Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Knödel, schwarz angerichtet, oder auf einem Rost abgebräunt, oder in einem Gescharb angerichtet, sei es Mandel- oder Apfelgescharb.
Mit weißer Eierbrühe. Auch mit einer weißen Eierbrühe: Wenn sie gar gekocht sind, gießt man die Eierbrühe daran, mit Essig; lass einen Sud aufwallen, mit frischer, nicht zerlassener Butter, so werden sie gut.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| (erschlossen) | Hirsch | - | Wildhändler, gut sortierter Metzger | - |
| Knoͤdel | Knödel | - | - | - |
| Mandel | Mandel | - | Supermarkt (Backregal) | - |
| Epffelgescharb | Äpfel | - | - | säuerliche Sorte wie Boskoop |
| Eyerbruͤh | Eier | - | - | - |
| Essig | Essig | - | - | - |
| Butter | Butter | - | - | - |
Welches Gericht ist das? Keine Rezeptur, sondern eine Reihe von Anrichtearten für Knödel, die man schon hat. Wie die Knödel gemacht werden, sagt der Text nicht: keine Masse, keine Mengen, keine Garzeit. Dass es Hirschknödel sind, ergibt sich allein aus dem Kapitel. Rumpolt nennt vier Wege: schwarz angerichtet, auf dem Rost abgebräunt, im Mandel- oder Apfelgescharb, oder mit weißer Eierbrühe.
Schwarz angerichtet. Der Text sagt nur „schwarz“, nicht womit. Im selben Kapitel färbt Rumpolt in Nr. 26 eine schwarze Sauce zum Wildbret mit Blut; ob das hier gemeint ist, bleibt offen.
Vom Rost. Abbräunen auf dem Rost gibt Röstaroma und eine Kruste. Rumpolt macht dasselbe mit Kalbsknödeln (Kalbskapitel Nr. 43).
Im Gescharb. Gescharb ist klein Geschnittenes. Für das Mandelgescharb die Mandeln abziehen und klein schneiden; für das Apfelgescharb die Äpfel würfeln und kurz in Butter anschwitzen, ohne dass sie weich werden. Die Ausführung beschreibt Rumpolt hier nicht, wohl aber in Nr. 26 desselben Kapitels (Apfel) und in Nr. 43 des Kalbskapitels (Mandel).
Weiße Eierbrühe. Die Eierbrühe ist nur genannt, nicht beschrieben. Heute: Eigelb mit etwas Essig verquirlen und in heiße Brühe einrühren, dabei nicht kochen lassen, sonst gerinnt das Ei. „Laß ein Sudt auffthun“ heißt: einmal aufwallen lassen, nicht lange kochen. Die frische Butter zuletzt einrühren. Der Essig gibt dem Wild Säure.
Praxis. Die Knödel nach eigenem Rezept aus Hirschhack herstellen und in Brühe gar sieden. Danach eine der Anrichtearten wählen. Die Reihenfolge von Essig, Sud und Butter nennt der Text nicht.
Das Rezept steht als Nr. 29 im Kapitel „Erstlich vom Hirsch“. Rumpolt nennt das Tier in den Rezepten dieses Kapitels oft nicht, weil die Überschrift es vorgibt.
Klein Geschnittenes, hier von Mandeln oder Äpfeln. Grimms Wörterbuch belegt das Wort als Geschnitzeltes und kennt ein „mandelgescherb“ aus einem Augsburger Kochbuch. Wie das Gescharb zu diesen Knödeln gemacht wird, sagt Rumpolt hier nicht; im selben Kapitel beschreibt er ein Apfelgescharb aus gewürfelten, gelb gefärbten, kurz angeschwitzten Äpfeln.
Der Text nennt keine Zutaten, nur die Farbe. Im selben Kapitel macht Rumpolt eine schwarze Sauce zum Wildbret mit Blut; ob er das hier meint, bleibt offen.
Eingeschränkt. Die Knödel sind aus frischem Hirschfleisch, und das braucht eine Kühlkette; am besten am Markttag beim Wildhändler oder Metzger kaufen und gleich verarbeiten. Sieden, Abbräunen auf dem Rost und das Aufwallen der Brühe gehen mit Topf und Grillrost gut.
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
„Schwarz angerichtet“, also in einer dunklen Sauce. Woraus sie besteht, sagt der Text nicht. Im selben Kapitel macht Rumpolt eine schwarze Sauce zum Wildbret mit Blut (Nr. 26).
Klein Geschnittenes, Geschnitzeltes. Grimms Wörterbuch belegt „gescharb“ als Geschnitzeltes und kennt ein „mandelgescherb“ aus einem Augsburger Kochbuch; das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch hat „gescherbe“ als Obstschnitzel. Rumpolt macht es dick in Wein oder Brühe oder trocken; welche Art hier gemeint ist, sagt der Text nicht.
Bratrost über Glut.
Rumpolts feste Wendung für „gar gekocht“.
Frische Butter, die nicht zerlassen ist, also weder geschmolzen noch ausgelassen. Grimms Wörterbuch kennt „frische, unzerlassene butter“ als feste Wendung.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| (erschlossen) | venison Q2296872 |
| Knoͤdel | knödel Q158382 |
| Mandel | almond Q184357 |
| Epffelgescharb | apple Q89 |
| Eyerbruͤh | chicken egg Q15260613 |
| Essig | vinegar Q41354 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
gescharb / Mandel oder Epffelgescharb
Gewählte Lesart: Klein Geschnittenes von Mandeln oder Äpfeln, in dem die Knödel angerichtet werden: Grimms Wörterbuch belegt „gescharb“ als Geschnitzeltes und „mandelgescherb“ aus einem Augsburger Kochbuch, das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch „gescherbe“ als Obstschnitzel.
Andere mögliche Lesarten:
schwartz eyngemacht
Gewählte Lesart: Nur eine Farbangabe: in einer schwarzen Sauce angerichtet. Das Farbmittel nennt der Text nicht.
Andere mögliche Lesart:
laß ein Sudt auffthun
Gewählte Lesart: Einen Sud einmal aufwallen lassen, die frische Butter dazu. Gemeint ist die Eierbrühe mit dem Essig, nicht ein erneutes Kochen der Knödel.
Andere mögliche Lesarten:
weisse Eyerbruͤh
Gewählte Lesart: Eine Eierbrühe, wie Rumpolt sie beim Kalbsgekröse (Kalbskapitel Nr. 15) beschreibt: Eidotter mit etwas Essig, durch ein Haartuch gestrichen, mit guter Rindsbrühe, frischer Butter und grünen Kräutern aufgesotten. Hier ist sie nur genannt.
Andere mögliche Lesart:
vnzerlassener Butter
Gewählte Lesart: Frische, nicht zerlassene Butter, so buchweit aufgelöst; Grimm belegt „frische, unzerlassene butter“.
Andere mögliche Lesart:
abgebreunt
Gewählte Lesart: „Abgebräunt“, auf dem Rost braun geröstet, so im Buch durchgängig, etwa bei Kalbsknödeln (Kalbskapitel Nr. 43).
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 01.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.