Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 · Wien, vermutlich Augustiner-Chorherrenstift St. Dorothea (Besitzvermerke 15. Jh. auf Bl. 1r, 15r, 28v, 54v, 91v) · 1450
Ein weiteres Hühnerrezept. Mache gebratene Hühner mit Quitten oder mit Birnen. Verfahre dabei auf dieselbe Weise, wie du es mit den Quitten, Zwiebeln oder Birnen machst.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| huner | Hühner | - | - | - |
| kuten | Quitten (optional) | - | - | - |
| pieren | Birnen (optional) | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Gebratenes Geflügel mit gedünstetem oder mitgebratenem Kernobst beziehungsweise Zwiebeln als Beilage - ein Muster, das bis heute in ähnlicher Form gekocht wird, etwa als Brathähnchen mit Quitten oder als Gänse- und Entenbraten mit Birnen oder Äpfeln. Die fast wortgleiche Parallelstelle b4-172 in der Berliner Schwesterhandschrift bestätigt Lesung und Zubereitung.
Gebraten, nicht Brät. ‚Gepratne huner‘ ist das Partizip von braten - nicht das Substantiv ‚geprät‘ (Brät/Farce), das im Korpus ebenfalls vorkommt und leicht damit verwechselt wird.
Verweis statt eigener Anleitung. Der zweite Satz verweist vollständig auf eine andernorts beschriebene Zubereitung, statt sie zu wiederholen.
Praxis. Der Text nennt nur eine Handlung: braten, wie es für ganzes Geflügel im Corpus üblich ist. Für die Beilage gibt es keine eigenständige Anleitung - Gargrad, Menge und Würzung von Quitten, Birnen oder Zwiebeln legt der Text nicht fest, sondern setzt sie als bekannt voraus. In der Praxis passt eine feste, säuerliche Frucht oder eine mitgebratene Zwiebel als Kontrast zum Fett des Bratenguts.
Diese Formulierung bedeutet, dass die Zubereitung der Quitten, Zwiebeln oder Birnen in einem anderen, nicht näher spezifizierten Rezept des Kochbuchs beschrieben wird. Dieses Rezept hier ist eine Variante, die auf diese bekannte Methode verweist, ohne sie zu wiederholen.
Ja, gut geeignet. Hühnerbraten ist am Lagerfeuer gut machbar. Quitten und Birnen sind robuste Zutaten, die keine spezielle Kühlung benötigen.
Das Wort 'geprät' (oder 'prät') bezeichnet im Mittelhochdeutschen eine Farce oder ein Brät aus fein zerkleinertem Fleisch oder Fisch. 'Gepratne' hingegen ist die Partizipialform von 'braten' und bedeutet 'gebraten' oder 'geröstet'. Im vorliegenden Rezept ist 'gepratne huner' eindeutig als 'gebratene Hühner' zu verstehen.
Dieses Rezept stammt aus dem Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897 (Mitte 15. Jh. - Teil I). CoReMA-Handschrift W1 (Wien, Österr. Nationalbibl., Cod. 2897): dreiteilige Sammelhandschrift, Teil I (Kochrezepte, Bl. 1r-53v) aus der Mitte des 15. Jh., Teil III älter (Mitte 14. Jh.). Textlicher Zwilling von B4 (Berlin, Ms. germ. qu. 1187) - beide überliefern u.a. dasselbe "grün Met"-Rezeptpaar fast wortgleich.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| huner | chicken Q864693 |
| kuten | quince Q2751465 |
| pieren | pear Q13099586 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
gepratne huner
Gewählte Lesart: Gebratene Hühner. Die Endung '-ne' kennzeichnet ein Partizip oder Adjektiv, das 'Hühner' näher beschreibt, und nicht das Nomen 'geprät' (Brät/Farce). Der Kontext des Bratens von Hühnern stützt diese Lesart.
Andere mögliche Lesart:
in der selbem weis als du an dy kuten oder czwiual tust oder pieren
Gewählte Lesart: Auf dieselbe Weise, wie du es mit den Quitten, Zwiebeln oder Birnen machst. Dies ist ein Verweis auf eine bereits bekannte Zubereitungsmethode für diese Früchte/Gemüse, die in einem anderen Rezept beschrieben sein muss.
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Stand dieser Fassung: 18.09.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.