gericht, nicht das Gewürz allein: eine gebundene, gepfefferte Sauce, in der das Fleisch aufgetragen wird. Rumpolt verwendet „in einem Pfeffer“ mehrfach in diesem Sinn, etwa bei den Ochsenohren (Nr. 4) und der Ochsenzunge (Nr. 18). Welche Zutaten dieser Pfeffer hat, sagt der Druck an dieser Stelle nicht.

nicht boͤß

Verneinung des Gegenteils: „nicht schlecht“, also brauchbar, ordentlich. Böse heißt im älteren Deutsch auch schlicht schlecht oder minderwertig. Die Wendung ist zurückhaltend und nicht als Lob wie „köstlich“ zu lesen.

Geißfleisch

Geiß = Ziege. Die Kapitelüberschrift spricht von einer „jungen Geiß“, gemeint ist also Fleisch vom jungen Tier (Zicklein). Der Satz selbst sagt nur „Geißfleisch“.

Druck
Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle
Teil
Von der jungen Geiß
Sprache
Frühneuhochdeutsch (Frankfurter Druckersprache mit oberdeutscher Schreibung, südwestdeutsch/rhein-mainischer Küchenwortschatz, 1581)
Entstehung
Frankfurt am Main, 1581

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Geißfleischmeat Q10990

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartin einem Pfeffer

Gewählte Lesart: Als Gericht „Pfeffer“ gelesen, also eine gebundene, gepfefferte Sauce, übersetzt mit „Pfeffersauce“. Rumpolt verwendet die Wendung mit Artikel auch bei den Ochsenohren (Nr. 4) und der Ochsenzunge (Nr. 18), wo die Sauce ausgeführt ist.

Andere mögliche Lesart:

  • Nur das Gewürz: mit Pfeffer gewürztes Ziegenfleisch - Unwahrscheinlicher, weil „in einem Pfeffer“ bei Rumpolt sonst durchgehend das Gericht meint.

Lesartnicht boͤß

Gewählte Lesart: „nicht schlecht“: Litotes, die Verneinung des Gegenteils; böse trägt im Frühneuhochdeutschen auch die Bedeutung schlecht, minderwertig. Dieselbe Formel steht bei Nr. 54.

Andere mögliche Lesart:

  • „gut“ oder „schmackhaft“ - Steigert die bewusst zurückhaltende Wertung zu einem Lob, das der Satz nicht ausspricht.

LesartGeißfleisch

Gewählte Lesart: Fleisch von der jungen Ziege: Die Kapitelüberschrift lautet „Von einer jungen Geiß“, der Eintrag gehört zu diesem Kapitel.

Andere mögliche Lesart:

  • Fleisch einer erwachsenen Geiß - Der Satz selbst nennt kein Alter; die Kapitelüberschrift spricht aber dagegen.

Originalwerk (~1581) gemeinfrei.

Bildquelle
Bl. XXXIIIIb, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, PPN824825497 Quelle öffnen
Transkription
Deutsches Textarchiv (DTA), Transkription Justus-Liebig-Universität Gießen 2013 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/rum-0249
LagerkücheLagerküche
Kein Rezept: Der Satz nennt nur die Gerichtsart, keinen Arbeitsschritt, den man am Lager nachkochen könnte. Frisches Ziegenfleisch wäre wegen der Kühlkette ohnehin höchstens eingeschränkt geeignet.
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Stand dieser Fassung: 30.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.