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Fasten-Krapfen mit Nuss-Feigen-Füllung

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9.3/10
Zubereitungszeit90 Min.Portionen4-6 PersonenBuchReichenauer Kochbuch (~1450)

Fasten-Krapfen machst du so:

Nimm rohe Nüsse und Feigen. Stoße sie untereinander und würze sie. Lege die Masse in eine Pfanne mit Öl, sodass sie aufwallt.

Danach umhülle die Masse mit aufgegangenem Teig in Krapfen-Weise und backe sie. Serviere die Krapfen kalt oder mit einer trockenen Gewürzmischung.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
grun nueß Rohe Nüsse - - Walnüsse oder Haselnüsse
figan Feigen - Supermarkt -
oel Pflanzenöl - - -
bewuertz die Gewürze - - -
erhabnem taig Aufgegangener Teig - - Hefeteig aus Weizenmehl, Wasser und Hefe
duerren pfeffer Trockene Gewürzmischung - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel Gemahlener Pfeffer

Welches Gericht ist das? Ein mit rohen Nüssen und Feigen gefüllter Fasten-Krapfen: die Füllung wird kurz in heißem Öl erhitzt, dann in aufgegangenen Hefeteig eingeschlagen und frittiert - ein früher Verwandter des heutigen gefüllten Berliners, hier aber mit einer herzhaft-süßen Trockenfrucht-Füllung statt Marmelade, wie sie zur Fastenzeit passte.

Welche Gewürze für die Füllung? Der Text nennt beim Würzbefehl kein einzelnes Gewürz. Welche Gewürze gemeint sind, sagt die Quelle nicht - die Wahl bleibt dir überlassen.

Praxis. Stoße rohe Nüsse und Feigen im Mörser grob zusammen und würze nach eigenem Geschmack. Erhitze die Masse kurz in einer Pfanne mit Öl, bis sie aufwallt - das bindet und röstet die Füllung leicht an, bevor sie in den Teig kommt. Schlage sie in aufgegangenen Hefeteig ein, forme Krapfen daraus und backe sie im heißen Fett aus, bis sie goldbraun sind. Serviere die Krapfen kalt oder bestreut mit einer trockenen, pfefferbetonten Gewürzmischung.

Was sind Krapfen im mittelalterlichen Kontext?

Krapfen waren im Mittelalter frittierte Teiggebäcke, die in vielfältigen Formen und Füllungen vorkamen. Sie konnten süß oder herzhaft sein und wurden oft zu Festtagen oder in der Fastenzeit (dann ohne Fleisch und tierische Fette) zubereitet.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, gut geeignet. Die Zubereitung der Krapfen durch Frittieren ist am offenen Feuer mit einem Topf oder Dutch Oven gut umsetzbar. Der aufgegangene Teig kann am Vortag vorbereitet oder morgens angesetzt werden, und die Füllung aus Nüssen und Feigen ist schnell gemörsert. Die Zutaten sind robust und benötigen keine aufwendige Kühlung.

Was bedeutet ‚duerren pfeffer‘ im Rezept?

‚Duerren pfeffer‘ bezieht sich auf eine trockene Gewürzmischung, die zum Bestreuen oder als Beigabe zu den Krapfen dient. Der Text nennt dabei nur den Pfeffer als Grundlage - welche weiteren Gewürze gemeint sind, bleibt offen und liegt bei dir.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland - Reichenau/Bodensee). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).

krapfen in der vasten krapfen in der vasten mach also nem grun nueß vnd nem figan vnd stoß die vnder enander vnd bewuertz die vnd legs in ain pfannen in oel daz es erwalle dar nach bewallen mit erhabnem taig in krapfen wiß vnd bach es vnd gib es kalt oder in ainem duerren pfeffer
krapfen in der vasten

