Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Verjus-Sauce aus Trauben und Äpfeln

Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 · Bairischer Sprachraum, Entstehungsort unbekannt (Datierung 1438/39-Mitte 15. Jh. über Hartliebs "Namenmantik", nach Honold); später im Besitz der Grafen Starhemberg von Riedegg (Oberösterreich) · 1450

Gewürz / SauceGewürz / SauceLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9.3/10
Zubereitungszeit15 Min.Portionen4-6 PersonenBuchBerlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 (~1450)

Nimm Weintrauben und saure Äpfel und stoße sie. Vermische das zusammen mit Wein. Drücke es aus. Die Sauce ist gut zu Schafbraten und zu Hühnern und Fischen. Gib sie dazu.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
weintreawben Weintrauben - Supermarkt -
Sawr ophel Saure Äpfel - Supermarkt Boskoop oder Elstar
wein Wein - - -

Welches Gericht ist das?

Eine Verjus-Sauce aus Weintrauben und sauren Äpfeln, mit Wein verlängert und ausgepresst - eine reine Säure-Sauce zu Schafbraten, Huhn und Fisch, ohne Feuer und ohne Bindemittel hergestellt. Der Grundtext findet sich nahezu wortgleich auch in w1-263, m811-001, koe-031 und bgs-032a (dort "agraz" genannt) sowie in ri15632-041 wieder - eine im deutschsprachigen Kochbuchbestand der Zeit breit belegte Gerichtsfamilie.

Praxis.

Trauben und saure Äpfel im Mörser zerstoßen, mit Wein vermengen und durch ein Tuch auspressen - fertig ist die Sauce, ganz ohne Kochen. Für die charakteristische Säure des Agres eignen sich unreife, saure Trauben am besten; reife, süße Trauben ergeben eine deutlich mildere Sauce. Die fertige Mischung ist ungegoren und unkonserviert und sollte am selben Tag verwendet werden, da sie zügig oxidiert.

Was ist Agres?

Agres ist eine mittelalterliche Bezeichnung für Verjus, den sauren Saft unreifer Trauben. In diesem Rezept wird er mit Äpfeln und Wein zu einer frischen, würzigen Sauce verarbeitet, die zu verschiedenen Fleisch- und Fischgerichten gereicht wird.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, Goldstandard. Die Zubereitung ist schnell und erfordert nur robuste Zutaten wie Weintrauben, Äpfel und Wein, die am Lager leicht verfügbar sind. Ein Mörser und ein Tuch zum Ausdrücken genügen als Equipment.

Brauche ich einen Mörser und Stößel?

Ja, das Rezept verlangt das Zerstoßen der Früchte. Ein großer Mörser ist ideal, um Weintrauben und Äpfel aufzubrechen und ihren Saft zu extrahieren. Alternativ kannst du einen modernen Blender oder eine Küchenmaschine verwenden, um die Früchte zu zerkleinern, bevor du sie durch ein Tuch ausdrückst.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 (Mitte 15. Jh.). CoReMA-Handschrift B4 (Berlin, Staatsbibliothek, Ms. germ. qu. 1187): bairisches Kochbuch der Mitte des 15. Jahrhunderts, 112 Blatt Papier. Enthält u.a. ein Paar-Rezept für "grünen Met" und ein Grundrezept "Wie du mett solt machen" (Honig-Wasser-Ansatz mit Hopfen und Hefe-Nachgärung) - textlich eng verwandt mit W1 (Wien, Cod. 2897), das dieselben zwei Met-Rezepte fast wortgleich überliefert.

Ain Agres NIm weintreawben Vnd Sawr ophel vnd stozz das meng das zu Samen mit wein trukch es aus die salsen ist gut zu schaffein pratten vnd zu hunern vnd vischen gib sy hin
Agres

Verjus, der Saft unreifer Trauben, hier mit Äpfeln zu einer frischen Sauce verarbeitet.

stozz das

Das Zerstoßen im Mörser dient dazu, die Früchte aufzubrechen und den Saft zu extrahieren.

trukch es aus

Das Ausdrücken durch ein Tuch trennt die festen Bestandteile vom Saft, um eine klare Sauce zu erhalten.

salsen

Eine Sauce oder Tunke, die hier als Beilage zu Fleisch und Fisch dient.

schaffein pratten

Braten vom Schaf oder Lamm.

Handschrift
Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187
Folio
Fol. 111v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch)
Entstehung
Bairischer Sprachraum, Entstehungsort unbekannt (Datierung 1438/39-Mitte 15. Jh. über Hartliebs "Namenmantik", nach Honold); später im Besitz der Grafen Starhemberg von Riedegg (Oberösterreich), 1450
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

weintreawbenraisin Q13186
Sawr ophelapple Q89
weinwine Q282

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartweintreawben (reif oder unreif?)

Gewählte Lesart: Der Text sagt nicht, ob die Trauben reif oder unreif sind, und keine der sechs Fassungen sagt es. Der Name „Agres" (Verjus, von französisch aigre, sauer) spricht für unreife, saure Trauben; die sauren Äpfel verstärken die Säure.

Andere mögliche Lesart:

  • Reife Trauben - die Säure kommt von den sauren Äpfeln - Textlich ebenso möglich. Die jüngeren Fassungen ohne den Namen Agres (Cgm 811, Clm 15632, Königsberg) erlauben statt Wein auch Essig; dort liefert der Essig die Säure.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 111v, Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz -, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), B4 (Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz -, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/b4-261
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Goldstandard: Schnelle Zubereitung mit robusten Zutaten, die am Lager leicht verfügbar sind. Benötigt nur Mörser und Tuch.
Alle Rezepte aus Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.

Stand dieser Fassung: 24.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.