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Gebackene Morcheln im Teigmantel

Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1) · Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee) · 1450

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10
Zubereitungszeit20 Min.Portionen2-4 PersonenBuchReichenauer Kochbuch (~1450)

Nimm kleine Morcheln und wasche sie sehr sauber. Schneide die Stiele davon ab.

Mache einen dünnen Teig aus weißem Mehl und gieße ein wenig Wein hinein. Färbe und würze den Teig nach Belieben.

Ziehe die Morcheln durch den Teig, sodass sie gut umhüllt sind, und backe sie anschließend in einer Pfanne.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
klain morochen kleine Morcheln - gut sortierter Supermarkt, Wochenmarkt -
wissem mel weißes Mehl - - -
ain wenig winß etwas Wein - - Most oder Wasser
farbs Färbemittel (optional) - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel Safran für Gelb, rotes Sandelholz für Rot
bewurcz Gewürze (optional) - - -

Welches Gericht ist das? Frische Morcheln im Ausbackteig, in der Pfanne herausgebacken - im Kern dasselbe Verfahren wie die Apfelküchlein (teg-036) oder die im Teig gebackenen Vögel (sev-027): ein dünner Teigmantel, der die Zutat umhüllt und beim Backen knusprig wird. Ein frühes Pilz-Beignet. Im selben Buch wird die Morchel auch in der Eier-Käse-Pastete verarbeitet, andernorts gefüllt vom Rost.

morochen - Morcheln. Eindeutig die Speisepilze mit der Wabenstruktur. butzen = die Stiele/Strünke, die abgeschnitten werden.

dunen taig - dünner Teig. Ein leichter Ausbackteig aus Weizenmehl mit etwas Wein, nach Belieben gewürzt und gefärbt. Die Münchner Parallelhandschrift (Cgm 384, m384-083) liest an dieser Stelle ebenfalls „dünn“, was zum zarten Pilz gut passt.

Färben und Würzen stehen frei. Periodentreu wären für Gelb Safran, für Rot rotes Sandelholz - welche Gewürze gemeint sind, sagt der Text nicht, der Koch entscheidet nach Vorrat.

Praxis. Morcheln sehr gründlich waschen - in den Waben sitzt gern Sand. Stiele abschneiden. Einen dünnflüssigen Teig aus Weizenmehl und etwas Weißwein anrühren (Konsistenz wie ein leichter Pfannkuchenteig, das Mehl bindet sich am Pilz). Morcheln durch den Teig ziehen, bis sie rundum umhüllt sind, und in heißem Fett goldbraun ausbacken. Wichtig: Morcheln enthalten roh ein hitzeempfindliches Gift und müssen durchgegart werden - lieber etwas länger backen, halbgar dürfen sie nicht bleiben.

Wo bekomme ich Morcheln?

Frische Morcheln sind saisonal auf Wochenmärkten oder in gut sortierten Feinkostläden erhältlich. Getrocknete Morcheln findest du ganzjährig im gut sortierten Supermarkt oder im Online-Gewürzhandel. Vor der Verwendung müssen getrocknete Morcheln eingeweicht werden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses einfache Gericht ist gut für die Lagerküche geeignet. Es benötigt nur wenige, robuste Zutaten und kann in einer Pfanne über offenem Feuer oder auf einem Kocher schnell zubereitet werden.

Welche Färbemittel und Gewürze soll ich verwenden?

Das Rezept lässt die Wahl der Färbemittel und Gewürze offen. Typische Färbemittel im Mittelalter waren Safran (für Gelb), rotes Sandelholz (für Rot) oder auch Spinat (für Grün). Welche Gewürze gemeint sind, sagt der Text nicht; die Wahl bleibt dir überlassen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Reichenauer Kochbuch (15. Jh., Südwestdeutschland - Reichenau/Bodensee). Rezeptteil (fol. 108r-120r) der Sammelhandschrift "Sermones", Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 - bei CoReMA/Ehlert als "Reichenauer Kochbuch" gefuehrt, Schwester-Handschrift zu den Muenchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384/M2, vgl. Ehlert 1996). TEI-Text via CoReMA (CC BY 4.0), Faksimile Public Domain Mark 1.0 (BLB Karlsruhe).

bachen morachen Nim klain morochen vnd waschs gar suber vnd schnid die butzen dar von vnd mach ain dunen taig von wissem mel vnd guß ain wenig winß dar an farbs bewurcz vnd zuch die morochen dar durch vnd bach es jn ainer pfannen etc.
morochen

Morcheln sind essbare Speisepilze mit charakteristischer Wabenstruktur. Sie waren im Mittelalter eine geschätzte Zutat.

butzen

Bezeichnet hier die Stiele oder Ansätze der Morcheln, die vor der Zubereitung entfernt werden sollen.

dunen taig

Ein dünner Teig, der die Morcheln umhüllen soll.

Handschrift
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1)
Folio
Fol. 118r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)
Entstehung
Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee), 1450
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

wissem melwheat flour Q2249305
ain wenig winßwine Q282
farbsfood coloring Q753009
bewurczspice Q42527

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartzuch die morochen dar durch

Gewählte Lesart: ‚ziehe die Morcheln dadurch'. Die Morcheln werden durch den Teig gezogen, sodass sie rundum umhüllt sind, bevor sie ausgebacken werden.

Originalwerk (~1450) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 118r, Sermones - Cod. Aug. pap. 125. [Reichenau], [15. Jahrh.]. Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Cod. Aug. pap. 125, https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:31-64893 / Public Domain Mark 1.0
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ka1 (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125), CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/ka1-083
LagerkücheLagerküche
Im Topf oder in der Pfanne am Feuer in etwa 20 Minuten fertig. Die Zutaten sind robust und benötigen keine besondere Kühlung.
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Stand dieser Fassung: 27.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.