‚Krapfen in der Fastenzeit‘. Krapfen sind frittierte Teiggebäcke, die im Mittelalter sowohl süß als auch herzhaft zubereitet wurden. Die Fastenzeit erforderte den Verzicht auf Fleisch und tierische Fette (außer Fisch und manchmal Butter mit päpstlichem Dispens).

grun nueß

‚Rohe Nüsse‘. Das Adjektiv ‚grun‘ bezieht sich hier auf den unverarbeiteten, rohen Zustand der Nüsse, nicht auf ihre Farbe oder Frische.

figan

Feigen. Getrocknete Feigen waren im Mittelalter eine beliebte Süßigkeit und Zutat, besonders in der Fastenzeit.

erwalle

‚aufwallen lassen‘ oder ‚erhitzen‘. Die Nuss-Feigen-Masse wird kurz in Öl erhitzt, bevor sie in den Teig gefüllt wird.

erhabnem taig

‚Aufgegangenem Teig‘. Dies deutet auf einen Hefeteig oder Sauerteig hin, der vor der Verarbeitung gehen gelassen wurde.

duerren pfeffer

‚Trockene Gewürzmischung‘. Dies ist eine Gewürzmischung, die trocken (nicht flüssig) als Beigabe oder zum Bestreuen der Krapfen dient. Im Mittelalter waren süß-würzige Kombinationen sehr beliebt.

Handschrift
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)
Folio
Fol. 117v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)
Entstehung
Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee), 1450
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

figanfig Q2746643
oelcooking oil Q427457
bewuertz diespice Q42527
duerren pfefferlong pepper Q685336

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartbewallen mit erhabnem taig

Gewählte Lesart: Die Phrase wurde als ‚umhülle mit aufgegangenem Teig‘ übersetzt. ‚Bewallen‘ wird hier im Sinne von ‚umgeben‘ oder ‚einhüllen‘ verstanden, während ‚erhabnem‘ sich auf einen Hefeteig oder Sauerteig bezieht, der bereits gegangen ist.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine alternative Lesart für ‚bewallen‘ könnte ‚aufwallen lassen‘ sein, was jedoch im Kontext von Teig weniger plausibel ist. - Die MHDBDB-Einträge für ‚bewallen‘ beziehen sich oft auf Gewässer oder Bewegung, was nicht direkt zum Umhüllen mit Teig passt. Die Lesart ‚umhüllen‘ ist jedoch durch den Kontext des Krapfenbackens und die Parallelüberlieferung (m384-078: ‚bewollen‘) gestützt.

Lesartduerren pfeffer

Gewählte Lesart: Die Lesart ‚trockene Gewürzmischung‘ wurde gewählt. ‚Duerren‘ bedeutet ‚trocken‘ oder ‚getrocknet‘, und ‚pfeffer‘ kann sich auf das Gewürz selbst oder eine pfefferbasierte Würzmischung beziehen. Eine trockene Mischung passt gut zu frittierten Krapfen.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine alternative Lesart wäre ‚trockenes Pfefferbrot‘, also ein gewürztes und getrocknetes Brot, das zerbröselt als Beigabe dient. - Pfefferbrot war ein bekanntes Gewürzbrot, das auch als Saucenbinder verwendet wurde. Die Kombination mit ‚duerren‘ könnte auf eine getrocknete, krümelige Form hindeuten. Die Parallelüberlieferung (m384-078) lässt ‚duerren‘ weg und nennt nur ‚pfeffer‘, was die Interpretation als generische Gewürzbeigabe unterstützt.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 117v, Sermones - Cod. Aug. pap. 125. [Reichenau], [15. Jahrh.]. Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Aug. pap. 125, https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:31-64893 / Public Domain Mark 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ka1 (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ka1-076
LagerkücheLagerküche
Gut geeignet. Das Frittieren der Krapfen ist am offenen Feuer mit einem Topf oder Dutch Oven gut umsetzbar. Der aufgegangene Teig kann am Vortag vorbereitet oder morgens angesetzt werden, die Füllung ist schnell gemörsert.
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Stand dieser Fassung: 27.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.