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Apfel-Honig-Condiment (Doberis)

Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 · Bairischer Sprachraum, Entstehungsort unbekannt (Datierung 1438/39-Mitte 15. Jh. über Hartliebs "Namenmantik", nach Honold); später im Besitz der Grafen Starhemberg von Riedegg (Oberösterreich) · 1450

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit90 Min.Portionen1 Glas ~500 mlBuchBerlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 (~1450)

Nimm saure Äpfel nach dem Martinstag. Schäl sie, schneide die Kerne heraus und schneide die Äpfel dünn. Leg sie in ein Honiggetränk.

Lass es so lange sieden, bis es braun-schwarz wird. Das kannst du halten, wie lange du willst. Dieses Condiment heißt Doberis. Man kann auch Kepfel davon machen oder sie damit füllen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Sawr Ophel Saure Äpfel - Wochenmarkt Boskoop oder Elstar Äpfel
honig getrankch Honiggetränk - - -

Welches Gericht ist das? Ein auf Honig eingekochtes, dunkel karamellisiertes Apfelkonfekt zur Vorratshaltung nach dem Martinstag (11. November) - der Vorläufer von Apfelkraut beziehungsweise Apfellatwerge, entfernt verwandt mit dem englischen apple butter und dem ungarischen lekvar.

Der Name „Doberis" ist in allen drei bekannten Textzeugen - diesem Rezept, seiner Parallelhandschrift w1-262 und dem nahezu wortgleichen Rezept m5919-083 aus dem Cgm 5919 - identisch geschrieben. Das spricht für einen echten Eigennamen und gegen eine Verschreibung, klärt seine Herkunft aber nicht; sie bleibt ungeklärt.

Offen bleibt auch, ob das „Honiggetränk" (getrankch), in dem die Äpfel sieden, reines Honigwasser oder ein Honig-Wein-Sud war - der Text nennt beides nicht ausdrücklich. Da hier die historische Kerntechnik selbst unklar ist, wird an dieser Stelle keine moderne Ersatzwahl vorgeschrieben; beide Lesarten stehen nebeneinander.

Praxis. Saure Äpfel schälen, entkernen und dünn schneiden, dann in Honiggetränk einlegen und sieden lassen, bis die Masse braunschwarz wird - eine klassische Eindicktechnik, bei der Wasser verdampft und der Honig karamellisiert, während das Apfelpektin bindet. So entsteht eine feste, konzentrierte Paste, kein dünner Sirup: Das bestätigen auch die Zwillingsrezepte b4-222 und m5919-084, in denen dieselbe Paste später mit heißem Wasser wieder streichfähig gemacht wird. Die Masse hält sich anschließend beliebig lange und lässt sich pur essen oder als Füllung für Kepfel verwenden.

Was ist ein Condiment?

Ein Condiment ist ein Würzmittel, eine Würzsauce oder eine Beilage, die den Geschmack einer Speise ergänzt oder verstärkt. In diesem Rezept ist es eine süß-saure Apfelkonserve.

Was bedeutet 'nach Sand Merteins tag' im Rezept?

Der Martinstag am 11. November war im Mittelalter ein wichtiger Termin im Jahresverlauf. Er markierte oft den Beginn der vorweihnachtlichen Fastenzeit und war traditionell mit der Schlachtung von Vieh und der Konservierung von Lebensmitteln für den Winter verbunden. Die Angabe deutet darauf hin, dass dieses Condiment als Wintervorrat gedacht war.

Was sind 'Kepfel'?

Kepfel sind kleine, frittierte Teigtaschen oder Klöße, die im Mittelalter beliebt waren. Sie konnten sowohl süß als auch herzhaft gefüllt werden. Hier wird vorgeschlagen, das Apfel-Condiment als Füllung für Kepfel zu verwenden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, Goldstandard. Dieses Apfel-Honig-Condiment ist ein hervorragendes Lagergericht. Es ist einfach zuzubereiten, benötigt nur grundlegendes Kochgeschirr und ist nach dem Einkochen lange haltbar, auch ohne Kühlung.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 (Mitte 15. Jh.). CoReMA-Handschrift B4 (Berlin, Staatsbibliothek, Ms. germ. qu. 1187): bairisches Kochbuch der Mitte des 15. Jahrhunderts, 112 Blatt Papier. Enthält u.a. ein Paar-Rezept für "grünen Met" und ein Grundrezept "Wie du mett solt machen" (Honig-Wasser-Ansatz mit Hopfen und Hefe-Nachgärung) - textlich eng verwandt mit W1 (Wien, Cod. 2897), das dieselben zwei Met-Rezepte fast wortgleich überliefert.

Ain Condiment NIm Sawr Ophel Nach Sand Merteins tag schell sy sneid sy aus die kerenn sneid Sy dunn legs In ein honig getrankch lazz es syeden also lang pys es prawnn swarcz werd das machstu gehalten wie lang du wild Das Condiment haist doberis man mag auch kephel dauonn machen oder fullen
Condiment

Ein Condiment (von lateinisch condire ‚würzen‘) ist ein Würzmittel, eine Würzsauce oder eine Beilage, die den Geschmack einer Speise ergänzt oder verstärkt. Hier handelt es sich um eine süß-saure Apfelkonserve.

Sand Merteins tag

Der Martinstag am 11. November markierte im Mittelalter oft den Beginn der vorweihnachtlichen Fastenzeit und war ein traditioneller Termin für die Schlachtung von Vieh und die Konservierung von Lebensmitteln für den Winter.

kephel

‚Kepfel‘ (auch ‚Kefel‘) bezeichnet kleine, frittierte Teigtaschen oder Klöße, die oft mit süßen oder herzhaften Füllungen serviert wurden. Hier werden sie als mögliche Verwendung für das Apfel-Condiment genannt.

doberis

Eigenname dieser Apfel-Honig-Latwerge - der Text sagt selbst „Das Condiment haist doberis". Derselbe Name steht im Regensburger Kochbuch (m5919-083), bei Meister Hans als „dewericz" (mha-083). In b4-222 wird „des Doberis" als fertige Zutat wieder aufgegriffen: mit siedendem Wasser verdünnt und als Aufstrich auf einen Eierfladen gestrichen. Die Herkunft des Namens ist ungeklärt.

Handschrift
Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187
Folio
Fol. 111r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch)
Entstehung
Bairischer Sprachraum, Entstehungsort unbekannt (Datierung 1438/39-Mitte 15. Jh. über Hartliebs "Namenmantik", nach Honold); später im Besitz der Grafen Starhemberg von Riedegg (Oberösterreich), 1450
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

Sawr Ophelapple Q89

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartgetrankch

Gewählte Lesart: Honiggetränk (eine Flüssigkeit aus Honig und Wasser)

Andere mögliche Lesart:

  • Honig-Wein-Sud (ein gewürzter Wein mit Honig) - Die einfachere Lesart als Honig-Wasser-Mischung ist für ein Konservierungsrezept plausibler, da Wein nicht explizit genannt wird und die Zubereitung keine Gärung impliziert.

Lesartdoberis

Gewählte Lesart: Doberis - Eigenname dieses Condiments, im Korpus mehrfach belegt: m5919-083 („doberis"), mha-083 („dewericz") und als Zutat in b4-222 und m5919-084.

Andere mögliche Lesart:

  • Doberis (abgeleitet von einem Wort für 'gut' oder 'lecker') - Der Text präsentiert es als Namen ('Das Condiment haist doberis'). Eine deskriptive Ableitung von einem Wort für 'gut' oder 'lecker' ist denkbar, aber nicht explizit belegt.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 111r, Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz -, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), B4 (Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz -, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/b4-260
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Ein einfaches Apfel-Honig-Condiment, das lange haltbar ist und keine Kühlung benötigt. Die Zubereitung ist unkompliziert und erfordert nur grundlegendes Kochgeschirr.
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Stand dieser Fassung: 24.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.